Artur Balazs
Artur Krzysztof Balazs (* 3. Januar 1952 in Ełk) ist ein polnischer Politiker (UD, SLC, AWS, SKL, SKL-RNP, PR). Er gehörte dem Sejm von 1989 bis 1993 und 1997 bis 2005 in der X. (Volksrepublik) I., III. und IV. (Dritte Republik) Wahlperiode und dem Senat der Republik Polen von 1995 bis 1997 an. Von September 1989 bis Januar 1991 und von Dezember 1991 bis Mai 1992 war er Minister ohne Geschäftsbereich sowie von März 1999 bis Oktober 2001 polnischer Landwirtschaftsminister.
Leben und Beruf
Artur Balazs, der väterlicherseits ungarischer Abstammung ist, war von 1974 bis 1976 Leiter des landwirtschaftlichen Dienstes in Wolin. Ab 1976 bewirtschaftete er einen größeren privaten Bauernhof. Er schloss 1985 sein Studium der Tierzucht an der Landwirtschaftsakademie Stettin ab. Von 1991 bis 1998 war er Vorstandsvorsitzender der Europäischen Stiftung für die Entwicklung polnischer Dörfer. Ab 2013 war er Honorarkonsul Ungarns in Stettin.[1] Im März 2022 trat er von dem Amt zurück, weil Ungarn seiner Auffassung nach den russischen Überfall auf die Ukraine rechtfertige.[2]
Politik
Von 1978 bis 1980 gehörte Balazs der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei an. 1980 war er gemeinsam mit Piotr Baumgart Gründer der Stettiner Ortsgruppe der landwirtschaftlichen Abteilung der Solidarność, deren Führung er angehörte. Nach Verhängung des Kriegsrechts wurde er in Goleniów interniert und erst im Juli 1982 wieder auf freien Fuß gesetzt. Im September 1982 wurde er wegen Veröffentlichung der verbotenen Zeitschrift „Solidarność Wiejska“ erneut verhaftet. Er blieb bis Dezember 1982 in Haft. 1986 wurde er Vorstandsmitglied des Provisorischen Nationalen Bauernrats der Solidarność und dort zuständig für die Zusammenarbeit der landwirtschaftlichen mit der allgemeinen Solidarność. An den Verhandlungen am Runden Tisch nahm er auf Seiten der Opposition in den Untergruppen betreffend Landwirtschaft und Gewerkschaftspluralismus sowie der Arbeitsgruppe zum Gesetz über die Bauerngewerkschaften teil.
Bei der halbfreien Wahlen zum „Vertragssejm“ 1989 konnte Balazs für das Komitet Obywatelski „Solidarność“ im Wahlkreis Stargard Szczeciński ein Mandat erringen.[3] Von September 1989 bis Januar 1991 war er Minister ohne Geschäftsbereich im Kabinett von Tadeusz Mazowiecki. Nachdem er 1990/91 Mitglied der Unia Demokratyczna gewesen war, beteiligte er sich an der Gründung der PSL „Solidarność“ (später: Stronnictwo Ludowo-Chrześcijańskie (SLC)) und wurde deren Vorsitzender. Bei der ersten vollständig freien Parlamentswahl 1991 wurde er als Mitglied der PSL „Solidarność“ für die bäuerliche Liste Porozumienie Ludowe in den Sejm gewählt.[4] Zunächst gehörte er der Fraktion der PSL „Solidarność“ an, die sich nicht an der Fraktion der Porozumienie Ludowe beteiligt hatte. Im Kabinett von Jan Olszewski war er von Dezember 1991 bis Mai 1992 erneut Minister ohne Geschäftsbereich. Ab Oktober 1992 war er Mitglied der Fraktion Konwencja Polska, an der sich seine Partei beteiligt hatte.[5] Bei der Parlamentswahl 1993 kandidierte er für seine Partei im Rahmen des neuen Wahlbündnisses Katolicki Komitet Wyborczy „Ojczyzna“. Mit 6,4 % der Stimmen scheiterte das Bündnis an der für Wahlbündnisse geltenden 8-%-Hürde.[6] Balazs schied daher aus dem Sejm aus. Bei einer Nachwahl zum Senat der Republik Polen wurde er am 1. Oktober 1995 als Nachfolger des zurückgetretenen Bodo Engling für den Wahlkreis Stettin zum Senator gewählt.[7] 1997 initiierte er gemeinsam mit Aleksander Hall die Gründung Stronnictwo Konserwatywno-Ludowe (SKL) zu der sich die SLC mit anderen konservativen Parteien vereinigte. Mit der SKL beteiligte er sich am Wahlbündnis Akcja Wyborcza Solidarność (AWS) und wurde bei der Parlamentswahl 1997 wieder in den Sejm gewählt.[8] Von März 1999 bis Oktober 2001 war er im Kabinett von Jerzy Buzek polnischer Landwirtschaftsminister.
Aufgrund des Wahlbündnisses mit der Platforma Obywatelska (PO) bei der Parlamentswahl 2001 gehörte er zu den 22 Mitgliedern der SKL in der vierten Wahlperiode des Sejm.[9] Im Januar 2002 wurde er Vorsitzender der SKL-Abspaltung Stronnictwo Konserwatywno-Ludowe – Ruch Nowej Polski und blieb dies bis zu deren Auflösung im Dezember 2003. Bei der Parlamentswahl 2005 kandidierte er nicht und schied aus dem Sejm aus. 2006 wurde er Berater der Samoobrona und war für diese an den Koalitionsverhandlungen mit der Prawo i Sprawiedliwość (PiS) beteiligt.[10] 2007 reaktivierte er die SKL und war bis Ende 2009 deren Parteivorsitzender. Bei der Präsidentschaftswahl 2010 unterstützte er mit der SKL die Kandidatur von Bronisław Komorowski (PO). 2011 kandidierte mit seinem eigenen Wahlkomitee zum Senat und wurde dabei von der PiS unterstützt. Mit 22,4 % der Stimmen belegte er joch nur den dritten Platz.[11] 2014 brachte er die von ihm erneut reaktivierte SKL in die Polska Razem von Jarosław Gowin ein. Gleichwohl unterstützte er bei der Präsidentschaftswahl 2015 erneut Bronisław Komorowski.[12] Bei der Präsidentschaftswahl 2020 sprach er sich hingegen für Władysław Kosiniak-Kamysz (PSL) aus.[13]
Auszeichnungen
- 2005 Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta[14]
- 2012 Krzyż Wolności i Solidarności[15]
Zudem wurde er 1996 zum Ehrenbürger der gmina wiejska Mszana Dolna[16] und 2004 von Golczewo.[17]
Weblinks
- Biografie von Ireneusz Niewiarowski auf der Website des Sejm
- „MOJE ŻYCIE“ auf www.niewiarowski.pl
Einzelnachweise
- ↑ Nachricht auf www.konsulat.szczecin.pl, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ „Artur Balazs, konsul honorowy Węgier w Polsce rezygnuje z funkcji“ auf radioszczecin.pl, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Ergebnis in Monitor Polski 1989, Nr. 21, S. 310.
- ↑ Ergebnis in Monitor Polski 1991, Nr. 41, S. 465.
- ↑ „KLUB PARLAMENTARNY KONWENCJA POLSKA“ auf der Seite des Sejm, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Ergebnis in Monitor Polski 1993, Nr. 50, S. 610.
- ↑ Ergebnis in Monitor Polski 1995, Nr. 50, S. 902.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ „Były minister Artur Balazs negocjatorem Leppera“ auf wiadomosci.gazeta.pl, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ „»Komorowski jest bardziej samodzielny niż Duda«. Balazs poprze urzędującego prezydenta“ auf www.tvp.info, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ „Duda i Kosiniak-Kamysz w drugiej turze to najszczęśliwszy dla Polski scenariusz“ auf radioszczecin.pl, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Verleihnachricht in Monitor Polski, 2005, Nr. 6, S. 598.
- ↑ Verleihnachricht in Monitor Polski, 2012, S. 549.
- ↑ „Honorowi Obywatele Gminy“ auf www.mszana.pl, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ „Honorowy Obywatel Gminy Golczewo“ auf golczewo.pl, abgerufen am 25. November 2025.