Darughachi

Darughachi (Mongolisch, ᠳᠠᠷᠤᠭᠠᠴᠢ, Даргач, Daruγači) oder Basqaq (Turkisch) waren ursprünglich Beamte im Mongolischen Reich. Sie waren für Steuern und Verwaltung in einer bestimmten Provinz zuständig. Die Singularform des mongolischen Wortes ist „darugha“.[1] Sie wurden teilweise als Gouverneure bezeichnet.[2]

Bezeichnung

Der Begriff entspricht dem persischen „dārugheh“ (persisch داروغه)[3] und dem turksprachigen „basqaq“ (baskak), sowie dem Chinesischen „Dálǔhuāchì“ (Pinyin, ta lu hua ch’ih (Wade-Giles), chinesisch 達魯花赤 达鲁花赤). Das Darugha (Baschkirisch: даруга, Tatarisch: даруга) stammt aus dem Mongolischen mit der Bedeutung: daru-, 'siegeln', 'unterzeichnen' und bezeichnete eine Gebietseinheit. Im Mogulreich und in Britisch-Indien gab es „Daroga“ Polizisten.

Geschichte

Dieser Titel wurde unter der Herrschaft von Dschingis Khan nach 1211 eingeführt.[1] Die Geheime Geschichte der Mongolen berichtet, dass nach der Invasion und Eroberung durch die Kiptschaken und die Russen zwischen 1237 und 1240 Ögödei die „daruγačin“ und „tammačin“ als Herrscher über die Völker einsetzte, deren Städte Ornas, Saḳsīn, Bolgar und Kiew waren.[4]

Während der Yuan-Dynastie ersetzte der Titel „Zhangguan“ die frühere Bezeichnung. Für jede Verwaltungseinheit gab es einen solchen Beamten, der die Funktionen des Gouverneurs und des Heereschefs vereinte. Dieser Titel wurde auch dem Leiter einer zentralen Regierungsbehörde verliehen. Die Position fiel üblicherweise einem Mongolen, wahrscheinlich einem Semu (色目 sèmù), zu, wodurch die Macht innerhalb der mongolischen Gemeinschaft gesichert wurde. Allerdings konnten auch Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen einen Verwaltungstitel mit ähnlichen Funktionen innehaben.

Die Texte von Yanghe erwähnen, dass ihm bei der Ablösung des „Darugha Turfan“ eine große Summe Gold und Silber hätte gezahlt werden sollen.[5]

Der turkisprachige Begriff „basqaq“ taucht in mongolischen Quellen nicht auf.[4] In russischen Quellen wurden die darughachi fast immer als „baskak“ (plural: baskaki) bezeichnet.[6] Sie erscheinen im 13. Jahrhundert kurz nach der mongolischen Eroberung, wurden aber bis 1328 abgezogen, und der Großfürst von Wladimir (Великий князь Владимирский, meist der Fürst von Moskau) wurde Steuereintreiber und kaiserlicher Schwiegersohn („Kürgen“) des Khans. Er war beauftragt mit dem Einsammeln des „Dan“ oder Tributs von den Fürstentümern der Rus für die Goldene Horde.[7]

Im 13. Jahrhundert waren Anführer der mongolischen Darughas in Wladimir[8] und Baghdad.[9] Das Mongolische Reich versuchte 1231 nach der ersten (von sechs) Invasionen, einen Darughachi nach Goryeo zu entsenden. Laut einigen Aufzeichnungen wurden 72 Darughachi entsandt und die mongolischen Militärgarnisonen abgezogen. Wiederholte Aufstände und der anhaltende Widerstand Goryeos gegen die mongolische Herrschaft (die ursprünglich stationierten Darughachi wurden im Sommer 1232 von Goryeo-Truppen getötet) erschwerten jedoch die Stationierung von Darughachi.[10] Obwohl die genaue Anzahl der stationierten Darughachi umstritten ist, deuten die meisten zuverlässigen Quellen (darunter die Goryeo-Sa 고려사) darauf hin, dass zumindest einige Darughachi während der gesamten Vasallenzeit Goryeos unter dem Mongolischen Reich dort stationiert waren.[11] Der erhaltene Eintrag, der 72 Darughachi nennt, beruht selbst auf einem älteren, verloren gegangenen Eintrag. Goryeo war ein zu kleines Gebiet, um so viele Darughachi zu rechtfertigen. Die Namen der 72 Darughachi sind nicht überliefert, was angesichts ihrer Bedeutung ungewöhnlich ist. Weitere Erwähnungen der Darughachi in Korea sind in den erhaltenen Quellen selten. Nach dem Friedensschluss zwischen Goryeo und dem Mongolischen Reich im Jahr 1259 wurde Korea jedoch zu einem mongolischen Vasallenstaat.

Nach 1921 ersetzte das Wort „darga“ („Chef“) (Chalcha-Dialekt für Darugha) das aristokratische „Noyan“ als Bezeichnung für hochrangige Beamte in der Mongolei.[12]

Einzelnachweise

  1. a b R. H. Britnell: Pragmatic literacy, East and West, 1200–1330. The Boydell Press 1997: S. 223. google books ISBN 978-0-85115-695-8
  2. Elizabeth Endicott-West: Mongolian Rule in China, Local Administration in the Yuan Dynasty. Cambridge: Harvard University Press 1989; Idem: Imperial Governance in Yuan Times. Harvard Journal of Asiatic Studies. 46.2. 1986: S. 523–549.
  3. Dehkhoda Persian dictionary: داروغه . [ غ َ / غ ِ ] (ترکی – مغولی ، اِ) رئیس شبگردان . سرپاسبانان . داروغه که در زبان مغولی به معنی «رئیس » است یک اصطلاح عمومی اداری است [1] Archivlink
  4. a b Donald Ostrowski: The tamma and the Dual-Administrative Structure of the Mongol Empire. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies. University of London, vol. 61, no 2, 1998: S. 262–277. doi:10.1017/S0041977X0001380X
  5. Abdurishid Yakup: The Turfan Dialect of Uyghur. Otto Harrassowitz Verlag 2005: S. 300.
  6. S. z. B.: 1269 in: A. N. Nasonov (hg.): Novgorodskaia Pervaia Letopis Starshego i Mladshego Izvodov. Moskua/Leningrad: AN SSSR, 1950: S. 319.
  7. Charles J. Halperin: Russia and the Golden Horde: The Mongol Impact on Medieval Russian History. Bloomington: Indiana University Press 1987; Donald Ostrowski: Muscovy and the Mongols: Cross-Cultural Influences on the Steppe Frontier, 1304–1589. Cambridge: Cambridge University Press 1998.
  8. Henry Hoyle Howorth: History of the Mongols from the 9th to the 19th Century. Pt. 2.: S. 128.
  9. Judith G. Kolbas: The Mongols in Iran: Chingiz Khan to Uljaytu, 1220–1309. S. 156.
  10. W. E. Henthorn: Korea: The Mongol Invasions. E. J. Brill, Leiden 1963: S. 71.
  11. W. E. Henthorn: Korea: The Mongol Invasions. E. J. Brill, Leiden 1963: S. 72.
  12. C. P. Atwood: Encyclopedia of Mongolia and the Mongol Empire. 2004: S. 412. ISBN 0-8160-4671-9; ISBN 978-0816046713