Baureihe 98 der Wuppertaler Schwebebahn

Baureihe 98
Entwurf eines Versuchswagens
Nummerierung: I und II
Anzahl: 2
Hersteller: Wagenkasten: Van der Zypen & Charlier
Elektrik: Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vormals Schuckert & Co.
Baujahr(e): 1898
Sitzplätze: 30
Stehplätze: 20

Die Baureihe 98 der Wuppertaler Schwebebahn, benannt nach dem Inbetriebnahmejahr 1898, war die erste Fahrzeuggeneration der Wuppertaler Schwebebahn. Die beiden Prototypen mit den Betriebsnummern I und II, auch Serie AB genannt,[1] wurden von Van der Zypen & Charlier hergestellt. Die elektrische Ausrüstung lieferte die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vormals Schuckert & Co. zu.

Geschichte

Die Wagen wurden, nach Fertigstellung der ersten Schwebebahn-Probestrecke Zoologischer GartenVarresbeck, von Köln aus per Eisenbahn über den Gleisanschluss des Elberfelder Gaswerks angeliefert und am 13. und 14. September 1898 zwischen den Stützen 113 und 114 aufgegleist.[2] Am 5. Dezember 1898 konnten mit ihnen die Probefahrten für das neue Verkehrsmittel beginnen. Sie verfügten über zwei schmiedeeiserne Drehgestelle mit je zwei Rädern, wobei jedes von ihnen acht V-Speichen aufwies, sowie einen Stirnradantrieb. Hierbei hatte Nummer I einen Allradantrieb, während Nummer II einen Vorderradantrieb am ersten und einen Hinterradantrieb am zweiten Drehgestell aufwies, das heißt zwei von vier Achsen fungierten als Laufachsen.

Obwohl es sich um Einrichtungsfahrzeuge handelte, besaßen beide Wagen auf jeder Seite je zwei Türen. Ursächlich hierfür war zum einen die – in Wuppertal selbst jedoch nie vorgesehene – Möglichkeit zur Zugabfertigung über Mittelbahnsteige, zum anderen um im Notfall bei Betriebsstörungen den Übergang vom havarierten Zug auf einen Zug auf dem Gegengleis zu ermöglichen, das heißt über spezielle Evakuierungsbrücken. Zusätzlich standen, wie bei der zwei Jahre später eröffneten Pariser Métro, an Front und Heck schmale und mittig angeordnete Fluchttüren zur Verfügung,[3] auch als Kopftüren bezeichnet.[4] Diese waren aufschraubbar und konnten nur vom Betriebspersonal geöffnet werden. Die beiden Wagen waren auch für den möglichen Einsatz in anderen Städten bestimmt, die sich damals für das Schwebebahn-System interessierten.[5]

Die ersten beiden Schwebebahnwagen wiesen 30 Sitzplätze und 20 Stehplätze auf,[3] wobei rechts des Mittelgangs Einzelsitze und links des Mittelgangs Doppelsitzbänke situiert waren, jeweils in Vis-à-vis-Anordnung. Somit existierten fünf fiktive Abteile. Die komfortablere I. Wagenklasse umfasste jeweils ein Drittel des Fahrgastraums und war beim Wagen I vorne und beim Wagen II hinten angeordnet. In der I. Klasse waren die Rücklehnen der Sitzbänke mit Rohrgeflecht und in der II. Klasse mit durchbrochenem (gelochtem) Holz ausgestattet.[6]

Die beiden Fahrzeuge waren preußischgrün[7] (RAL-Farbe 6008) lackiert und hatten goldene Zierstreifen. Mit dieser Farbwahl orientierte sich der Betreiber, abweichend zu allen späteren Schwebebahnwagen, an den damaligen Gepflogenheiten der Eisenbahn.[5]

Die Wagen I und II wurden nie im regulären Liniendienst eingesetzt, sondern dienten ausschließlich für Probefahrten und Fahrgestell-Versuchsausführungen. Hierbei wurden sie sowohl einzeln als auch in Doppeltraktion getestet. Ab 1900 stand schließlich die Baureihe 00 zur Verfügung, mit der die Schwebebahn am 1. März 1901 ihren Betrieb aufnahm. Sie unterschied sich konstruktiv bereits deutlich von den Versuchswagen.

1902 erhielt Wagen I noch, stärker motorisierte, Versuchs-Drehgestelle mit Allradantrieb und zwei Doppelkegelradübertragungen analog zur späteren Baureihe 03, die im Jahr darauf in Betrieb ging. Mit dem neuen Antrieb absolvierte Wagen I ab November 1902 Versuchsfahrten auf dem damals noch nicht eröffneten Streckenabschnitt in Barmen,[6] bei denen im März 1903 bis zu 90 km/h erreicht wurden. 1920 wurden beide Prototypen des Jahres 1898 verschrottet.

Einzelnachweise

  1. Adalbert Kukan: Die Schwebebahn zu Wuppertal. (PDF) Abgerufen am 21. Mai 2025.
  2. Vorschaubilder der 78 Photographien aus der Schwebebahn-Erbauerzeit 1898–1903 auf schwebebahnmuseum.de, abgerufen am 25. Juni 2025
  3. a b Fritz Eiselen: Zur Betriebseröffnung der Elberfelder Schwebebahn. In: Deutsche Bauzeitung. Nr. 86, 27. Oktober 1900 (lokalgeschichte.de [abgerufen am 11. Januar 2024]).
  4. (Fortsetzung). In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 87, 1900, S. 527/528 (zlb.de).
  5. a b Westdeutsche Zeitung: Schwebebahn: Erst Teufelswerk dann Wahrzeichen. 23. Juni 2017, abgerufen am 21. Mai 2025.
  6. a b Rainer Gruenter: Schwebebahn und Wupperbrücken. In: Broschüre zur Ausstellung in der Gesamthochschulbibliothek Wuppertal anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Stadt Wuppertal. Gesamthochschule Wuppertal, Fachbereich 11 Bautechnik – Fachgebiet Stahlbau, Juni 1979, abgerufen am 4. Juli 2025.
  7. Von Preußischgrün zu Himmelblau. Abgerufen am 21. Mai 2025.