Cai-Cassa (Ort, Gugleur)
| Cai-Cassa | ||
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| Koordinaten | 8° 39′ S, 125° 9′ O | |
| Basisdaten | ||
| Staat | Osttimor | |
| Gemeinde | Liquiçá | |
| Verwaltungsamt | Maubara | |
| Suco | Gugleur | |
| Aldeia | Cai-Cassa | |
| Höhe | 550 m | |
Cai-Cassa (Caicasa, Kaikasa) ist ein osttimoresischer Ort im Suco Gugleur (Verwaltungsamt Maubara, Gemeinde Liquiçá).
Geographie
Das Dorf befindet sich im Zentrum der Aldeia Cai-Cassa auf dem Foho Lebulisa, in einer Meereshöhe von 550 m.[1] Östlich liegt das Tal des Tikidur, eines Quellflusses des Marae.[2] Eine Straße führt nach Nordosten in das Dorf Puquelete und nach Süden in das Dorf Lautecas.[1]
In Cai-Cassa befinden sich der Sitz des Sucos Gugleur, die Kapelle Cristo Liurai Cai-Cassa (deutsch Christus König), ein Hospital und eine Grundschule.[1]
Geschichte
Nach der Revolte von 1863 ließ sich der Rebellenführer Maubute in Cai-Cassa nieder.[3.1] Anfang 1893 forderte Joaquim Augusto dos Santos, der Kommandant des Forts Maubara, von der Herrscherin Maubaras Dona Maria Doutel, man solle Kalk für die Reparatur der Brücke der Hauptstraße bereitstellen. Die Königin leitete den Befehl an den Chefe von Cai-Cassa weiter. Maubute, der noch immer in Cai-Cassa lebte, erhob Einspruch. Er verlangte, dass die Einwohner zuerst für ihn ein Haus bauen müssten, bevor sie unbezahlte Arbeit für die Portugiesen an der Küste leisten dürften. Darüber gerieten der Chefe von Cai-Cassa und Maubute in einen heftigen Streit, der so weit ging, dass Maubute laut Gouverneur Forjaz vor Wut sich „den Bart ausriss, was unter den Timoresen die größte Beleidigung darstellt.“ Der Chefe wandte sich an Dona Maria Doutel und sie rief ihren Großneffen zu sich, doch der weigerte sich zu kommen. Die Königin schickte daraufhin Soldaten nach Cai-Cassa, die Maubute holen sollten, möglicherweise auf Forderung von Leutnant Santos. Die Kämpfer gingen unter weißer Fahne zu Maubute und baten ihn zum Fort Maubara zu kommen, wo „Gerechtigkeit widerfahren würde“. Maubute forderte zwei Tage Aufschub, doch der Truppführer verlangte, dass Maubute sofort mitkäme. Maubute begann daraufhin zu schießen, die Soldaten stürmten das Dorf, aber Maubute gelang die Flucht. Er floh auf die dicht bewaldete Südseite des Berges im heutigen Guiço, wo er sich mit seinen Getreuen Matias und Buru Bara versteckte. Kundschafter spürten die Männer aber auf und Santos forderte Maubute erneut auf, mit ihm zu kommen. Santos wollte ihn als friedliches Zeichen die Hand reichen, doch Maubute missverstand die westliche Geste und schlug zu, woraufhin die Soldaten das Feuer eröffneten. Matias starb, doch die beiden anderen entkamen unverletzt. Es war mit ein Auslöser für den Ausbruch der Revolte von 1893.[3.2]
In den ersten Jahren der Besatzung machte die indonesische Verwaltung Cai-Cassa zum Verwaltungssitz von Guguleur.[3.3]
Ende 1998 wurde in Cai-Cassa die pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih (BMP) gegründet.[3.3][4] Diese Miliz galt als eine der gefürchtetsten in Osttimor während der Gewaltwelle vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum 1999. Sie wird für Brandstiftung, Mord, Folter und Vergewaltigung in hunderten Fällen verantwortlich gemacht.[5]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Liquiçá ( vom 15. Januar 2023 im Internet Archive).
- ↑ Timor-Leste GIS-Portal ( vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
- ↑ Douglas Kammen: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, 2019, ISBN 978-0-8135-7412-7 (degruyter.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ East Timor Ireland Solidarity Campaign - Briefing Paper
- ↑ Hamish McDonald et al.: Masters of Terror: Indonesia's military & violence in East Timor in 1999, Strategic and Defence Studies Centre, Australian National University, Canberra 2002, ISBN 07315 54191.