Bethanien Kinderdorf Bergisch Gladbach

Bethanien Kinderdorf Bergisch Gladbach oder Bethanien Kinder- und Jugenddorf Bergisch Gladbach ist der Name eines von drei Kinderdörfern der Bethanien Kinderdörfer gGmbH. Es ist ein Ortsteil im Stadtteil Lustheide von Bergisch Gladbach am Rande des Naherholungsgebietes Königsforst.

Das Kinderdorf Bergisch Gladbach ist wegen seiner von Gottfried Böhm gestalteten Architektur in Fachkreisen international bekannt.[1]

Aufgaben

Das Kinderdorf Bergisch Gladbach betreut 120 Kinder, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können. Die Kinder leben in sogenannten Kinderdorffamilien. Darunter werden Lebensgemeinschaften aus Kindern und Erwachsenen verstanden. Bei den Erwachsenen handelt es sich um pädagogisch ausgebildete Frauen oder Ehepaare, die in einer häuslichen Gemeinschaft mit den Kinderdorfkindern zusammenleben.[2] Seit der Gründung 1965 durch die Dominikanerinnen von Bethanien fanden über 2000 Kinder und Jugendliche im Kinderdorf ein neues Zuhause.[3]

Das Kinderdorf ist außerdem Standort des Konvents St. Albert der Ordensgemeinschaft.[4]

Geschichte

Die Dominikanerinnen von Bethanien schrieben 1962 in Zusammenarbeit mit dem Generalvikariat des Erzbistums Köln einen Wettbewerb zum Bau des Kinderdorfes aus.

Der Träger des 1. Preises, der Architekt Gottfried Böhm, überzeugte mit dem Konzept der Erschließung durch eine Ringstraße, die schlaufenförmig an den Häusern vorbeiführt, und der lebhaften Fassadengestaltung durch polygonale Brechung der Grundrisslinien der Gebäude. Böhm arbeitete anschließend auch die von 1963 bis 1965 ausgeführten Entwürfe aus. Der Bau des Dorfes startete 1965 und konnte im Januar 1968 abgeschlossen werden.[5]

Die Anlage steht auf dem Gelände der ehemaligen Grube Consolidierte Catharina II am Nordrand des Königsforsts unweit des Flehbachs. Nach der Schließung des Bergwerks siedelte sich hier eine Dynamitfabrik an, die im Besitz der Hamburger Sprengstoffgesellschaft Kosmos war. Dieses Unternehmen schloss seinen Betrieb im Jahr 1925. Ab den 1930er Jahren wurde das Gelände als Standort der "SA-Führerschule Claus Clemens" genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Dachpfannen und Bimssteine hergestellt.[6]

Architektur

Das Kinderdorf ist in Form eines Angerdorfes ausgestaltet.[7] Die 15 einzelnen, aber durch eine Mauer miteinander verbundenen pavillonartigen Kinderhäuser aus rotem Backstein sind durch Sichtbetonelemente wie Wasserspeier oder kleine Erker gegliedert. Sie vermitteln den Eindruck einer geschlossenen Bebauung. Sie stehen entlang der Ringstraße und umschließen den Platz, auf dem das Klostergebäude der Dominikanerinnen und die Kinderdorfkirche stehen. Die Wohnhäuser sind zweigeschossig und jeweils seitlich mit einem Hof zum Spielen ausgestattet.

Das Klostergebäude beherbergt den Konvent St. Albert der Dominikanerinnen von Bethanien.[8]

Kinderdorfkirche

Denkmal des Monats

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz und der Arbeitskreis Fachwerk, Denkmal, Stadtbildpflege des Bergischen Geschichtsvereins kürten das Dorf zum Denkmal des Monats Oktober 2009. Das Bauwerk wurde unter Nummer 169 in die Liste der Baudenkmäler in Bergisch Gladbach eingetragen.

Literatur

  • Dehio, Georg, Bearbeitet von Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz, Ulrich Schäfer: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen I Rheinland. Deutscher Kunstverlag, 2005, ISBN 3-422-03093-X.
Commons: Kinderdorf Bethanien (Refrath) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Böhm Bauten. Abgerufen am 21. November 2025 (deutsch).
  2. Kinderdorffamilie in den Bethanien Kinderdörfern - Bethanien Kinderdörfer. In: Bethanien Kinderdoerfer. Abgerufen am 21. November 2025.
  3. Bethanien Kinderdorf: Zehn Jahre Bildungschancen im Bethanien Kinder- und Jugenddorf. In: Bürgerportal Bergisch Gladbach. 13. Februar 2024, abgerufen am 21. November 2025.
  4. Konvent in Bergisch Gladbach. In: Dominikanerinnen von Bethanien. Abgerufen am 22. November 2025.
  5. Kinder- und Jugenddorf Bethanien Bergisch Gladbach. Abgerufen am 21. November 2025 (deutsch).
  6. Hans Peter Müller: Wie Refrath beinahe einen Atommeiler bekam. In: Bürgerportal Bergisch Gladbach. 18. September 2019, abgerufen am 21. November 2025.
  7. „Kinderdorf und Jugenddorf Bethanien in Refrath“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-261788 (Abgerufen: 21. November 2025)
  8. Unsere Standorte. In: Dominikanerinnen von Bethanien. Abgerufen am 22. November 2025.

Koordinaten: 50° 56′ 36,6″ N, 7° 6′ 52,2″ O