Bethanien Kinderdörfer
Die Bethanien Kinderdörfer, auch Bethanien Kinder- und Jugenddörfer genannt, sind Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe mit Schwerpunkt auf der Stationären Jugendhilfe. Träger der zurzeit drei Einrichtungen, die umgangssprachlich auch Kinderdorf Bethanien genannt werden, ist seit 2001 die „Bethanien Kinderdörfer gGmbH“ mit Sitz in Schwalmtal-Waldniel.[1] Geschäftsführer dieser Gesellschaft ist Klaus Esser. Gesellschafter sind die Dominikanerinnen von Bethanien. Der katholische Orden hat die Kinderdörfer in den 1950er- und 1960er-Jahren gegründet und aufgebaut.
Entstehung und Pädagogik
Die Idee der Kinderdörfer entstand in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. 1946 wurden die ersten in Deutschland eröffnet und waren ursprünglich vor allem für Kriegswaisen gedacht. Im Jahr 1956 gründeten die Dominikanerinnen von Bethanien, die 1947 in den Niederlanden mit der Arbeit mit elternlosen Kindern begonnen hatten, ihr erstes Kinder- und Jugenddorf in Deutschland in Waldniel (seit 1970: Schwalmtal) am linken Niederrhein. Sie verstanden es als neues Zuhause in familienähnlicher Atmosphäre für Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Familien leben können.[2] 1965 folgte eine Gründung in Eltville-Erbach und 1968 in Bergisch Gladbach-Refrath.
Organisationsprinzip der bethanischen Arbeit ist die Kinderdorffamilie mit trägerspezifischer katholisch-christlicher Prägung, ansonsten ähnlich dem Konzept der SOS-Kinderdörfer. Im Kinderdorf, das neben den Wohnhäusern über Kirche, Spielplätze, Spielecken und Angebote für Sport und Freizeit verfügt, leben und arbeiten „Kinderdorfmütter“ mit den Kindern rund um die Uhr in einem Haus als „Großfamilie“. Varianten sind Wohn- oder Tagesgruppen, Gruppen nur für Jungen oder Mädchen, Betreutes Wohnen und Sozialpädagogische Lebensgemeinschaften in Außenwohngruppen, Erziehungsstellen, Familiäre Bereitschaftsbetreuung, eine heilpädagogische Kleinstschule und ambulante Angebote. Daneben unterhält der Trägerverein mehrere Kindertagesstätte.
Im Jahr 2025 leben rund 430 Kinder unterschiedlicher Kulturen in den Bethanien Kinder- und Jugenddörfern, 210 Kinder werden in den vier Bethanien Kindertagesstätten betreut. Rund 750 Mitarbeiter leben und arbeiten in den Kinderdörfern.[3]
Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal
Das Bethanien Kinder- und Jugenddorf in Schwalmtal ist 1956 auf dem Gelände des historischen „Haus Clee“ gegründet worden. Im ehemaligen Haus Clee – einem herrschaftlichen Haus im englischen Landhausstil mitten im Park gelegen – befindet sich die Geschäftsführung der Bethanien-Kinderdörfer gGmbH sowie die deutsche Verwaltung des Ordens der Dominikanerinnen von Bethanien. Einige Ordensschwestern leben im Schwesternhaus (Konvent) auf dem gemeinsam genutzten Parkgelände.
Die Kinderdorfhäuser stehen auf einem Gelände mit altem Baumbestand um das Haus Clee herum. Zum Bethanien Kinderdorf gehören mehrere Außenwohngruppen, ein Heilpädagogischer Reiterhof und eine eigene Musikschule. Beide Einrichtungen gehören zum Pädagogischen Fachdienst, der die Kinder und Jugendlichen in ihrer Problematik auffängt. 2025 lebten rund 140 Kinder und Jugendliche im Bethanien Kinderdorf in Schwalmtal.[4]
Unter der Trägerschaft des Bethanien Kinderdorfes stehen inzwischen drei Kindertagesstätten in Schwalmtal: die Bethanien Kindertagesstätte St. Gertrudis, die Bethanien Kindertagesstätte St. Michael und die Inklusive Kindertagesstätte Kaiserpark, welche gleichzeitig ein Familienzentrum ist.
Bethanien Kinderdorf in Eltville
Das Bethanien Kinderdorf Eltville liegt im Rheingau, zwischen Wiesbaden und Rüdesheim in Halbhöhenlage in den Weinbergen auf der „Marienhöhe“ außerhalb des Ortes Erbach. Es wurde im Jahr 1965 gegründet und bietet für rund 70 Kinder und Jugendliche Platz, die in vier Kinderdorffamilien und drei Wohngruppen mit den Kinderdorfmütter und Pädagogen in familiären Lebensgemeinschaften zusammenleben. Zusätzlich besteht eine Außenwohngruppe in Oestrich-Winkel und eine heilpädagogische Wohngruppe im alten Pfarrhaus in Erbach. Die Leitung hat Thomas Kunz.[5]
Seit Oktober 2013 gibt es auf der Marienhöhe in Eltville eine Bethanien Kindertagesstätte mit 40 Krippenplätzen für Kinder ab sechs Monaten. Einzugsgebiet ist die Stadt Eltville mit ihren Stadtteilen.[6]
Bethanien Kinderdorf Bergisch Gladbach
Das Bethanien Kinder- und Jugenddorf Bergisch Gladbach ist ein Ortsteil im Stadtteil Lustheide von Bergisch Gladbach in einer waldreichen, unbebauten Gegend am Rande des Naherholungsgebietes Königsforst.
Das Kinderdorf betreut 120 Kinder und ist wegen seiner von Gottfried Böhm gestalteten Architektur in Fachkreisen international bekannt.
Literatur
- Klaus Esser: Zwischen Albtraum und Dankbarkeit. Ehemalige Heimkinder kommen zu Wort. Lambertus-Verlag, Freiburg 2011, ISBN 978-3-7841-2040-9.
Weblinks
- Website der Bethanien Kinderdörfer abgerufen am 21. November 2025
- Seite der Dominikanerinnen von Bethanien abgerufen am 21. November 2025
Einzelnachweise
- ↑ Bethanien Kinderdörfer gGmbH - Impressum. In: Bethanien Kinderdoerfer. Abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Homepage Bethanien Kinderdörfer abgerufen am 21. November 2025
- ↑ Die Philosophie und Geschichte der Bethanien Kinderdörfer abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Herzlich Willkommen im Bethanien Kinderdorf Schwalmtal abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Herzlich Willkommen im Bethanien Kinderdorf Eltville abgerufen am 10. September 2017.
- ↑ Bethanien Kindertagesstätte Eltville abgerufen am 21. November 2025.
Koordinaten: 50° 56′ 37,2″ N, 7° 6′ 53″ O