Brunau (Zürich)
Die Brunau ist ein Naherholungsgebiet der Schweizer Stadt Zürich im Südwesten der Stadt in den Quartieren Wollishofen und Wiedikon. Ursprünglich bezeichnete der Begriff Brunau nur die kleine Siedlung am östlichen Rand der Schwemmebene der Sihl. Heute wird er meist gleichgesetzt mit den Bezeichnungen der gesamten Ebene, die früher als Wollishofer Allmend und heute auch als Zürcher Allmend oder Allmend Brunau bekannt ist.
Geographie
Die Allmend Brunau erstreckt sich von der Saalsporthalle im Norden bis zum Quartier Manegg im Süden, das sich auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik an der Sihl befindet. Westlich wird die Ebene von der Flanke des Uetlibergs mit dem Albisgüetli begrenzt, östlich von den parallel zum linken Seeufer des Zürichsees verlaufenden Moränenzügen, den Seitenmoränen des Linthgletschers, die am Ende der letzten Eiszeit entstanden sind.
Die Brunau wird von der Stadt Zürich in drei Teilbereiche gegliedert:
- Allmend I umfasst das Gebiet im südlichen Abschnitt zwischen der Sihl und der Autobahn A3W.
- Allmend II, bezeichnet das nördlich der Sihl gelegene Areal, das hauptsächlich durch die Rasensportanlage Allmend Brunau genutzt wird.
- Allmend III, erstreckt sich westlich der Sportanlagen und wird im Norden und Westen durch den Albisgüetliweg begrenzt.
Insgesamt umfasst die Allmend mit angrenzendem Wald und der Saalsporthalle eine Fläche von 160 Hektar.[1]
Abgesehen vom für Sportzwecke genutzten Bereich liegt die Allmend Brunau im Natur- und Landschaftsschutzgebiet Uetliberg-Albis. Einige kleine Bereiche sind als Amphibienlaichgebiete Amphibienbiotope Allmend III und als Trockenwiese Allmend vom Bund als Naturschutzgebiete von nationaler Bedeutung geschützt.[2][3] Das kantonale Schutzgebiet Allmend Brunau, Riedwiese, Magerwiese, Gewässer geht über diese Fläche hinaus. Der Rest ist Teil einer kantonalen Landschaftsschutzzone.[4]
Ein Wehr an der Sihl auf der Allmend schützt seit 1968 die Sihlhochstrasse vor Eisgang.[5] Bei einem grossen Hochwasser der Sihl würde der Fluss Teile der Allmend überfluten.[6]
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Blick über die Allmend III Brunau nach Süden
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Weg über die Allmend I
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An der Sihl
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Sihlwehr Allmend
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Geschichte
Anfangs wurde die Brunau als Allmend genutzt. Im 13. Jahrhundert ist die Nutzung durch den Gutsbetrieb einer Zürcher Abtei in Enge nachgewiesen. Ebenso sind aus dem 16. Jahrhundert Aufzeichnungen über Hochwasserschutzmassnahmen entlang der Sihl und Grenzstreitigkeiten im südlichen Teil mit Leimbach vorhanden. Ab Ende des 17. Jahrhunderts nutzte das Militär die Allmend als Truppenübungsplatz für die Artillerie, wobei das Vieh weiterhin zur Weide getrieben werden konnte.
Im nördlichsten Teil der Brunau wurde über Jahrzehnte hinweg Lehm abgebaut und zu Backsteinen sowie Dachziegeln verarbeitet. 1865 ersetzte die neu gegründete Mechanische Backsteinfabrik die zuvor bestehenden kleingewerblichen Ziegelhütten.[7] Aus dem Zusammenschluss mehrerer Ziegeleien gingen 1912 die Zürcher Ziegeleien (ZZ) hervor. Der Lehmabbau wurde in den 1970er Jahren eingestellt.[8] Die zurückgebliebenen Gruben wurden mit Bauschutt aufgefüllt. Auf dem Gelände entstand anschliessend die Wohnüberbauung Brunaupark mit 390 Wohnungen, realisiert von der Pensionskasse der Credit Suisse.[9]
Die 1892 eröffnete Sihltalbahn richtete bei der Siedlung Brunau am östlichen Rand der Allmend eine Haltestelle.[10]
1987 endete die militärische Nutzung der Allmend und sie wurde zum Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. 1990 eröffnete die Rasensportanlage Allmend Brunau den Betrieb. Sie bietet auf dem Grund von Wiedikon zehn Fussballplätze, die auch für andere Sportarten wie Rugby und Hornussen verwendet werden. Die Anlage wurde 2013 durch einen Skatepark ergänzt. Mit einer Volksinitiative sollte dessen Bau verhindert werden.[1] Die Stimmbürger lehnten die Initiative im Juni 2010 aber deutlich ab.[11]
Von Juli 1996 bis Mai 2010 wurde die Allmend I als Standort für umfangreiche Bauinstallationen genutzt. Zunächst diente das Gelände dem Bau der Verzweigung Zürich-Süd und des Uetlibergtunnels, später auch dem Zimmerberg-Basistunnel der Schweizerischen Bundesbahnen. Ab April 1998 war zusätzlich eine Bahnverladeanlage in Betrieb, über die rund 3,5 Mio. Tonnen Aushubmaterial abtransportiert wurden. Gleichzeitig wurden etwa 1,1 Mio. Tonnen Kies über die Schiene angeliefert.[12] Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde die Allmend I renaturiert, in ein hundefreies Naherholungsgebiet umgestaltet und nach einem Fest im Mai 2010 der Bevölkerung wieder zur Nutzung übergeben.[13]
Die Allmend Brunau wird oft auch für Ausstellungen und Events genutzt. Im Sommer 1991 fand auf der Allmend I die Forschungsausstellung „Heureka“ statt und im Winter 1998 gastierte der «Cirque du Soleil» auf der Allmend.[14]
Weblinks
- Nutzungskonzept Allmend Brunau, Gänziloo und Höckler Website der Stadt Zürich
- Die Zürcher Allmend bei Gang dur Züri
- Tanya, Swiss Family Fun: Zurich Nature Walk - Allmend Brunau. In: Swiss Family Fun. 15. April 2016, abgerufen am 12. Oktober 2025 (britisches Englisch, Beschreibung einer Wanderung durch die Brunau, viele Bilder).
Einzelnachweise
- ↑ a b Stadtrat von Zürich: Volksinitiative «Freie Allmend» rechtmässig. Medienmitteilung. In: Stadt Zürich. 8. Juli 2009, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ ZH1212. (PDF) In: geo.admin.ch. Bundesamt für Umwelt, 2017, abgerufen am 13. Oktober 2025.
- ↑ 3883. (PDF) In: geo.admin.ch. Bundesamt für Umwelt, 2017, abgerufen am 13. Oktober 2025.
- ↑ Baudirektion (Hrsg.): Verordnung zum Schutz des Uetliberg-Albis, Teilgebiet Uetliberg Nord (Landschafts- und Naturschutzgebiet mit überkommunaler Bedeutung in den Gemeinden Stallikon, Uitikon und der Stadt Zürich). 17. Januar 2017 (zh.ch [PDF; abgerufen am 13. Oktober 2025]).
- ↑ Baudirektion: Zürich Brunau: Instandsetzung des Eiswehrs in der Sihl sowie der Sihl- und Kanalbrücke im Gänziloo. Medienmitteilung. In: Kanton Zürich. 22. April 2005, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft: Hochwasserschutz Sihl, Zürichsee und Limmat. In: Kanton Zürich. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ Zürcher Ziegeleien AG: Geschichte der Zürcher Ziegeleien: Am Anfang war der Lehm. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Das Brunaupark-Areal. In: Brunaupark. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Stadt Zürich (Hrsg.): Quartierspiegel Alt-Wiedikon. 2025, S. 10.
- ↑ Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
- ↑ Deutliche Abfuhr für Volksinitiative «Freie Allmend». In: Tages-Anzeiger. 13. Juni 2010, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ Bahn- und Umschlaganlage im Bau. In: NZZ. Nr. 167, 20. Juli 1996, S. 49 (e-newspaperarchives.ch).
- ↑ Allmend I nach fünfzehn Jahren wieder zugänglich. Medienmitteilung. Stadt Zürich, abgerufen am 11. Oktober 2025.
- ↑ Comet Photo AG (Zürich): Zürich, Kreis 2, Cirque du Soleil, Allmend Brunau. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv, abgerufen am 12. Oktober 2025.
Koordinaten: 47° 21′ 5″ N, 8° 31′ 15″ O; CH1903: 681758 / 245081