Antoniusglocke (Hannover)

Die Antoniusglocke ist die älteste Glocke in Hannover. Sie wurde im 13. Jahrhundert gegossen. Ihr Gießer ist unbekannt. Sie hängt seit 2025 im Turm der Matthiaskirche im Ortsteil Groß-Buchholz.

Geschichte

Die Glocke hatte wahrscheinlich jahrhundertelang ihren Platz in einem offenen Dachreiter der früheren Antoniuskapelle in Groß-Buchholz' Straße Kapellenbrink.[1] Ob sie schon vom Abschluss des Baus auf der Kapelle in einem Dachreiter untergebracht war, ist sowenig bekannt wie die Herkunft der Glocke und ihr Schicksal seit dem Guss.

Die Gemeinde Groß Buchholz verkaufte die mittlerweile als Schule genutzte Kapelle im Jahr 1797, weil sie angesichts der gestiegenen Schülerzahl zu eng geworden war. Die Glocke war vom Verkauf ausdrücklich ausgeschlossen worden.[2] Sie wurde zur neu gebauten Schule gebracht.[1] Dort – ganz in der Nähe der früheren Kapelle – fand sie wieder in einem Dachreiter Platz. An dieselbe Stelle wurde sie platziert, als aus Gründen des Anwachsens der Bevölkerung im Dorf Groß-Buchholz erneut eine neue Schule gebaut werden musste. Der hannoversche Baumeister Conrad Wilhelm Hase errichtete dieses Schulgebäude mit zwei Klassenzimmern.[3]

Nachdem für Groß-Buchholz eine eigenständige Kirchengemeinde in Aussicht genommen war, wurde im Jahr 1957 ein Gemeindehaus an der Groß-Buchholzer Straße/Ecke Roderbruchstraße errichtet. Diese erhielt einen offenen Dachreiter, in den die Glocke von der Schule überführt wurde. Kirchengemeinde und Stadt Hannover müssen hierüber eine Vereinbarung gefunden haben. Die Glocke dort wurde geläutet, während im Gottesdienst das „Vater Unser“ gebetet wurde.

Mit dem Abriss des Gemeindehauses um 2016 wurde die Glocke auf eine Palette in den Vorraum der Kirche gestellt. Erst 2025 ist diese Glocke als zehnte Glocke in den Turm gehängt worden. Auch künftig solle sie als Vaterunser-Glocke dienen.[4][5]

Glocke im Ersten Weltkrieg

Die Glocke war 1917 – während des Ersten Weltkriegs – beschlagnahmt.[1] Sie sollte als Material für Kanonen eingeschmolzen werden. Dies kann aus folgendem geschlossen werden: Arnold Nöldeke berichtete hierüber in seinem Werk „Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover“, dessen Band über Hannover im Jahr 1932 erschien, mit dem eingangs dieses Abschnitts fast wörtlich zitierten Satz. Er erwähnte nicht, dass sie von einem Glockenfriedhof schon zurückgebracht worden sei. Die Antoniusglocke als inzwischen älteste Glocke Hannovers entging dem großen Risiko, im Ersten Weltkrieg für die Produktion von Kanonen eingeschmolzen zu werden.

Älteste Glocke in Hannover

Die Glocke stammt nach den Angaben von Glockensachverständigen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aus dem 13. Jahrhundert,[6] nach denen der Matthiaskirchengemeinde aus dem 14. Jahrhundert.[7] Sie ist zwar im oberen Bereich mit einer Glockenzier versehen und in der Mitte mit einem kaum deutbaren Zeichen versehen, das als ein X mit einem rechts darauf stehenden Kreuz gedeutet werden kann. Aber ihr Gießer ist unbekannt. Ihr Durchmesser beträgt 547 Millimeter und ihr Gewicht 130 Kilogramm. Sie hat die Tonhöhe fis.[7]

Die Antoniusglocke ist die älteste Glocke in Hannover.[6]

Literatur

  • Provinzialausschuss und Landesdirektorium der Provinz Hannover (Hrsg.) und Arnold Nöldeke (Autor): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. I Regierungsbezirk Hannover. Stadt Hannover. Denkmäler der eingemeindeten Vorörter. Band 1, Heft 2, Teil 2. Selbstverlag der Provinzialverwaltung. Theodor Schulzes Buchhandlung. Hannover 1932, S. 8
  • Peter-Alwin Pinnen: Die Groß-Buchholzer Schulen. In: Pinkenburger Kreis und Friedrich-Wilhelm Busse: Groß-Buchholz. Bilder und Geschichten aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb 1992, ISBN 3-89264-739-9, S. 52–60
  • Matthiaskirchengemeinde (Groß-Buchholz) (Hrsg.): Konzert der Glocken der Matthiaskirche in Hannover-Groß-Buchholz. Glockenfest zur Vervollständigung des Geläutes. Leitung Jonas Rennspieß. Programmblatt vom 5. September 2025
  • Festschrift zur Einweihung der Volksschule Hannover, Groß-Buchholzer Kirchweg am 13. Februar 1961, Hannover o. J. (1961) (Mit Beiträgen über das Gebäude, den Unterricht, die „Groß-Buchholzer Schulhäuser“ mit Angaben zur Glocke auf dem Dachreiter des Gemeindehauses der Kirchengemeinde, die in Dachreitern auf verschiedenen Schulgebäuden hing, und einer „kurzen Dorfchronik von Groß-Buchholz“.)

Siehe auch

Commons: Antoniusglocke (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. a b c Provinzialausschuss und Landesdirektorium der Provinz Hannover (Hrsg.) und Arnold Nöldeke (Autor): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. I Regierungsbezirk Hannover. Stadt Hannover. Denkmäler der eingemeindeten Vorörter. Band 1, Heft 2, Teil 2. Selbstverlag der Provinzialverwaltung. Theodor Schulzes Buchhandlung. Hannover 1932, S. 8
  2. Informationsblatt über die Antoniuskapelle, Stand 2025, S. 3
  3. Peter-Alwin Pinnen: Die Groß-Buchholzer Schulen. in: Pinkenburger Kreis und Friedrich-Wilhelm Busse: Groß-Buchholz. Bilder und Geschichten aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb 1992, ISBN 3-89264-739-9, S. 56
  4. Axel Ehlers: Schöner denn je – das erneuerte Geläut der Matthiaskirche, in: Gemeindebrief der Ev.-luth. Brückengemeinden Hannover–Ost, Ausgabe 4, September–November 2025, S. 6.
  5. Heike Löhr: Glocken. In: Gemeindebrief der Ev.-luth. Brückengemeinden Hannover-Ost, Ausgabe 1, Dezember 2025-Februar 2026, S. 7
  6. a b ep: Glocken wehrten die Dämonen ab, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung. Stadt-Anzeiger Nr. 305 vom 30. Dezember 1999
  7. a b Matthiaskirchengemeinde (Groß-Buchholz) (Hrsg.): Konzert der Glocken der Matthiaskirche in Hannover-Groß-Buchholz. Glockenfest zur Vervollständigung des Geläutes. Leitung Jonas Rennspieß. Programmblatt vom 5. September 2025, unpag. (S. 2)

Koordinaten: 52° 23′ 54,2″ N, 9° 48′ 13,9″ O