Bézenac

Bézenac
Staat Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Dordogne
Arrondissement Sarlat-la-Canéda
Gemeinde Castels et Bézenac
Koordinaten 44° 51′ N, 1° 5′ O
Postleitzahl 24220
Ehemaliger INSEE-Code 24041
Eingemeindung 1. Januar 2017

Kirche Saint-Pierre-es-Liens

Bézenac (Aussprache [bezˈnak], okzitanisch Besenac) ist ein Ort und ehemalige südwestfranzösische Gemeinde mit 156 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Sarlat-la-Canéda. Die Einwohner werden Bézenacois und Bézenacoises genannt.

Die Erlasse des Präfekten vom 29. Juni 1916 und 1. Juli 2016 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2017 die Eingliederung von Bézenac zunächst als Commune déléguée zusammen mit der früheren Gemeinde Castels zur Commune nouvelle Castels et Bézenac fest.[1] Der Erlass des Präfekten vom 31. Dezember 2019 legte die Auflösung der Communes déléguées zum 1. Januar 2020 fest.[2]

Geografie

Bézenac liegt etwa 48 Kilometer südöstlich von Périgueux, etwa 11 Kilometer südwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 48 Kilometer östlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord noir, Teil des gleichnamigen, touristisch benannten Landesteils auf dem Nordufer der Dordogne.

Der Ort Bézenas setzt sich aus verstreut liegenden Gebäuden an einer Landstraße und weiteren Dörfern und Weiler zusammen. Das Ortsgebiet gehört im Südwesten zu einem großen Teil zur Schwemmebene der Dordogne. Nach Nordosten hin erhebt sich schroff abhebend eine waldreiche Hügellandschaft. Dort ist auch der topographisch höchste Punkt ist mit 281 m Höhe zu finden. Der tiefste Punkt mit 57 m wird im äußersten Südwesten beim Austritt der Dordogne aus dem Ortsgebiet gemessen. Der Standort der ehemaligen Mairie befindet sich erhöht auf etwa 125 m Meereshöhe.

Umgeben wird Bézenac von vier Nachbargemeinden und des weiteren Ortsteils von Castels et Bézenac:

Castels (Castels et Bézenac) Beynac-et-Cazenac
Saint-Vincent-de-Cosse
Berbiguières Allas-les-Mines

Toponymie und Geschichte

Der Name des Dorfes wurde erstmals im 12. Jahrhundert in der Schreibweise Besenac erwähnt (1147), später in latinisierter Form Bezenaco (1348). Er stammt von einer gallorömischen Person namens Bettienus, dem das Suffix -acum als Eignertitel angehängt wurde (somit Bettienacum, Landgut des Bettienus).[3]

Die Gegend um Bézenac ist seit dem Jungpaläolithikum besiedelt, wie die Fundstätte beim Weiler Flageolet belegt, die zwischen 1966 und 1993 freigelegt wurde. Zwei miteinander verbundene Abris zeigen Spuren der Bewohnung im Aurignacien bzw. Magdalénien.[4] Sie birgt außerdem beeindruckende gallorömische Überreste, die als Villa Coustaty bekannt sind: Ausgrabungen legten neben zahlreichen Münzen eine Wehrmauer, architektonische Elemente und Aquädukte frei.

Im Mittelalter erlebte Bézenac eine Blütezeit. Die Kirche Saint-Pierre-ès-Liens mit ihrem markanten Glockenturmgiebel wurde während des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) erbaut. Die Kämpfe zwischen Franzosen und Engländern trafen die Dorfbewohner hart, die Plünderungen zum Opfer fielen. Im 15. Jahrhundert wurde das Feste Haus Flageolet zum Schutz eines Teils des Gemeindegebiets errichtet.[5]

Bevölkerungsentwicklung

Bézenac: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2017
Jahr  Einwohner
1793
  
380
1800
  
357
1806
  
377
1821
  
326
1831
  
352
1836
  
371
1841
  
400
1846
  
411
1851
  
387
1856
  
370
1861
  
388
1866
  
375
1872
  
351
1876
  
380
1881
  
407
1886
  
353
1891
  
303
1896
  
277
1901
  
233
1906
  
253
1911
  
255
1921
  
233
1926
  
222
1931
  
204
1936
  
200
1946
  
194
1954
  
165
1962
  
168
1968
  
167
1975
  
137
1982
  
169
1990
  
117
1999
  
129
2006
  
123
2013
  
145
2017
  
156
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8][9]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Im 19. Jahrhundert hatte der Ort meist zwischen 300 und 400 Einwohner. Die Reblauskrise im Weinbau und der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Mechanisierung der Landwirtschaft haben seitdem zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang geführt.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Kirche Saint-Pierre-es-Liens ist ein einschiffiger Bau des 12. Jahrhunderts, der jedoch nach Ende des Hundertjährigen Krieges gründlich überarbeitet wurde. Aus dieser Zeit stammt auch der kleine Portalvorbau und vielleicht auch der darüber aufragende Glockengiebel. Die Kirche wurde in den Jahren 2018 bis 2021 mit Geldspenden und Eigenleistungen des Heimatvereins restauriert und so vor dem Verfall bewahrt. Dabei kamen Fresken wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert zum Vorschein. In der Kirche finden heute wieder regelmäßig Gottesdienste statt.
  • Das Schloss Le Thon wurde im 17. Jahrhundert auf einer Terrasse mit Blick auf das Dordogne-Tal errichtet. Der Hauptkörper wird von zwei Pavillons eingerahmt, die zusammen einen U-förmigen Innenhof bilden. Im Süden des Anwesens ist ein viereckiger Taubenschlag mit seiner drehbaren Leiter, den Einfluglöchern und Sitzstangen erhalten geblieben. Er begründete die Einschreibung der Fassaden und Dächer des Taubenschlags im Jahr 1981 als Monument historique.[10] Der Komplex befindet sich in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Persönlichkeiten

Jean-Pierre Bouchard (1955-), französischer Schauspieler, in Bézenac zur Schule gegangen

Literatur

Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).

Commons: Bézenac – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Recueil des actes administratifs N°24-2016-019. (PDF) Département Dordogne, 19. Juli 2016, S. 134–138, 152–156, abgerufen am 17. Oktober 2025 (französisch).
  2. Recueil des actes administratifs N°24-2019-055. (PDF) Département Dordogne, 31. Dezember 2019, S. 44–46, abgerufen am 17. Oktober 2025 (französisch).
  3. Tanet, Hordé, Seiten 58–59
  4. Jean-Philippe Rigaud, Jan Simek, Françoise Delpech, Jean.Pierre Texier: L’Aurignacien et le Gravettien du nord de l’Aquitaine: la contribution du Flageolet I (Bézenac, Dordogne, France). researchgate.net, 2016, abgerufen am 25. November 2025 (französisch).
  5. Bézenac (französisch) (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive)
  6. Notice Communale Bézenac. EHESS, abgerufen am 17. Oktober 2025 (französisch).
  7. Populations légales 2006 Commune de Bézenac (24041). INSEE, abgerufen am 17. Oktober 2025 (französisch).
  8. Populations légales 2013 Commune de Bézenac (24041). INSEE, abgerufen am 17. Oktober 2025 (französisch).
  9. Populations légales 2017. INSEE, abgerufen am 17. Oktober 2025 (französisch).
  10. Château du Thon, Bézenac in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)