Blanche Lazzell

Nettie Blanche Lazzell (* 10. Oktober 1878 in Maidsville, West Virginia; † 1. Juni 1956 in Barnstable, Massachusetts) war eine US-amerikanische Druckgrafikerin und Malerin. Sie gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen des amerikanischen Modernismus und ist insbesondere für ihre Beiträge zur Entwicklung der sogenannten Provincetown Printers bekannt. Dabei handelte es sich um eine Gruppe von Druckgrafikern, überwiegend Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Provincetown, Massachusetts, die Farbholzschnitte mit einer neuen Technik schufen.[1]

Leben

Nettie Blanche Lazzell wurde als eines von zwölf Kindern auf einer Farm in Maidsville, West Virginia, geboren. Schon früh zeigte sie Interesse am Zeichnen. Nach dem Schulabschluss arbeitete sie zunächst als Lehrerin in South Carolina. Von 1901 bis 1905 studierte sie Kunst an der West Virginia University in Morgantown und erwarb einen Bachelor of Fine Arts. Während des Studiums fasste sie den Entschluss, nicht zu heiraten und keine Kinder zu bekommen, um sich vollständig ihrer künstlerischen Laufbahn widmen zu können. 1907 und 1908 setzte sie ihre Ausbildung an der Art Students League of New York fort, wo sie unter anderem bei William Merritt Chase und Kenyon Cox studierte. Von 1912 bis 1913 hielt sie sich in Europa auf und schrieb sich unter anderem an der Académie Julian und der Académie Moderne (früher Académie Léger–Ozenfant) in Paris ein.[2]

1915 besuchte Blanche Lazzell erstmals Provincetown in Massachusetts, wo sie Charles Webster Hawthorne begegnete. 1918 ließ sie sich dauerhaft in Massachusetts nieder und eröffnete ein Atelier im Hafenviertel von Provincetown. Dort pflegte sie enge Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern wie Edna Boies Hopkins, Karl Knaths und Agnes Weinrich. 1923 arbeitete sie in Paris mit Albert Gleizes, Fernand Léger und André Lhote zusammen. In den Jahren 1937 und 1938 nahm sie in Provincetown und New York Unterricht bei Hans Hofmann. Während der 1930er Jahre beteiligte sie sich an staatlichen Kunstförderprogrammen: 1933 und 1934 am Public Works of Art Project in West Virginia und später am Federal Art Project der Works Progress Administration (WPA) in Massachusetts. Blanche Lazzell starb 1956 in Barnstable, Massachusetts.[2]

Werk

Blanche Lazzell schuf vorwiegend Stillleben und Landschaften, die sie in einer modernen, vom Kubismus beeinflussten Formensprache interpretierte. Wiederkehrende Motive sind üppige Pflanzenarrangements aus ihrem Atelier sowie Stadtlandschaften und Architekturdarstellungen aus Provincetown. Ihre frühen Gemälde zeichnen sich durch leuchtende Farben und eine dynamische, sichtbare Pinselführung aus. Ein Beispiel hierfür ist das zwischen 1918 und 1919 entstandene Werk Cape Cod in Autumn.[3] In den 1920er Jahren wurden ihre Arbeiten zunehmend abstrakter und kubistischer.[2]

Besondere Bedeutung erlangte Lazzell als Druckgrafikerin. 1916 erlernte sie von Oliver Newberry Chaffee die Technik des Weißlinienschnitts. Diese Technik wurde in Provincetown von mehreren Künstlerinnen und Künstlern praktiziert und führte zur Etablierung des Begriffs „Provincetown Print“.

Der „Provincetown Print“ ist ein Holzschnitt mit weißen Linien, der als besondere Farbholzschnitt-Drucktechnik bezeichnet wird. Anstatt für jede Farbe einen separaten Holzblock anzufertigen, wurde ein einziger Block hergestellt und bemalt. Durch die kleinen Zwischenräume zwischen den Elementen des Designs entstanden die weißen Linien. Da die Künstler oft zarte Farben verwendeten, erinnern ihre Werke mitunter an Aquarelle. Ein charakteristisches Beispiel ihres grafischen Werks ist der Holzschnitt My Wharf Studio aus den Jahren 1931/32, der ihr Atelier mit dem angrenzenden Pier, der Bucht und den benachbarten Häusern zeigt. Die Darstellung ist geprägt von flächigen, kubistisch anmutenden Formen und einer klaren Farbgestaltung.

Werke von Blanche Lazzell befinden sich unter anderem in der Sammlung der Provincetown Art Association and Museum sowie im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington, D.C.[2]

Literatur

  • Ulrich Thieme, Felix Becker, Hans Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 22, E. A. Seemann, Leipzig 1928.
  • Peter Hastings Falk: Who Was Who in American Art, Sound View Press, Madison, Connecticut 1985.
  • Robert Bridges, Kristina Olson and Janet Snyder: Blanche Lazzell. The Life and Work of an American Modernist, West Virginia University Press, Morgantown 2004.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006.
Commons: Blanche Lazzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris 2006.
  2. a b c d Robert Bridges, Kristina Olson and Janet Snyder: Blanche Lazzell. The Life and Work of an American Modernist. West Virginia University Press, Morgantown 2004.
  3. Provincetown Artist Registry ~ Blanche Lazzell (1878-1956). Abgerufen am 14. Januar 2026.