Koromandelkuhreiher
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Koromandelkuhreiher (Ardea coromanda) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
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| (Boddaert, 1783) |
Der Koromandelkuhreiher (Ardea coromanda) ist eine Reiherart, die auf dem Indischen Subkontinent, in Südostasien, im Süden von China, auf den östlichen Kleinen Sundainseln und den meisten Inseln der Molukken, auf Neuguinea und den Aru-Inseln sowie im Norden und Osten von Australien vorkommt.
Merkmale
Der Koromandelkuhreiher ist ein überwiegend weiß gefärbter, gedrungener, kurzhalsiger Reiher, der eine Gesamtlänge von 46 bis 56 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 88 bis 96 Zentimeter und ein Gewicht von 270 bis 512 Gramm erreichen kann. Er ist gesellig und hält sich oft auf Feldern und Weiden in der Nähe von großen Weidetieren auf. Beim Gehen wiegt er den Kopf vor und zurück. Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum. Lediglich das Prachtgefieder des Weibchens ist etwas kürzer, was in freier Wildbahn jedoch kaum wahrnehmbar ist. Der Schnabel, der Zügel und die Iris sind gelb, die Beine sind dunkelgrün. Das Gefieder brütender Vögel ist an der Brust, am unteren Vorderhals, am Kopf von der Stirn bis zum Nacken und am hinteren Rücken orange-gelb bis zimtfarben gefärbt. Die Iris ist dann dunkelgelb, die Beine sind gelbgrün. Während des Höhepunkts der Brutzeit sind Schnabel, Beine und Iris leuchtend rötlich und die Zügel purpurrosa. Jungvögel sind bis auf einen kleinen hellgelben Bereich auf dem Scheitel fast vollständig weiß gefärbt. Der Schnabel ist gelbockerfarben (Oberschnabel) bzw. schwarz, die Augen sind gelb und ihre Beine sind schwarz. Verglichen mit dem nah verwandten Kuhreiher (Ardea ibis) ist der Koromandelkuhreiher etwas kleiner, hat einen kürzeren und weniger kräftigeren Schnabel, kürzere Beine, einen kürzeren Schwanz und eine steilere Stirn. Außerdem ist die Ausdehnung und Intensität seiner Brutfärbung ausgeprägter.[1]
Verbreitung
Der Koromandelkuhreihers kommt südlich des Himalaya in Pakistan, Indien und Nepal, in Bangladesch, auf Sri Lanka, den Malediven, Nikobaren und Andamanen, in ganz Südostasien, außer vielleicht auf der Malaiischen Halbinsel, im südöstlichen China, auf Hainan, Taiwan, im Süden von Japan einschließlich der Ryūkyū- und Bonin-Inseln und in Südkorea vor. Zwischen 1948 und 1963 besiedelte er die Region von den Molukken bis Neuguinea, Mikronesien, bis zu den Marianen und bis Neukaledonien.[1]
Ausbreitung in Australien und Neuseeland
Im australischen Northern Territory wurden 1933 18 Koromandelkuhreiher ausgewildert, die aus Indien stammten. Diese Einführung gilt aber als nicht erfolgreich. 1949 wurden erstmals im nur dünn besiedelten Landkreis Oenpelli des Northern Territorys Koromandelkuhreiher beobachtet. Die Reiher waren hier bereits so zahlreich anzutreffen, dass man es für unwahrscheinlich hält, dass sie von den 1933 ausgewilderten Reihern abstammten. Zwischen 1949 und 1979 beobachtete man gleichzeitig immer wieder Irrgäste in der westaustralischen Region Pilbara. Die erste Brut in Westaustralien wurde jedoch erst 1980 in der Nähe von Wyndham beobachtet. Bereits 1954 wurden brütende Koromandelkuhreiher in New South Wales im Südosten Australiens beobachtet, dort wuchs die Population innerhalb von 20 Jahren auf 2.300 Brutpaare an. Mittlerweile ist der Koromandelkuhreiher eine in Australien weit verbreitete und lokal häufige Reiherart. Ein Verbreitungsschwerpunkt ist der Norden Australiens von Wyndham bis Arnhemland sowie der Osten Australiens von Bundaberg in Queensland bis in den äußersten Südosten Australiens und Tasmaniens. Koromandelkuhreiher sind außerdem zahlreich in einer Region im Südwesten Australiens, die von Perth bis nach Esperance reicht.[2]
Ausgehend von Australien wurde auch Neuseeland von Koromandelkuhreihern besiedelt. Die erste gesicherte Beobachtung gibt es aus dem Jahr 1963. Mittlerweile erreichen Irrgäste regelmäßig in den Monaten April bis Mai die Westküste Neuseelands. Die Zahl schwankt dabei sehr stark. 1986 zählte man beispielsweise mehr als 3200 Koromandelkuhreiher, 1988 ging die Zahl auf 1142 Reiher zurück. Bruten wurden im 20. Jahrhundert in Neuseeland nicht festgestellt.[2]
Lebensraum und Lebensweise
Der Koromandelkuhreiher ist anpassungsfähig und lebt in verschiedenen Feuchtgebieten, in Mooren und Sümpfen, an Seen und Baggerseen. Besonders im Frühling und Herbst suchen die Vögel auf Feldern, auf denen Nutzpflanzen angebaut werden, nach Nahrung. Außerhalb der Brutgebiete halten sich die Vögel vor allem an Küsten auf. Bei der Nahrungssuche sind Koromandelkuhreiher anpassungsfähig und opportunistisch. Oft werden Rinder oder andere Weidetiere begleitet. Zu seinen Beutetieren zählen Heuschrecken, Grillen, Spinnen, Eulenfalter, Zecken, Regenwürmer, Engerlinge, Flusskrebse, Tausendfüßer, Hundertfüßer, Frösche, Spitzmäuse und kleine Vögel, einschließlich ihrer Eier und Nestlinge. Fliegen werden meist von der Unterseite von Rindern gepickt. In der Trockenzeit werden im Flachwasser auch Fische erbeutet. In Australien wird auch die Aga-Kröte erbeutet, die als giftiger, eingeschleppter Schädling gilt. Unverdauliche, harte Beuteteile werden in den Kotpillen ausgeschieden.[1]
Fortpflanzung und Brutverhalten
Der Koromandelkuhreiher brütet in Kolonien zusammen mit anderen Reiherarten, Kormoranen und Ibissen. Die Nester werden in und auf Bäumen, Büschen, Sträuchern oder Mangroven gebaut, in Sümpfen auch im Schilf oder in Gewässern auf Inseln. Höhere Bäume werden bevorzugt. In den Brutkolonien sind die Vegetation und die Nester mehr oder weniger stark mit weißlichem Kot bedeckt. Das aus Zweigen bestehende Nest wird von beiden Geschlechtern gebaut, wobei das Männchen vor allem das Nistmaterial herbeischafft. Es ist nach fünf bis sechs Tagen bereit für die Eiablage, hat dann aber erst ein Drittel seiner endgültigen Größe und wird während der gesamten Brutzeit – auch noch nach dem Schlüpfen der Jungvögel – immer weiter gebaut. Die Gelegegröße liegt im Durchschnitt bei 3 bis 4 Eiern, es können aber bis zu 9 Eier im Nest liegen. Die Eier sind himmelblau, hellgrün, weiß oder rosa. Nach der Ablage des ersten Eis beginnen die Vögel zu brüten. Die geschlüpften Nestlinge werden von beiden Eltern versorgt. Nach 25 Tagen können die Jungvögel das Gleichgewicht halten und sind flugfähig, und nach etwa 40 Tagen beginnen sie in der Nähe der Kolonie nach Nahrung zu suchen.[1]
Systematik
Als Autor der Erstbeschreibung des Koromandelkuhreihers gilt der niederländische Ornithologe und Naturforscher Pieter Boddaert, der der Art im Jahr 1783 die wissenschaftlichen Bezeichnung Cancroma coromanda gab. Die Terra typica ist die Koromandelküste, die südöstliche Küste des indischen Subkontinents, nach der die Art auch benannt ist.[3] Lange Zeit galt der Koromandelkuhreiher als konspezifisch zum Kuhreiher (Ardea ibis). Seit Mitte der 1970er-Jahre wird er jedoch immer mehr als eine eigenständige, mit dem Kuhreiher jedoch nah verwandte Art angesehen.[4][5][6][1][7] Kuhreiher und Koromandelkuhreiher wurden eine Zeit lang als Gattung Bubulcus zusammengefasst, die 1855 durch den französisch-italienischen Zoologen Charles Lucien Bonaparte eingeführt worden ist. Aktuelle phylogenetische Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Gattung Bubulcus in die Gattung Ardea eingebettet ist oder zumindest die Schwestergruppe von Ardea ist.[8] Bubulcus wurde deshalb mit Ardea synonymisiert.[1][7]
Die Kuhreiher auf den Seychellen und dem Chagos-Archipel im Indischen Ozean wurden als Unterart (seychellarum) beschrieben. Es handelt sich aber höchstwahrscheinlich um Hybriden zwischen Kuhreiher und Koromandelkuhreiher.[1]
Gefährdung
Der Bestand des Koromandelkuhreihers ist ungefährdet. In den letzten Jahrzehnten hat er sein Verbreitungsgebiet zu den Molukken und nach Australien und Neuseeland ausgedehnt. In Indien ist der Koromandelkuhreiher die häufigste Reiherart.[1]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h R. C. Telfair, P. Pyle und R. Roshnath (2023). Eastern Cattle-Egret (Ardea coromanda), Version 1.0. In Birds of the World (B. K. Keeney und S. M. Billerman, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.categr2.01.1
- ↑ a b P. J. Higgins (Hrsg.): Handbook of Australian, New Zealand & Antarctic Birds, Band 1, Ratites to Ducks, Oxford University Press, Oxford 1990, ISBN 0-19-553068-3. S. 1018–1020.
- ↑ P. Boddaert (1783): Table des planches enluminéez d’histoire naturelle de M. D’Aubenton : avec les denominations de M.M. de Buffon, Brisson, Edwards, Linnaeus et Latham, precedé d’une notice des principaux ouvrages zoologiques enluminés. 58 S. Utrecht. DOI: 10.5962/bhl.title.39835
- ↑ RB Payne & CJ Risley (1976): Systematics and evolutionary relationships among the herons (Ardeidae). Miscellaneous Publications of the Museum of Zoology, University of Michigan 150: 1–115.
- ↑ IAW McAllan & MD Bruce (1989): The Birds of New South Wales—A Working List. Biocon Research Group, Turramurra, NSW.
- ↑ PC Rasmussen & JC Anderton (2005): Birds of South Asia: the Ripley Guide. Lynx Edicions, Barcelona.
- ↑ a b Frank Gill, David Donsker & Pamela Rasmussen (Hrsg.): Ibises, spoonbills, herons, Hamerkop, Shoebill, pelicans in der IOC World Bird List Version 15.1
- ↑ Jack P. Hruska, Jesse Holmes, Carl Oliveros, Subir Shakya, Philip Lavretsky, Kevin G. McCracken, Frederick H. Sheldon, Robert G. Moyle: Ultraconserved elements resolve the phylogeny and corroborate patterns of molecular rate variation in herons (Aves: Ardeidae). Ornithology, Januar 2023, doi: 10.1093/ornithology/ukad005
Weblinks
- Koromandelkuhreiher (Ardea coromanda) auf eBird.org
- Koromandelkuhreiher (Ardea coromanda) bei Avibase
- Ardea coromanda im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Koromandelkuhreiher (Bubulcus coromandus)
- Eastern Cattle Egret (Bubulcus coromandus) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
- Koromandelkuhreiher auf oiseaux.net (französisch)