Bayan (Merkite)
Bayan (chinesisch 伯顔 Bóyán; † April 1340 in Nanchang, Jiangxi) war ein mongolischer Feldherr aus dem Stamm der Merkiten, der während der über China herrschenden Yuan-Dynastie hohe öffentliche Ämter bekleidete. Er betrieb eine antichinesische Politik und wurde 1340 gestürzt.
Leben
Bayan entstammte einer Familie mit militärischem Hintergrund. Viele seiner Verwandten hatten als Soldaten während der mongolischen Eroberung Eurasiens gedient. Ab 1299 gehörte er zusammen mit dem ethnischen Türken El Temür zu einer Gruppe um den mongolischen Prinzen und späteren Kaiser Külüq Khan, deren Aufgabe es war, die Mongolei gegen Angriffe von Truppen Qaidu Khans zu verteidigen. Für seine dabei vollbrachten kriegerischen Leistungen erhielt er den Titel Baatar (d. h. Held). Nach dem Tod von Timur Khan (Februar 1307) wurde Külüq Khan neuer Yuan-Kaiser und Bayan war einer derjenigen, die mit der Einsetzung in hohe öffentliche Ämter belohnt wurden. So erhielt er einen Posten im Ministerium für Staatsangelegenheiten und wurde 1309 zu einem der Darughachi (d. h. Kommandant) ernannt. Unter Kaiser Buyantu Khan (regierte 1311–20) fungierte Bayan u. a. als Statthalter der Provinz Henan.[1]
Im September 1328 unterstützte Bayan den Putsch El Temürs, durch den Toqa Timur, ein Sohn Külüq Khans, den Kaiserthron erlangte. Für diesen Verdienst wurde er zum Befehlshaber der kaiserlichen Garde ernannt und erhielt reiche finanzielle Geschenke in Form von Gold- und Silberstücken. Nachdem Toqa Timur im September 1332 verstorben war, brach Bayan mit El Temür und unterstützte Toqa Timurs Witwe Budashiri dabei, im Juli 1333 – nach El Temürs Tod – die Ernennung des 13-jährigen Toghan Timur zum neuen Kaiser durchzusetzen.[1] Für die nächsten Jahre war Bayan der eigentliche Machthaber am Hof, während der Kaiser selbst wenig politisches Interesse zeigte.[2] Unter anderem war er Erzieher von Toqa Timurs Sohn und Thronfolger El Tegüs.[1]
In der Folge betrieb Bayan als Verfechter einer nationalistisch-mongolischen Regierungslinie eine harte antichinesische Politik, schaffte 1335 erneut die Beamtenprüfungen ab und versuchte die Zahl der Han-Chinesen in der höheren Beamtenschaft einzudämmen. Außerdem erließ er Verbote, denen zufolge Chinesen keine Waffen besitzen und weder Mongolisch noch andere zentralasiatische Sprachen lernen durften. Gerüchteweise soll er dem Kaiser sogar – wenn auch vergeblich – vorgeschlagen haben, alle Chinesen mit den häufigen Familiennamen Zhang, Wang, Liu, Li und Zhao töten zu lassen, um Rebellionen vorzubeugen. Er förderte aber auch die Landwirtschaft und senkte die hohe Salzsteuer. Durch seine despotische Regierungsweise machte er sich nicht nur bei den Chinesen verhasst, sondern auch bei angesehenen oppositionellen Mongolen, die er verfolgen ließ. 1339 wurde Bayan Großkanzler. Als er sich auf einem Jagdausflug befand, wurde er im März 1340 auf Anstiften seines Neffen Toqto mit dem Einverständnis von Kaiser Toghan Timur gestürzt und verbannt. Er starb auf dem Weg ins Exil im April 1340 in Nanchang.[1][3]
Literatur
- Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich. In: Fischer Weltgeschichte. (= Band 19). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993 (Originalausgabe 1968), ISBN 3-596-60019-7, S. 240.
- Bayan, in: Christopher Pratt Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongol Empire, 2004, S. 37.
Weblinks
- Bayan, in der Encyclopædia Britannica online