Belagerung von Friedrichstadt

Belagerung von Friedrichsstadt
Teil von: Schleswig-Holsteinische Erhebung

Niels Simonsen: Sturm auf Friedrichstadt am 4. Oktober 1850
Datum 29. September bis 4. Oktober 1850
Ort Friedrichstadt, Herzogtum Schleswig
Ausgang Sieg Dänemarks
Konfliktparteien

Schleswig-Holstein

Danemark Dänemark

Befehlshaber

Karl Wilhelm von Willisen Ludwig von der Tann-Rathsamhausen

Hans Helgesen

Truppenstärke

11500 Mann, 60 Geschütze

2500 Mann, 12 Geschütze, 12 Espingolen[1]

Verluste

188 Gefallene, insgesamt 720 (bzw. 709[2])

53 Gefallene, insgesamt 336

Die Belagerung von Friedrichsstadt war die letzte größere Militäraktion der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, der politischen und militärischen Auseinandersetzung der deutschen Nationalbewegung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein mit dem Königreich Dänemark.[3][4]

Nach der Schlacht bei Idstedt hatten sich die schleswig-holsteinischen Rebellen nach Rendsburg im Herzogtum Holstein, das Teil des Deutschen Bundes war, zurückgezogen. Von hier aus griffen sie die Dänen an, in der Hoffnung, die dänischen Truppen nach Holstein zu locken und so die deutschen Staaten erneut in den Krieg zu verwickeln. Dies führte zu zwei erbitterten Schlachten, zunächst bei Missunde und dann beim dänisch besetzten Friedrichstadt.

Hintergrund

Dänemark

Nach der Schlacht bei Idsted am 25. Juli 1850 wurde im August 1850 die 3. dänische Brigade nach Friedrichsstadt entsandt.[2] Das Kommando wurde Oberstleutnant Hans Helgesen aufgrund seiner Ortskenntnisse übertragen. Sein Stabschef, Hauptmann Anton Hoffmann, stammte ebenfalls aus Friedrichstadt und war mit den Besonderheiten und natürlichen Bedingungen des Marschlands bestens vertraut. Die Schleswig-Holsteiner hatten Friedrichstadt zwar befestigt und die Verteidigungsanlagen besetzt, konnten dem dänischen Angriff am 7. August jedoch nichts entgegensetzen.[2] Für diese siegreiche Aktion wurde Helgesen zum Kommandanten der Stadt ernannt, die nun einen Übergangspunkt am rechten Flügel der Danewerkstellung bildete.[2][5] Vor Ort bereitete er sich nun auf die erwartete Belagerung durch die schleswig-holsteinische Armee vor. Hierfür wurde die Treene angestaut, Dämme durchstochen, Verschanzungen errichtet und die östlichen Wassergräben verbreitert.[6]

Schleswig-Holstein

Auf Seiten der Schleswig-Holsteiner war General Willissen nach den Niederlagen von Idstedt und Missunde unter Druck seitens der Statthalter-Regierung, auch da sich der politische Druck der Großmächte Großbritannien und Russland verstärkte. Die Statthalterschaft erwartete nun eine entscheidende Aktion.[1] Mitte September hatte der Oberkommandierende der Artillerie Generalmajor Ludwig von Wissell die Umgebung Friedrichstadts erkundet und einen Plan für den Angriff erstellt. Willisen reduzierte allerdings die von Wissel geplante Truppenanzahl. Zum Kommandierenden wurde der Oberst und Stabschef der Schleswig-Holsteinischen Armee Ludwig von der Tann-Rathsamhausen bestimmt. Für die Operation wurden ihm hierfür fünf Bataillone Infanterie, eine Schwadron Kavallerie, 48 Geschütze und Marineeinheiten unterstellt.[7]

Belagerung und Angriff

Die einzige für den Truppen-, Material- und Geschütztransport geeignete Straße nach Friedrichstadt war die Verbindung von Rendsburg, die heutige Bundesstraße 202. Diese war allerdings erst ab Seeth gepflastert, verlief Richtung Friedrichstadt aber über einen Damm, der von den dänischen Truppen zweimal durchstochen worden war. Am 26. September setzten sich die schleswig-holsteinischen Truppen von Rendsburg aus in Marsch. Trotz eines Gewitterregens rückten die Truppen bis zum 28. September in die vorgeschobenen Sammelplätze, gingen aber später in die Lager zurück.[7] Damit war allerdings das Überraschungsmoment verpasst, da dänische Beobachtungsposten auf dem Turm der Remonstrantenkirche die Truppenbewegungen des Gegners verfolgt hatten.

Die Belagerung durch die Schleswig-Holsteiner begann somit am 29. September und dauerte bis zum 4. Oktober 1850.[8] Auf der anderen Seite standen die 2500 Mann der dänischen Verteidigungsstreitmacht in den Befestigungen. Zur Verteidigung standen das 7. Linien-Bataillon, das 4. Reserve-Bataillon, eine Kompanie des 6. Linien-Bataillons sowie eine Abteilung technischer Truppen und zwei Halbbatterien Artillerie mit zwölf Feldgeschützen und zwölf Espingolen bereit.[1]

Ein Angriff am folgenden Morgen scheiterte an unzureichendem Truppenanzahl, mangelnder Führung und Materialeinsatz.[9] Von der Tann entschloss sich daher, die Befestigungswerke durch eine mehrtägige Beschießung, die eigentlich nicht vorgesehen war, zu zerstören. Danach sollte der Angriff auf die Stadt wiederholt werden. Für diese Aktion wurden weitere Truppen aus Rendsburg in Marsch gesetzt und der Belagerungspark der Geschütze ergänzt. Von der Tann verfügte nun über 11500 Mann und 60 Geschütze.[9] Die Beschießung begann am 30. September 1850, musste wegen Nachschubproblemen der Kolonnen auf der regendurchweichten Straße allerdings häufig unterbrochen werden, was den dänischen Verteidigern Zeit und Gelegenheit für Reparaturen an Erdwerken und Palisaden und Ruhepausen verschaffte.[9]

Nach fünftägigem Beschuss folgte am 4. Oktober 1850 schließlich gegen den Rat Wissells und des Chefs des Ingenieurwesens Oberst Dau der Sturmangriff der Schleswig-Holsteiner. Zuvor erfolgte nochmals eine Beschießung aus allen 60 Geschützen auf die Stadt, die an mehreren Stellen in Brand geriet. Die Dänen erwarteten den Sturmangriff unmittelbar nach dem Beschuss, doch erst gegen 18:00 Uhr traten die Truppen unter Von der Tann zum Angriff an.

Die Kämpfe dauerten fünf Stunden an und wurden nach Einbruch der Nacht im Feuerschein der brennenden Häuser fortgeführt. Trotz einiger Anfangserfolge gelang es den Schleswig-Holsteinern nicht, den Festungsring zu durchbrechen und sie wurden in ihre Ausgangsstellungen zurückgedrängt. Der Angriff scheiterte somit vollständig.[10] General Willisen, der am 4. Oktober um 20:00 Uhr vor Ort eingetroffen war, befahl den Abbruch der Aktion und den Rückmarsch nach Rendsburg.

Die dänische Armee verlor während der Kämpfe insgesamt 335 Mann, die Schleswig-Holsteiner 720 bzw. 709 Mann.[2] Durch den Beschuss wurden insgesamt 137 Häuser niedergebrannt und 285 weitere beschädigt.[11] Sowohl das Rathaus als auch die Remonstrantenkirche wurden dabei zerstört. 34 Einwohner verloren ihr Leben.[11]

Auswirkungen

Willisen gab nach dieser Niederlage seine Offensivstrategie auf und legte am 7. Dezember den Oberbefehl über die schleswig-holsteinischen Truppen nieder – auch, weil die Gegensätze zur regierenden Statthalterschaft unüberbrückbar geworden waren. Die Armee wurden in der Folge durch Willisens Nachfolger Ulrich von der Horst im Folgejahr aufgelöst.

Im Berliner Frieden hatte Preußen bereits am 2. Juli 1850 die Statthalterregierung vollends aufgegeben.[12] Der Deutsche Bund schloss sich dem Vertrag am 26. Oktober ebenfalls an und forderte die Statthalterschaft seinerseits ebenso zur Einstellung der Kämpfe auf.[13] In der Olmützer Punktation vom 29. November 1850 verzichtete Preußen auf seine gesamtdeutschen Pläne und einigte sich mit Österreich auf eine gemeinsame Haltung auch gegenüber Schleswig-Holstein, was deren Hoffnungen auf gesamtdeutsche Unterstützung nunmehr endgültig zunichtemachte.

Gedenken

An der lutherischen Kirche in Friedrichstadt wurde ein Granitdenkmal für die 53 dänischen Soldaten errichtet, die bei der Bombardierung von Friedrichstadt gefallen waren.

Die dänische Schule von Friedrichstadt ist nach Hans Helgesen benannt.

Literatur

  • Wilhelm Sager: Heere zwischen den Meeren – Heeres- und Kriegsgeschichte Schleswig-Holsteins. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. Husum. 2003, ISBN 3-89876-113-4. Seiten 127–129.
  • Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 160–170.

Einzelnachweise

  1. a b c Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 165.
  2. a b c d e Wilhelm Sager: Heere zwischen den Meeren – Heeres- und Kriegsgeschichte Schleswig-Holsteins. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. Husum. 2003, ISBN 3-89876-113-4. Seiten 128.
  3. Manfred Jessen-Klingenberg: Erhebung. In: Schleswig-Holstein von A bis Z. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, abgerufen am 17. November 2018.
  4. Treårskrigen. Grænseforeningen, abgerufen am 28. Februar 2015 (dänisch).
  5. Inge Adriansen & Jens Ole Christensen: Der Erste Schleswigsche Krieg 1848-1851. Museum Sønderjylland - Sønderborg Slot und Tøjhusmuseet. 2015. ISBN 978-87-87375-30-6. S. 29.
  6. Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 161–162.
  7. a b Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 166.
  8. HANS HELGESEN (1793-1858). Auf der Webpage: Fredericias Historie - Personnavne der knytter sig til byens historie. Zusammengestellt von Erik F. Rønnebech. 2022.
  9. a b c Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 167.
  10. Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 168.
  11. a b Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 169.
  12. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band II: Der Kampf um Einheit und Freiheit 1830 bis 1850. 3. Auflage, W. Kohlhammer, Stuttgart [u. a.] 1988, S. 904 f.
  13. Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Erhebung. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. 1996, ISBN 3-88042-769-0. S. 170.