Asienmittelreiher

Asienmittelreiher

Asienmittelreiher (Ardea intermedia)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pelecaniformes
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Ardeinae
Gattung: Ardea
Art: Asienmittelreiher
Wissenschaftlicher Name
Ardea intermedia
Wagler, 1827

Der Asienmittelreiher (Ardea intermedia) ist eine Vogelart aus der Familie der Reiher. Es ist eine schlanke, reinweiße Reiherart mit langem Hals und dunklen Beinen. Das Verbreitungsgebiet des Asienmittelreihers ist Süd- und Ostasien. Die in Afrika, bzw. in Australasien vorkommenden, sehr ähnlichen und nahe verwandten Reiher dieses Artenkomplexes, die bisher als konspezifisch erachtet wurden, werden mit Stand 2025 als eigenständige Arten betrachtet.[1]

Merkmale

Der Asienmittelreiher ist ein Reiher von mittlerer Größe und einem völlig weißem oder cremeweißem Gefieder. Der Schnabel ist gelb (er wird während zur Balzzeit schwärzlich) und die Beine sind dunkel. Die Körperlänge beträgt 56 bis 72 Zentimeter, die Flügel sind 105 bis 115 Zentimeter lang. Asienmittelreiher wiegen 400 bis 500 Gramm.[2]

Im Vergleich zum Seidenreiher (Egretta garzetta) ist der Asienmittelreiher größer. Er hat einen gelben Schnabel (schwarz beim Seidenreiher), schwarze Füße (gelb beim Seidenreiher) und während der Brutzeit keinen Schmuckfederschopf. Vom Silberreiher (Ardea alba) unterscheidet er sich durch die geringere Größe, den kürzeren Hals und die unbefiederte Gesichtshaut, die nicht bis hinter das Auge hinausreicht. Verglichen mit dem Riffreiher (Egretta sacra) ist der Asienmittelreiher größer, schlanker gebaut und die unbefiederten Körperteile sind anders gefärbt. Außerdem kommen beide Arten in unterschiedlichen Lebensräume vor, der Riffreiher lebt nur in Küstengebieten und Flussmündungen. Der Asienmittelreiher unterscheidet sich vom Koromandelkuhreiher (Ardea coromanda) durch seine größere Größe, seinen längeren Schnabel, den längeren Hals, seine dunklen (nicht gelben) Beine und sein schlankeres Erscheinungsbild.[2]

Verbreitung und Lebensraum

Das große Verbreitungsgebiet des Asienmittelreihers reicht von Pakistan, Indien und Sri Lanka im Westen bis in das südöstliche China, Südostasien, Südkorea und das Japan im Osten.[2]

Der Asienmittelreiher ist anpassungsfähig und lebt in einer Vielzahl von verschiedenen Lebensräumen, vor allem jedoch im Binnenland. Darunter sind Süßwassersümpfe, Sumpfwäldern, Tümpel, überschwemmte Gebiete, Reisfelder, Stauseen, Klärteiche, Flüsse, trockenes Grasland in Wassernähe, Weiden mit Rindern und die Uferbereiche von Süß-, Brack- und Salzwasserseen. Mangroven, Wattflächen und Flussmündungen, die von den Gezeiten beeinflusst werden, meidet er in der Regel. Auf Sumatra fand man ihn bis in Höhen von 1000 Metern, in Nepal sogar in Höhen von 1450 Metern.[2]

Lebensweise

Asienmittelreiher sind überwiegend standorttreu, die nördlichen Populationen in Ostasien sind jedoch Zugvögel. Japan verlassen die Vögel im September/Oktober, überwintern auf den Philippinen oder in Indonesien, östlich bis Sulawesi, und kehren im April zu ihren Brutkolonien in Japan zurück. Irrgäste beobachtete man auf Hokkaidō, Sachalin, der russischen Ussuriregion und Nordkorea. Die Reiher ernähren sich vor allem von kleinen, weniger als zehn Zentimeter langen Fischen. Außerdem werden Frösche, Schlangen, Insekten, Krebstiere, Blutegel, Wasserwanzen, Libellenlarven, sowie gelegentlich auch Landtiere wie Heuschrecken, Maulwurfsgrillen, Wanzen, Käfer, Spinnen, Echsen, ausnahmsweise auch Vögel gefressen. Seine Nahrung sucht er, indem er bewegungslos der Beute auflauert oder durch langsames Vorwärtsschreiten im flachen Wasser.[2]

Asienmittelreiher brüten in Kolonien, oft zusammen mit anderen Wasservogelarten, z. B. Seidenreiher, Silberreiher, Koromandelkuhreiher, Rallenreiher, Nachtreiher, Ibisse und Löffler, Störche, Kormorane oder Pelikane. Die Kolonien bestehen manchmal aus Hunderten von Nestern des Asienmittelreihers. In Indien wurde eine Kolonie mit 1500 Nestern gefunden. Die gewöhnlich aus Ästen und Zweigen bestehenden Nester werden in einer Höhe von 1,5 bis 6 Metern (hin und wieder auch bis in Höhen von 20 Metern) über dem Boden, auf Bäumen, Büschen oder Felsvorsprüngen in Gewässernähe errichtet. Sie sind 60 bis 80 Zentimeter breit und 20 bis 40 Zentimeter hoch. Je nach Region brüten die Vögel zu unterschiedlichen Jahreszeiten, in Nordindien z. B. von Juli bis September, in Südindien von November bis Februar. Das Gelege besteht aus 2 bis 6 Eiern von hellgrüner Farbe. Die frisch geschlüpften Küken haben ein weißes Daunengefieder. Sie werden von beiden Eltern betreut, nach 35 bis 40 Tagen flügge und verlassen die Kolonie nach etwa 70 Tagen.[2]

Systematik

Der Mittelreiher wurde 1827 durch den deutschen Zoologen Johann Georg Wagler erstmals wissenschaftlich beschrieben.[3] 1848 beschrieb der britische Ornithologe John Gould eine sehr ähnliche Reiherart aus New South Wales in Australien[4] und 1854 folgte der deutsche Zoologe Alfred Brehm mit der Erstbeschreibung einer weiteren, ähnlichen Reiherart vom Blauen Nil im nordöstlichen Afrika.[5] Alle drei Arten wurde mehrere Jahrzehnte lang als eine Art angesehen (Mittelreiher (Ardea intermedia)). In letzter Zeit wird der Mittelreiher aber nicht mehr als eine einzelne Art, sondern als Artenschwarm mit drei eigenständigen Arten angesehen. Die drei Arten sind sich außerordentlich ähnlich, können aber anhand der Morphometrie des Schnabels und geringfügiger Abweichungen in ihrem Brutgefieder voneinander unterschieden werden. Außerdem sind sie auf verschiedenen Kontinenten verbreitet.[1] Unterschieden werden seitdem, der Asienmittelreiher (Ardea intermedia), der Afrikamittelreiher (A. brachyrhyncha)[6] und der Pazifikmittelreiher (A. plumifera).[7] Die nahe Verwandtschaft der drei Arten wurde nie durch DNA-Vergleiche verifiziert, gilt aber als gesichert. Die nächsten Verwandten des Mittelreiher-Artenschwarms sind der fast weltweit verbreitete Silberreiher (Ardea alba) und der australische Weißhalsreiher (Ardea pacifica). Alle fünf Arten zusammen sind die Schwestergruppe einer von den übrigen Ardea-Arten gebildeten Klade.[8] [2] Synonyme sind Egretta intermedia und Mesophoyx intermedia.

Gefährdung

Die IUCN schätzt den Bestand des Asienmittelreihers, vor allem aufgrund des sehr großen Verbreitungsgebietes, als ungefährdet ein.[9]

Einzelbelege

  1. a b Adrian Walsh u. Chris Chafer: Taxonomic revision, occurrence, and identification of Intermediate Egret Ardea intermedia in North Queensland, Australia. Januar 2022, Australian Field Ornithology 39:174-194, DOI: 10.20938/afo39174194
  2. a b c d e f g J. del Hoyo, A. Martínez-Vilalta, A. Motis, N. Collar, G. M. Kirwan und N. Moura (2023). Medium Egret (Ardea intermedia), Version 1.0. In Birds of the World (N. D. Sly und S. M. Billerman, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.integr1.01
  3. J.G. Wagler (1829): Beyträge und Bemerkungen zu dem ersten Bande seines Systema Avium. Isis von Oken 22(6): S. 645–664
  4. J. Gould (1848): Descriptions of some new species of Australian Birds. Proceedings of the Zoological Society of London, Nr. 179, S. 220–222.
  5. Alfred Brehm (1854): Etwas über den Zug der Vögel in Nord-Ost-Afrika. Journal für Ornithologie 2(7): 73–85, S. 80
  6. J. del Hoyo, A. Martínez-Vilalta, A. Motis, N. Collar, G. M. Kirwan und N. Moura (2023). Yellow-billed Egret (Ardea brachyrhyncha), Version 1.0. In Birds of the World (N. D. Sly und S. M. Billerman, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.integr3.01
  7. J. del Hoyo, A. Martínez-Vilalta, A. Motis, N. Collar, G. M. Kirwan und N. Moura (2023). Plumed Egret (Ardea plumifera), Version 1.0. In Birds of the World (N. D. Sly und S. M. Billerman, Editors). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi:10.2173/bow.integr2.01
  8. Jack P. Hruska, Jesse Holmes, Carl Oliveros, Subir Shakya, Philip Lavretsky, Kevin G. McCracken, Frederick H. Sheldon, Robert G. Moyle: Ultraconserved elements resolve the phylogeny and corroborate patterns of molecular rate variation in herons (Aves: Ardeidae). Ornithology, Januar 2023, doi: 10.1093/ornithology/ukad005
  9. Rote Liste Intermediate Egret, auf iucnredlist.org