Kapellenbrink (Hannover)

Kapellenbrink
Straße in Hannover
Basisdaten
Stadt Hannover
Stadtteil Groß-Buchholz
Anschluss­straßen Groß-Buchholzer Kirchweg, Groß-Buchholzer Straße

Die Straße Kapellenbrink im historischen Dorfkern des zu Hannover gehörenden Stadtteils Groß-Buchholz führt von der Straße Groß-Buchholzer Kirchweg nach Westen und an einer platzartigen Erweiterung in einem Bogen nach Süden zur Groß-Buchholzer Straße. Sie hat ihren Namen nach der früheren Antoniuskapelle. Der Zusatz Brink, ein niederdeutsches Wort, hat die Bedeutung „Rand eines Hügels, Ackers, Gehöftes“.[1]

Geschichte

Helmut Zimmermann bezeichnet in seinem Buch Von Anderten nach Stöcken. Streifzüge durch Hannovers Geschichte den Kapellenbrink als „Mittelpunkt des Bauerndorfes Groß-Buchholz“[2] und nennt sie in seinem Buch Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover eine „historische Straße des Dorfes Groß-Buchholz“.[3]

Die nicht durchgängig mit Kraftfahrzeugen befahrbare Straße spielt in der Besiedlung von Groß-Buchholz eine Rolle für die Erschließung der neun Vollmeierhöfe, vier Halbmeierhöfe, zwei Großkötnerstellen, vier Kleinkötnerstellen und die Familien von dreizehn Brinksitzern und zwei Hirten, so eine Auflistung von 1689,[2] die früher das Dorf Groß-Buchholz mitprägten. Auffallend ist, dass zahlreiche Fachwerkbauten aus der Zeit nach 1831 datieren. Am 17. September 1830 hatte ein Orkan 14 Wohnhäuser sowie 20 Scheunen und Stallgebäude fast vollständig vernichtet sowie zahlreiche Obstbäume und Eichen umgeknickt.[4] Der hannoversche Maler Johann Heinrich Ramberg zeichnete das zerstörte Dorf, in eine Grafik umgesetzt, wurde sie unter dem Titel „Grossen-Buchholz bey Hannover nach der Windsbraut vom 17ten Septbr. 1830“ mit dem Zusatz „Zum Besten der Armen“ vertrieben. Durch die „Windsbraut“ sind zahlreiche Fachwerkbauten zerstört worden. Diejenigen, die dieses Ereignis überstanden und die danach neu entstandenen, sind weitgehend noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts erhalten. Sie sind als Ensemble nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz geschützt.

Diese Höfe lagen direkt am Kapellenbrink: Hof 8 Reinecke,[Anm. 1] Hof 1 Tegtmeyer, Hof 7 Ehlers, Hof 6 Lüßenhop, Hof 3 Bruns und Hof 9 Reinecke (alle Vollmeierhöfe) und diese beiden Halbmeierhöfe: Hof 12 Riechelmann, Hof 13 Luttermann.[5] Die anderen Höfe wurden durch andere Straßen erschlossen.

Die frühere Antoniuskapelle war schon bald nach Ansiedlung der ersten Höfe „wohl zu Beginn des 14. Jahrhunderts“ entstanden.[6] Sie wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg zur ersten Schule des Dorfes, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts zu klein war. Nach dem Bau einer neuen Schule verkaufte sie die Gemeinde im Jahr 1797[7] an die Familie Fuhrke. Der in der Nähe wohnende bildende Künstler Vlado Magdić schuf immer wieder Radierungen der Kapelle. Die Kapelle ist das älteste Bauwerk in Groß-Buchholz.[6]

In den 1930er Jahren gab es Pläne der Stadtverwaltung, zur Entlastung der Podbielskistraße die Walderseestraße bis zur Hesemannstraße durchzubauen.[8] Dies hätte den Abriss eines Teils der Wohnhauses bedeutet. Die Kapelle mit Fachwerkanbau hätte nach dem Neubau der Entlastungsstraße auf einer Insellage gestanden. Die Pläne wurden nicht verwirklicht.

Die Bevölkerungsentwicklung erhöhte den Druck auf die Nutzung auch der oftmals sehr großen Hofgrundstücke für eine Verdichtung durch neue Wohnbauten wie etwa gar Terrassenhäuser. Die Stadtplanung für Groß-Buchholz konnte sich lange diesem Druck entziehen, dies auch weil die Eigentümer sich durch Bebauung oder Verkauf der früher für die Landwirtschaft genutzter Wiesen, Weiden und Äcker schon reichlich für sich gesorgt hatten. Helmut Zimmermann bezeichnete 1987 Groß-Buchholz als den „Stadtteil der schönen Bauernhäuser“.[2] Damit meinte er das historische Dorf. Gleichwohl entstand auch im alten Dorf Neues: So sind im Hof 1 und im Hof 8 im späten 20. Jahrhundert jeweils ein neues Einfamilienhaus entstanden. Das Haupthaus des Hofes Burzlaff[Anm. 2] wurde im Zweiten Weltkrieg von einer Bombe getroffen und bis ins 21. Jahrhundert nur teilweise und als verkürztes Gebäude wieder aufgebaut. Erst in den 2020er Jahren schuf ein Bauträger Aus- und Umbauten mit acht Eigentumswohnungen. Das Haupthaus des Hofes 9 Reinecke wurde in den 1980er Jahren in vier Reihenhäuser umgebaut und auf dem Hofgrundstück sieben Einfamilienhäuser errichtet.

Schon im frühen 20. Jahrhundert waren Hannoveraner an den Höfen interessiert, wahrscheinlich insbesondere an den bäuerlichen Fachwerkbauten, so auch Ferdinand Möller (1878–1955), ein Architekt, der den Hof 8 Reinecke um 1918 erwarb, heute Kapellenbrink 6 bis 10 und Groß-Buchholzer Kirchweg 66. Die Durchfahrtscheune von 1764 und das Haupthaus von 1711[9] sind auch im beginnenden 21. Jahrhundert bewohnte Fachwerkbauten.

Der Hof 1 Tegtmeyer war im Mittelalter Zehnthof des Dorfes.[10] Im Gebäude, in dem die Abgaben gelagert wurden, wird seit Jahrzehnten eine griechische Gaststätte betrieben.[11]

Auf den Grundstücken im Kapellenbrink und am Rand der Straße stehen zahlreiche große Bäume, insbesondere Eichen, von denen zwei als Naturdenkmale eingestuft sind, die Eiche Kapellenbrink 10 und die Eiche Kapellenbrink 22.

Am südlichen Ende des Kapellenbrinks findet sich ein Denkmal zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gestorbenen Soldaten aus Groß-Buchholz. Das Denkmal hat die Bezeichnung „1914–1918. Den für das Vaterland gefallenen Söhnen der Gemeinde Gr Buchholz. Die dankbare Heimat“. Sie sind mit ihren Namen aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine zusätzliche Steinplatte mit diesem Text angebracht: „Zum ehrenden Gedenken der Gefallenen des 2. Weltkrieges und der Opfer in der Heimat“.

Im nördlichen Bereich des Kapellenbrinks liegt eine Kindertagesstätte der AWO. Die frühere Schule „Orientierungsstufe Rehmer Feld“ wurde vor über 20 Jahren abgerissen. Jetzt stehen Einfamilienhäuser an ihrer Stelle,[12] erschlossen durch die hierfür neu entstandene Karl-Schmidt-Straße, die vom Kapellenbrink abgeht.

Amtlich wurde die Straße im Jahr 1907 als Kapellenbrinkstraße bezeichnet. Im Jahr 1978 gab die Stadt Hannover der Straße einen neuen Namen: Statt Kapellenbrinkstraße wurde der jetzige Name vergeben.[3][13]

Bis zum Ende der Schulform Orientierungsstufe gab es im westlichen Teil der Straße die Schule „Orientierungsstufe Rehmer Feld“. Die Bauten waren ursprünglich als „Volksschule Rehmer Feld“ vom Architekten Ernst Kreytenberg entworfen und 1962 eröffnet worden. Deren Gebäude wurden um 2000 von der Stadt Hannover abgerissen. Auf den Flächen des Schulgeländes entstanden Einfamilienhäuser, die durch die Karla-Schmidt-Straße erschlossen werden.

Literatur

  • Ulrich Fließ: Ein Museumshof in Groß Buchholz und ältere Freilichtmuseums-Pläne in Hannover. In: Heimatland. Zeitschrift für Heimatkunde, Naturschutz, Kulturpflege Heimatbund Niedersachsen (Hrsg.), Heft 6, Dezember 1978, S. 166–173
  • Helmut Zimmermann: Groß-Buchholz. Stadtteil der schönen Bauernhäuser, in: Ders.: Von Anderten nach Stöcken. Streifzüge durch Hannovers Geschichte, Ellen Harenberg-Labs, Hannover 1987, ISBN 3-89042-023-0, S. 36–46
  • Wilhelm Winkel: Bothfeld. Geschichte von Kirchspiel und Vogtei mit den Orten Bothfeld, Groß-Buchholz, Klein-Buchholz und Lahe. Nachgelassenes Manuskript, bearbeitet von Ingeborg Tehnsen-Heinrich, Heimatbund Niedersachsen, Hannover 1986, ISBN 3-9800677-1-8.
  • Pinkenburger Kreis (Hrsg.): Rundgang durch Groß-Buchholz, Hannover 2004.
  • Pinkenburger Kreis und Friedrich-Wilhelm Busse (Hrsg.): Groß-Buchholz. Bilder und Geschichten aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb am Neckar 1992, ISBN 3-89264-739-9.
  • Pinkenburger Kreis und Friedrich Wilhelm Busse: Groß-Buchholz. Bilder und Geschichten aus vergangenen Tagen. Band II, Geiger, Horb 1995, ISBN 3-89570-062-2.
  • Ulrike Gerold und Wolfram Hänel: Hannover – unterm Schwanz und ümme Ecke. Wo die wilden Welfen wohnen. Gmeiner, Meßkirch 2015, ISBN 3-8392-1705-9, S. 87.

Verkehr

Der Kapellenbrink kann durch Linienbusse der ÜSTRA mit Haltestellen auf der Groß-Buchholzer Straße (Haltestelle Groß-Buchholzer Straße) und auf dem Groß-Buchholzer Kirchweg (Haltestelle Hesemannstraße) erreicht werden.

Siehe auch

Commons: Kapellenbrink (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Die Nummerierung folgt dem 1941 von Paul Siedentopf veröffentlichten „Gr. Buchholz. Lageplan der Höfe mit Angabe der Besitzerklassen“.
  2. Nach Siedentopf Vollmeierhof 7 Ehlers.

Fußnoten

  1. Erläuterung bei Deutsches Rechtswörterbuch auf der Basis des Mittelniederdeutschen Wörterbuchs von Karl Schiller und August Lübben aus dem Jahr 1875, Abruf am 6. Oktober 2025
  2. a b c Helmut Zimmermann: Groß-Buchholz. Stadtteil der schönen Bauernhäuser, in: Ders.: Von Anderten nach Stöcken. Streifzüge durch Hannovers Geschichte, Ellen Harenberg-Labs, Hannover 1987, ISBN 3-89042-023-0, S. 37
  3. a b Helmut Zimmermann: Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, S. 137, ISBN 3-7752-6120-6
  4. Ferdinand Möller: Erhaltet alte Hausinschriften!. In: Heimatland, Zeitschrift des Heimatbundes Niedersachsen, Heft 10/12 des Jahres 1951, S. 273
  5. Paul Siedentopf: Gr. Buchholz. Lageplan der Höfe mit Angabe der Besitzerklassen. in: Pinkenburger Kreis und Friedrich-Wilhelm Busse (Hrsg.): Groß-Buchholz. Bilder und Geschichten aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb 1992, ISBN 3-89264-739-9, Vorsatz
    S. Reproduzierter Plan Paul Siedentopfs
  6. a b Wolfgang Neß mit Ilse Rüttgerodt-Riechmann und Gerd Weiß: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover. Teil 2, Band 10.2, ISBN 3-528-06208-8, S. 74 (Link zum Digitalisat des Abschnitts über die ehemalige Antoniuskapelle)
  7. Anzeige über die Versteigerung in den Hannöverische Anzeigen vom 6. März 1797, Sp. 510
  8. S. Plan der Stadt Hannover von vor 1939
  9. Ulrich Fließ: Alte Bauernhäuser in Hannover. Bilddokumente und Bauzeichnungen. Ausstellungsführer des Historischen Museums am Hohen Ufer, Hannover 1974, S. 28
  10. Pinkenburger Kreis (Hrsg.): Rundgang durch Groß-Buchholz, Hannover 2004, S. 13
  11. Bericht auf Ambrosia-Restaurant.de, Abruf am 6. Oktober 2025
  12. Nach einem Bebauungsplan, von 2006 an aufgestellt, Abruf am 27. November 2025
  13. S. Schreiben der Stadt Hannover vom 24. August 1978 an die Bewohner

Koordinaten: 52° 24′ 0,9″ N, 9° 48′ 8,9″ O