British Light Steel Pressings

British Light Steel Pressings
Rechtsform Limited Company
Gründung 1930
Auflösung 1967
Sitz London, Großbritannien
Mitarbeiterzahl 1000 (1961)
Branche Karosseriebauunternehmen

British Light Steel Pressings (BLSP) war ein metallverarbeitender Betrieb aus London, der von 1930 bis 1967 existierte. Das Unternehmen gehörte während des größten Teils seiner Geschichte zum britischen Automobilkonzern Rootes, für den es als Karosseriehersteller tätig war. BLSP wurde in den frühen 1960er-Jahren durch lange anhaltende Streiks seiner Mitarbeiter bekannt.

Unternehmensgeschichte

Anfänge

BLSP wurde 1930 als Presswerk gegründet. Das Unternehmen hatte seinen Sitz im Londoner Stadtteil Acton, unmittelbar neben der britischen Niederlassung des Automobilherstellers Darracq. Anfänglich hatte BLSP keinen Bezug zur Automobilindustrie: Das Unternehmen fertigte zunächst in großer Serie verschiedene Gebrauchsgegenstände aus Metall.[1]

Rootes

1937 erwarb der britische Automobilkonzern Rootes das Unternehmen. Dieser Schritt stand in engem Zusammenhang mit der Übernahme des Sunbeam-Talbot-Darracq-Konzerns (S.T.D.) durch Rootes ein Jahr zuvor, in dessen Folge mit Sunbeam und Talbot zwei zusätzliche Marken in den Rootes-Konzern integriert wurden. Rootes hatte zu dieser Zeit mit Thrupp & Maberly nur ein einziges eigenes Karosseriewerk, das vor allem auf kleinere Serien ausgelegt war. Weil die Kapazitäten dieses Werks eng begrenzt waren, war Rootes für seine Großserienfahrzeuge auf Zulieferungen unabhängiger Karosseriebauunternehmen wie Carbodies, Mulliners, Whittingham & Mitchel und vor allem Pressed Steel angewiesen. Bei ihnen stand Rootes als Auftraggeber in unmittelbarer Konkurrenz zu anderen Automobilherstellern. Mit der Übernahme von BLSP hoffte Rootes, mittelfristig von den Zulieferern unabhängig zu werden.[1] 1939 legte Rootes BLSP und Thrupp & Maberly organisatorisch zusammen.[2]

Rootes gelang es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht, BLSP zum Hauptlieferanten seiner Automobilkarosserien aufzubauen. Die Karosserien der Volumenmodelle des Konzerns, die vorwiegend als Hillman verkauft wurden, lieferte nach wie vor in erster Linie Pressed Steel in Cowley. BLSP fertigte dagegen bis 1957 vor allem die Aufbauten für in kleineren Serien gebaute Modelle von Sunbeam-Talbot und Sunbeam und danach vor allem für die großen und vergleichsweise teuren Humber.

Nachdem der US-amerikanische Chrysler-Konzern die Rootes-Gruppe übernommen und die große Humber-Reihe ersatzlos eingestellt hatte, erhielt BLSP keine Fertigungsaufträge mehr. Das Werk wurde 1967 geschlossen und das Unternehmen aufgelöst.

Streiks

Ab 1959 war BLSP zentraler Austragungsort einer ganzen Reihe von Streiks, die 1961 ihren Höhepunkt fanden. Den Anfang machte eine als Honeymoon Strike bekannt gewordene sechstätige Arbeitsniederlegung im Oktober 1959, die sich an eine als willkürlich empfundene Schichtverlegung einzelner Arbeiter anschloss. Nach mehreren kleinen Konflikten 1960 kam es im Jahr 1961 bei BLSP zu insgesamt 82 Streiks.[3] Auslöser waren die mögliche Anordnung von Kurzarbeit als Reaktion auf Absatzeinbrüche[4] und Befürchtung von Massenentlassungen.[3] Die längste Arbeitsniederlegung dauerte 13 Wochen. Sie führte zu einem Ausfall von 27.000 Mannstunden bei BSLP und 17.000 weiteren Mannstunden bei anderen Rootes-Betrieben, die auf die Zulieferung von Komponenten aus BSLP-Produktion angewiesen waren. Einer Quelle zufolge hatten die Streiks konzernweit eine Minderproduktion von 50.000 Fahrzeugen und einen wirtschaftlichen Verlust von 3 Mio £ zur Folge.[4] Einige Autoren sehen in den Streiks bei BLSP einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Niedergang des Rootes-Konzerns.[5]

Fahrzeuge mit BLSP-Karosserien

Die Automobilproduktion bei Rootes war aufwendig, kompliziert und kostenintensiv. Ein Autor nennt die Produktionsprozesse bei Rootes „ein Puzzlespiel mit vielen Teilen“ (multi-piece jigsaw).[6] BLSP war drei Jahrzehnte lang ein Baustein in diesem Gesamtgefüge.

Vor dem Zweiten Weltkrieg ließ Rootes vor allem die Aufbauten der Sunbeam-Talbot-Reihen Ten und 2 Litre bei BLSP herstellen. Auch im ersten Jahrzehnt nach Kriegsende war BLSP vor allem für Sunbeam-Talbot und dessen Nachfolgemarke Sunbeam tätig. Hier entstanden bis 1957 die geschlossenen Karosserien für die Baureihen Sunbeam-Talbot 80 und 90 sowie Sunbeam Mark III.[Anm. 1] BLSP stellte jeweils lediglich die Rohkarosserien her. Für die Lackierung und den Einbau der Inneneinrichtung wurden die Karosserien zu Thrupp & Maberly in den Londoner Stadtteil Cricklewood transportiert. Die Endmontage fand dann in Rootes’ Werk in Ryton-on-Dunsmore statt.[7]

Mit der Einstellung des Sunbeam Mark III 1958 endete die Beziehung von BLSP zu Sunbeam. Die Aufbauten für den Sunbeam Rapier, der bereits seit 1955 im Programm war und mittelbar die Nachfolge des Mark III antrat, entstanden bei Pressed Steel in Cowley und bei Thrupp & Maberly.

Ab 1957 baute BLSP regulär die Karosserien für die teuren Humber-Modelle Hawk und Super Snipe, deren jährlicher Produktionsumfang jeweils im mittleren vierstelligen Bereich lag. Außerdem entstanden Blechteile für Rootes’ Nutzfahrzeugmarken Commer und Karrier sowie Bodengruppen, Benzintanks und ähnliche Komponenten für andere Rootes-Marken.

Literatur

  • Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6
  • Nick Walker: A–Z of British Coachbuilders 1919–1960. Shebbear 2007 (Herridge & Sons Ltd.) ISBN 978-0-9549981-6-5.

Anmerkungen

  1. Die Einbindung von BLSP bei der Produktion dieser Modelle beschränkt sich jeweils auf die viertürigen Limousinen (Saloons). Die davon abgeleiteten viersitzigen Cabriolets (Drophead Coupés) entstanden dagegen fast komplett bei Thrupp & Maberly, während die Rohkarosserien für den technisch eng verwandten zweisitzigen Roadster Sunbeam Alpine bei Mulliners in Birmingham hergestellt wurden.

Einzelnachweise

  1. a b Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 158.
  2. Nick Walker: A–Z of British Coachbuilders 1919–1960. Shebbear 2007 (Herridge & Sons Ltd.) ISBN 978-0-9549981-6-5, S. 177.
  3. a b Ken Weller: The B.L.S.P. Dispute. The story of the strike, Solidarity Pamphlet Nr. 8 (PDF), S. 3.
  4. a b Geschichte der Rootes-Gruppe auf sunbeamtalbotalpineregister.co.uk (abgerufen am 29. Dezember 2025).
  5. Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 53.
  6. Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 151.
  7. Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 136.