Andrzej Olechowski
Andrzej Marian Olechowski (* 9. September 1947 in Krakau) ist ein polnischer Politiker (BBWR, Ruch Stu, PO) und Wirtschaftswissenschaftler. Er war 1992 Finanzminister sowie von 1993 bis 1995 polnischer Außenminister.
Leben und Beruf
In seinen jungen Jahren war Olechowski künstlerischer Leiter der polnischen Rockband Trzy Korony. Er arbeitete als Radiomoderator und Musikredakteur des öffentlich-rechtlichen Musiksenders Polskie Radio 3.[1] Anschließend studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Szkoła Główna Handlowa w Warszawie. Er schloss das Studium 1979 mit der Arbeit „Niestabilność eksportu i jej rozmiary – badanie dla krajów europejskich w latach 1960–1974“ als Ph.D. ab.[2] Von 1973 bis 1978 und von 1984 arbeitete er bei der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf. In der Zeit dazwischen war er beim polnischen „Institut für Außenhandelszyklen und Preise“ tätig. Von 1985 bis 1987 war er bei der Weltbank. In der Zeit bei den internationalen Organisationen arbeitete er mit dem Wirtschaftsgeheimdienst zusammen. Sein Führungsoffizier war Gromosław Czempiński, der von 1993 bis 1996 Chef des zivilen Inlandsgeheimdienstes Urząd Ochrony Państwa war.[3] 1987 wurde er Abteilungsleiter im Außenhandelsministerium.
Politik
An den Gesprächen am runden Tisch nahm Olechowski auf Regierungsseite im Bereich Wirtschafts- und Sozialpolitik teil. Anschließend war er von November 1989 bis Februar 1991 Erster Vizepräsident der Zentralbank Narodowy Bank Polski. Von Februar 1991 bis Februar 1992 war er Unterstaatssekretär im Außenhandelsministerium, ehe er am 28. Februar 1992 zum Finanzminister im Kabinett von Jan Olszewski ernannt wurde. Am 7. Mai des Jahres reichte er seinen Rücktritt ein, dem der Sejm am 4. Juni zustimmte. Am selben Tag übergab Innenminister Antoni Macierewicz dem Ältestenrat des Sejms eine Liste angeblicher ehemaliger Mitarbeiter der Geheimdienste UB und SB zur Zeit der Volksrepublik, von wo sie noch am selben Tag den Medien zugespielt wurde. Unter den Decknamen „Tener“ und „Musk“ war auf ihr auch Olechowski aufgeführt. Noch in derselben Nacht wurde mit deutlicher Mehrheit ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett Olszewski verabschiedet.[4]
Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wurde er Wirtschaftsberater von Präsident Lech Wałęsa. 1993 wurde er Vorsitzender des Bezpartyjny Blok Wspierania Reform (BBWR), der zur Unterstützung der Politik Wałęsa gegründet worden war. Bei der Parlamentswahl 1993 dessen Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, kandidierte aber selbst nicht für ein Parlamentsmandat. Nach der Wahl ging der BBWR, der 5,4 % der Stimmen erhalten hatte,[5] in die Opposition, aber Präsident Wałęsa setzte Olechowskis Berufung als polnischer Außenminister im Kabinett von Waldemar Pawlak durch. Trotz Differenzen in der Regierung und mehreren Rücktrittsandrohungen blieb er bis zum Ende der Regierung Pawlak im März 1995 im Amt. Er verließ den BBWR und gründete gemeinsam mit Czesław Bielecki die Ruch Stu und wurde Vorsitzender von deren politischen Rat. Bereits 1997 trat er von allen Ämtern innerhalb der Ruch Stu zurück, nachdem diese sich am Wahlbündnis Akcja Wyborcza Solidarność beteiligte.[6] Stattdessen unterstützte er bei der Parlamentswahl 1997 die liberale Unia Wolności.
Bei der Präsidentschaftswahl 2000 erreichte er bei der Wiederwahl von Aleksander Kwaśniewski den zweiten Platz mit 17,30 % der gültig abgegebenen Stimmen.[7] Danach war er einer der Mitbegründer der Platforma Obywatelska (PO). Er verzichtete jedoch auch 2001 auf eine Parlamentskandidatur. Bei den Selbstverwaltungswahlen 2002 kandidierte er für die PO als Stadtpräsident von Warschau. Mit 13,5 % der Stimmen erreichte er den dritten Platz hinter Lech Kaczyński und Marek Balicki und verpasste damit die Stichwahl.[8] 2004 wurde er Vorsitzender des Programmrats der PO. Er verließ die PO im Juli 2009, da er nicht mehr mit ihrem Kurs unter Donald Tusk einverstanden war.[9] 2009 gab er seine Bewerbung für die Präsidentenwahl 2010 bekannt. Im ersten Wahlgang erreichte er mit 1,44 % der Stimmen den 6. Platz unter zehn Kandidaten,[10] im zweiten Wahlgang unterstützte er den späteren Sieger Bronisław Komorowski. Vor der Parlamentswahl 2011 rief er zur Wahl der PO auf,[11] während er 2015 die Nowoczesna unterstützte.[12]
Ehrungen
- 2011 Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta[13]
Einzelnachweise
- ↑ „Andrzej Olechowski“ ( vom 4. Mai 2013 im Webarchiv archive.today) auf ludzie.wprost.pl, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ „Edukacyjna lustracja kandydatów“ ( vom 3. Juni 2010 im Internet Archive) auf edukacja.gazeta.pl, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ „Czempiński – życie nieznanego tenora“ auf www.rp.pl, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ „Lista Macierewicza podzieliła Polskę. Polityczny podział trwa do dziś“ auf wiadomosci.onet.pl, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ Ergebnis in Monitor Polski 1993, Nr. 50, S. 611.
- ↑ Krystyna Paszkiewicz: Partie i koalicje polityczne III Rzeczypospolitej, Verlag Wydawnictwo Uniwersytetu Wrocławskiego, Breslau 2000, ISBN 8322920512, S. 101–103.
- ↑ Ergebnis in Dziennik Ustaw 2000, Nr. 85, S. 4962.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ Polskie Radio, Olechowski verlässt Bürgerplattform, 3. Juli 2009
- ↑ Ergebnis in Dziennik Ustaw 2010, Nr. 113, S. 9360.
- ↑ „Andrzej Olechowski poparł Donalda Tuska“ ( vom 3. Oktober 2011 im Internet Archive) auf news.money.pl, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ „Olechowski: byłbym w depresji, gdyby PiS mógł zmieniać konstytucję“ ( vom 1. Februar 2016 im Internet Archive) auf www.tvn24.pl, abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ Verleihnachricht in Monitor Polski 2011, Nr. 78, S. 6328.