Anastasios Mavromichalis
Anastasios Mavromichalis (griechisch Αναστάσιος Μαυρομιχάλης; * 1798, 1799 oder 1802 in Mani; † 1870 in Athen)[1] war ein griechischer Freiheitskämpfer der Griechischen Revolution,[1] Politiker und später Adjutant von König Otto.[2]
Frühes Leben
Anastasios Mavromichalis war der zweite[3] Sohn von Petros Mavromichalis (Petrobey) und Fotini Dimitrakakou[4].[2] Er hatte fünf Geschwister: Ilias, Georgios, Ioannis, Dimitrios und Maria.[4]
Im Jahr 1818 wurde als Geisel nach Konstantinopel gebracht und trat dort im November[5] des Jahres dem Geheimbund Filiki Eteria bei.[2] In Konstantinopel sorgte Patriarch Gregor V. für seine Sicherheit und Bildung.[5]
Kurz vor dem Beginn der Revolution zog es Anastasios wieder in seine Heimat Mani.[2] Zu jener Zeit hatten die führenden Persönlichkeiten des Peloponnes, die sogenannten Prokritoi, nach der geheimen Konferenz von Vostitsa im Januar 1821 zwar bereits vom geplanten Aufstand erfahren, doch einige von ihnen, unter ihnen auch Anastasios, folgten trotzdem einer Vorladung der osmanischen Behörden nach Tripolitsa. Sein Vater Petrobey war eigentlich selbst dazu aufgefordert worden, ließ jedoch seinen Sohn an seiner Stelle gehen.[6][7] Germanos von Patras berichtet in seinen Erinnerungen, dass man mit diesem Schritt den Osmanen Misstrauen nehmen und Zeit gewinnen wollte.[6] Die Osmanen waren misstrauisch, weil Petros Mavromichalis den Befehlen, Kolokotronis und Papaflessas zu verhaften, nicht nachgekommen war. Dennoch gelang es Anastasios die Verdachtsmomente der Osmanen in Tripolitsa zu zerstreuen.[8]
Außerdem heiratete Anastasios Mavromichalis Chrysiida Pagonis[9], die Schwester von Georgios Pagonis, einem engen Verbündeten der Familie Mavromichalis.[10]
Beteiligung an der Griechischen Revolution
Mit der Einnahme von Tripoli im September 1821 wurde er befreit und kehrte nach Mani zurück.[2] Nach einer anderen Angabe war er jedoch bereits an der Belagerung von Monemvasia beteiligt und verließ die Region am 23. Juli 1821.[7]
Während der ägyptischen Expedition Ibrahim Paschas im Jahr 1825 trat Anastasios Mavromichalis als Kommandant eines eigenen Kontingents von etwa 300 Manioten hervor. Er beteiligte sich an den Kämpfen in Messenien, unterstützte die Giatrakos bei Vounaria und nahm an Gefechten bei Longa und Haikali (Ahladochori) teil. Nach den Angriffen ägyptischer Truppen auf die griechischen Posten bei Grizi und Militsa am 18./19. Februar zog er sich mit anderen Einheiten nach Longa zurück, wo er seine Kräfte mit weiteren Partisanenführern vereinigte. Für sein Auftreten gegen die ägyptischen Truppen erhielt er Lob von seinen Zeitgenossen. Auf Antrag der lokalen Verwaltung (Eparchio (επαρχείο)) übernahm er zeitweise die Aufrechterhaltung der Ordnung in Kalamata.[7]
In der Schlacht bei Verga am 22./23. Juni 1826 führte er gemeinsam mit seinen Vettern Elias Katsakos- und Nikolaos Pierakos-Mavromichalis den östlichen Frontabschnitt. Nach der ägyptischen Landung bei Diro zog er mit rund 1000 Kämpfern in den Süden, um den Widerstand dort zu organisieren. Er gehörte zu den Unterzeichnern der offiziellen Berichte über den erfolgreichen Widerstand der Manioten. Zeitgenössische wie spätere Darstellungen nennen ihn einen der Hauptkommandanten der Manioten in dieser Schlacht.[7]
Nach dem Ende der ägyptischen Invasion blieb Anastasios Mavromichalis in die inneren Auseinandersetzungen der Mani verwickelt.[7]
1828 beantragte Anastasios Mavromichalis beim Gouverneur Ioannis Kapodistrias finanzielle Unterstützung mit der Begründung, er habe während seiner Geiselnahme in Tripolitsa 1821 schwere Entbehrungen erlitten und miterleben müssen, wie vier seiner Diener von den Osmanen getötet wurden.[7] Im selben Jahr (1828) trat er gemeinsam mit seinem Bruder Georgios und Mourtzinos trotz Verbots von der Regierung in der östlichen Region von Sparta auf um die dortigen Unruhen zu schlichten und geriet dabei in Konflikt mit Tzanetakis Grigorakis, wodurch Versuche der Regierung, lokale Fehden zu beenden, behindert wurden.[7]
Entgegen ausdrücklichen Verboten erschienen sie dort und trugen damit zur Verschärfung der Konflikte bei. Gleichzeitig wurde Anastasios vorgeworfen, Einnahmen aus Zöllen und Abgaben in Höhe von 24.250 Groschen zurückbehalten zu haben, wofür er später Rechtfertigungen gegenüber der Regierung abgab.[11]
Nach der Aufdeckung einer Verschwörung im Juni 1829, die gegen Konstantinos und andere Mitglieder der Familie gerichtet war, spielte Anastasios ebenfalls eine Rolle. In Briefen an die Verwandten Petros und Georgios Mavromichalis versuchte er zusammen mit Konstantinos, das Ereignis propagandistisch aufzubringen, die Loyalität der Manioten zu sichern und die politischen Gegner, insbesondere Mourtzinos, Tzanetos Grigorakis und Ioannis Genovelis, als Urheber der Verschwörung darzustellen.[11]
Im Herbst 1829 vermittelte er gemeinsam mit Konstantinos die Annahme eines von der Regierung eingesetzten neuen Zollbeamten in Limeni, nachdem der Druck aus Nauplion gestiegen war. Im Sommer 1831 schließlich schloss er sich nach dem Eintreffen hydriotischer Schiffe offen der Opposition gegen Kapodistrias an. Unter ihrem Schutz beteiligte er sich an der Einnahme von Almyro und der Plünderung von Kalamata am 2.–3. September 1831, bevor französische Truppen eingriffen und die Aufständischen zum Rückzug zwangen.[11]
Nach dem Attentat auf Ioannis Kapodistrias und während der Regierung von Augustinos Kapodistrias setzte sich Anastasios gegen die Verfolgungen seiner Familie ein.[2]
Nach der Griechischen Revolution
Nach der Verlegung der Hauptstadt im Jahr 1834 lebte die Familie in Athen; um 1850 errichtete er gemeinsam mit seinem Bruder Dimitrios ein Haus an der Kreuzung Panepistimiou-/Charilaou-Trikoupi-Straße.[5]
Später trat er in die Armee ein und stieg bis zum Rang eines Generalmajors auf.[2] Nach einer anderen Angabe trat er hingegen in die Marine ein und erreichte dort den Rang eines Vizeadmirals oder Admirals[9].[3]
In den Kreisen des Hofes König Ottos und Königin Amalia war seine Familie eng eingebunden, seine Frau Chrysiida wirkte dort als Hofdame.[5] Er selbst diente als Adjutant von König Otto und war 1843 Staatsrat.[12][2]
In den Jahren 1844 und 1847 wurde er als Abgeordneter von Itylo gewählt.[2][3] Im Jahr 1845 trat Anastasios Mavromichalis in Athen im Zusammenhang mit einem Tumult vor dem Parlament in Erscheinung, als er zusammen mit den Generälen Grivas und Kriezotis versuchte, trotz Sperrung den Zugang zum Sitzungssaal zu erzwingen.[13] 1846 trat er im Parlament auf, als er als Abgeordneter eine Rede hielt und er sich gemeinsam mit seinem Vater von einem Gewaltexzess gegen den Abgeordneten Lysandros Vilaetis distanzierte.[5]
1847 geriet er in die Schlagzeilen, als er sich weigerte, einen in Mani versteckten, zum Tode verurteilten Verbrecher den Behörden zu übergeben, was zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Familie Mavromichalis und Regierungstruppen führte.[14] Im Jahr 1850 geriet Anastasios Mavromichalis im Zuge der Ermordung des Ministers Nikolaos Korfiotakis in den Fokus der Öffentlichkeit. Mehrere Verwandte von Mavromichalis wurden als mögliche Mitwisser oder Beteiligte verfolgt. Er selbst versuchte mit Eingaben an Königin Amalia in Nafplio sowie öffentlichen Stellungnahmen, die Unschuld seiner Familie zu betonen.[15] Kurz darauf wurde er der „moralischen Mitschuld“ angeklagt, 1851 jedoch freigesprochen.[16]
Von 1850 bis 1861 war Anastasios Mavromichalis Mitglied des Senats. Weiterhin war er in den Regierungen von Kountouriotis und Kanaris für die Leitung des Bildungsministeriums und das Militärministeriums verantwortlich.[2][3] Im Jahr 1850 wurde er zudem Mitglied der Φιλεκπαιδευτική Εταιρεία (Arsakeio).[3]
Ein von Anastasios Mavromichalis, Tzanetakis Grigorakis und Christos Chatzipetrou im Jahr 1863 ausgestelltes Zeugnis bestätigt, dass Ioannis Chionakis gemeinsam mit einem Hydrioten zu den ersten gehörte, die in die Festung von Tripoli eindrangen und das Nauplia-Tor öffneten.[7]
Er starb 1870 in Athen und hinterließ seine vier Kinder: Fotini, Giannoukos, Konstantinos und Petros.[2]
Er wurde im Familiengrab auf dem Ersten Athener Friedhof bestattet.[5]
Einzelnachweise
- ↑ a b Μαυρομιχάλης Αναστάσιος. [Mavromichalis Anastasios]. In: Πανδέκτης. Ίδρυμα Νεοελληνικών Ερευνών/EIE/NHRF, abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch).
- ↑ a b c d e f g h i j k Αναστάσιος Μαυρομιχάλης. [Anastasios Mavromichalis]. In: hellenicaworld. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch, basiert auf: Σύγχρονος Εγκυκλοπαίδεια Ελευθερουδάκη,τόμος 17ος,σελ 231 (1928)).
- ↑ a b c d e Μέλη τής Φιλεκπαιδευτικής Εταιρείας που αγωνίστηκαν για την ελευθερία τής Ελλάδας. [Mitglieder des Arsakeio, die für die Freiheit Griechenlands gekämpft haben]. In: history.arsakeio.gr. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch).
- ↑ a b Ioanna Mitsi: Πετρόμπεης Μαυρομιχάλης: Οπλαρχηγός, πολιτικός, ήρωας. [Petrobey Mavromichalis: Kämpfer, Politiker, Held]. In: OffLine Post. 3. Dezember 2020, abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch).
- ↑ a b c d e f Φωτεινή Μαυρομιχάλη – Η νεράιδα εγγονή του Πετρόμπεη. [Fotini Mavromichali – Die märchenhafte Enkelin von Petrobey]. In: Κυθηραϊκά. 5. April 2025, abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch).
- ↑ a b Vas. G. Papageorgiou: Τα ιστορικά γεγονότα των Καλαβρύτων και η έναρξις της Επαναστάσεως του 1821. [Die historischen Ereignisse von Kalavryta und der Beginn der Revolution von 1821]. Χαρ. & Ιω. Καϊάφα, Patras & Athen, S. 14 (griechisch, ekt.gr [PDF]).
- ↑ a b c d e f g h Stavros G. Kapetanakis: «Οι Μανιάτες στην Επανάσταση του 1821». [Die Manioten in der Revolution von 1821]. In: ΛΑΚΩΝΙΚΑΙ ΣΠΟΥΔΑΙ – Περιοδικόν Σύγγραμμα Εταιρείας Λακωνικών Σπουδών. Nr. 18. Εταιρεία Λακωνικών Σπουδών, Athen 2015, S. 231, 412, 499, 661–667, 674, 794, 810 (griechisch, etlasp.gr [PDF]).
- ↑ Michalis Stoukas: Η κήρυξη της Επανάστασης στη Μάνη (17 Μαρτίου 1821) και η απελευθέρωση της Καλαμάτας (23 Μαρτίου 1821). [Die Ausrufung der Revolution in Mani (17. März 1821) und die Befreiung von Kalamata (23. März 1821)]. In: ΝΕΟΣ ΚΟΣΜΟΣ. 17. März 2024, abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch).
- ↑ a b Georgios Kotzaeridis: Oι ήρωες του 1821. [Die Helden von 1821]. In: rodiaki.gr. 18. November 2021, abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch).
- ↑ Georgios Karampatsos: Γεράσιμος Παγώνης Αρχιεπίσκοπος Αργολίδος (1790 – 1867) – Η δράση του μέχρι την ανάδειξή του ως Μητροπολίτη Αργολίδος | Γεώργιος Καραμπάτσος – Η’ Διεθνές Επιστημονικό Συνέδριο για τα 200 χρόνια από την Ελληνική Επανάσταση: δ. Γραμματέας του Μαυρομιχάλη. [Gerasimos Pagonis, Erzbischof von Argolis (1790–1867) – Sein Wirken bis zu seiner Ernennung zum Metropoliten von Argolis | Georgios Karabatsos – 8. Internationaler Wissenschaftlicher Kongress zum 200-jährigen Jubiläum der Griechischen Revolution: d. Sekretär von Mavromichalis]. In: argolikivivliothiki.gr. 6. April 2020, abgerufen am 1. Oktober 2025 (griechisch).
- ↑ a b c Christos K. Loukos: Ο Κυβερνήτης Ιω. Καποδίστριας και οι Μαυρομιχαλαίοι. [Der Gouverneur Io. Kapodistrias und die Mavromichalis]. In: Μνήμων. Band 4, 22. Oktober 2013, ISSN 2241-7524, S. 9–25, 45–62, doi:10.12681/mnimon.178 (griechisch, ekt.gr [abgerufen am 1. Oktober 2025]).
- ↑ Griechenland. In: Nürnberger Zeitung. Nr. 316. Tümmel, Nürnberg 12. November 1843, S. 543 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Griechenland. In: Neue Würzburger Zeitung : Würzburger Abend-Zeitung ; Würzburger Anzeiger und Handelsblatt. Nr. 4. Huhn, Würzburg 4. Januar 1845, S. 42 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Consommé. Politisches und Nichtpolitisches. In: Bayerische Landbötin. Nr. 89. Rösl, München 27. Juli 1847, S. 726 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Ausland. In: Kemptner Zeitung. Nr. 280. Dannheimer, Kempten 7. Oktober 1850, S. 1118 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Griechenland. In: Bayreuther Zeitung. Nr. 318. Giessel, Bayreuth 16. November 1851, S. 1187 (digitale-sammlungen.de).