Konstantinos Mavromichalis
Konstantinos Mavromichalis (griechisch Κωνσταντίνος Μαυρομιχάλης; * 1797 in Mani; † 27. September 1831 in Nafplio)[2] war ein griechischer Freiheitskämpfer, Pirat[3] und Politiker[4] der Griechischen Revolution.[2]
Bekannt wurde er vor allem durch seine Beteiligung an der Ermordung des ersten Staatsführers des unabhängigen Hellenischen Staates, Ioannis Kapodistrias.[2]
Frühes Leben
Konstantinos Mavromichalis war der jüngste[4] Sohn von Pierros Mavromichalis und Aikaterini Koutsogrigoraki sowie der jüngere Bruder von Petrobey.[2][4]
Im Jahr 1818 wurde er durch Kyriakos Kamarinos[4] in die Filiki Eteria eingeweiht.[2][4]
Als Bruder von Petrobey war er auch als Konstantibey bekannt.[4]
Beteiligung an der Griechischen Revolution
Im ersten Jahr des Aufstands übernahm er neben der Teilnahme an vielen Schlachten auf dem Peloponnes auch die Leitung der Belagerung von Nafplio. Am 5. Juli[5] 1822 kämpfte er in Argos gegen den Feldzug Dramalis.[2] Er kämpfte ebenfalls in der Schlacht von Valtetsi und gegen Ibrahim Pascha in Lerna, Verga sowie bei Polyavros.[4] Besonders bedeutend war sein Beitrag zum siegreichen Ausgang der Schlacht bei den Mühlen von Nafplio im Juni 1825.[2]
Er war außerdem Reeder, in piratischen Unternehmungen aktiv und amtierte als Gouverneur von Kalamata.[3]
An den Nationalversammlungen nahm er als Abgeordneter der Manioten teil.[4]
Konstantinos war 1824[4] Mitglied der fünfköpfigen Exekutive unter Ioannis Kolettis und Georgios Koundouriotis.[6][7] Die Berufung erfolgte nach dem Tod des früheren Amtsinhabers, um einen vakanten Posten zu besetzen.[7] Während der Regierung von Kapodistrias wurde er wegen Piraterie verurteilt.[8]
Attentat auf Kapodistrias
Hintergrund
Die Spannungen zwischen seiner Familie und Ioannis Kapodistrias, dem ersten Gouverneur des neu gegründeten griechischen Staates, nahmen zu: Kapodistrias strebte nach einem stark zentralisierten Staat, während die Mavromichalis an regionaler Autonomie hingen. Nachdem Petrobey wegen Hochverrats verhaftet worden war, reisten Konstantinos und sein Neffe Georgios nach Nafplio. Dort standen sie zunächst unter polizeilicher Aufsicht, konnten aber deren Bewacher schließlich zu ihren Gunsten gewinnen.[9] Gemeinsam mit dem Polizeichef Karagiannis, der ihre Überwachung leitete, planten sie anschließend das Attentat, dessen Anlass die Inhaftierung Petrobeys war[6].[4]
Ausführung und Folgen
Am Sonntag, dem 27. September 1831,[10] zwischen 5.50 und 6 Uhr,[10][11] begab sich Ioannis Kapodistrias wie gewohnt zur Kirche des Heiligen Spyridon in Nafplio, begleitet von Leibwächtern, die der Familie Mavromichalis verbunden waren.[10]
Konstantinos und Georgios standen vor der Kirche, ohne sie zu betreten; Konstantinos blickte nach draußen, Georgios nach innen.[11] Vor dem Eingang traf Kapodistrias auf Konstantinos und Georgios Mavromichalis, die den Anschein erweckten, ihn grüßen zu wollen.[10][12] Kapodistrias zögerte kurz, setzte jedoch seinen Weg fort.[10] Konstantinos Mavromichalis schoss kurz darauf auf Kapodistrias aus kurzer[13] Distanz, als dieser in die Kirche eintreten wollte und verfehlte ihn. Darauf griff er zum Messer und stach ihm in den Magen; Georgios stach ihm tödlich[4] ins Herz.[14] Einer anderen Angabe nach schoss ihm Konstantinos in den Kopf,[15] hinter das rechte Ohr,[11] und Georgios stach ihm in den Magen.[15] Kapodistrias fiel vor dem Eingang zur Kirche und starb.[15] Der einarmige[15] kretische Leibwächter von Kapodistrias, Georgios Kozonis[4] (oder Georgios Kokkonis)[15], schoss schließlich auf Konstantinos und verwundete ihn am Rücken[16].[4] Schwer verletzt wurde dieser festgenommen und von der aufgebrachten Menge eine halbe[15] Stunde lang gelyncht.[4] General Christos Fotomaras, der das Geschehen aus seinem Haus beobachtete, gab aus dem Fenster einen Schuss ab und tötete ihn schließlich.[4] Nach Angaben der Basler Zeitung heißt es jedoch: „Konstantin wurde unmittelbar von der Garde des Präsidenten getötet.“[17]
Die Menschenmenge schleifte den an den Füßen gefesselten[18] Leichnam Konstantinos lärmend durch die Straßen.[15] Einer zeitgenössischen Angabe zufolge war er dabei noch am Leben und entkleidet.[18][19] Zunächst wurde er auf den Schindanger geworfen,[18] später von Lastenträgern abgeholt und von einem Felsen an der Küste ins Meer gestürzt,[15][19] wo der Leichnam mehrere Tage lag, bis er anonym geborgen wurde.[15]
Der Komplize Georgios fand zunächst Asyl in der französischen Botschaft. Im anschließenden Prozess wurde er zum Tode verurteilt und schließlich in Gegenwart seines inhaftierten Vaters von einem Erschießungskommando hingerichtet.[14]
Der zeitgenössische Schweizer Philhellene Jean-Gabriel Eynard schrieb zum Attentat: „Wer Kapodistrias ermordete, ermordete sein Heimatland. Sein Tod ist eine Katastrophe für Griechenland und ein Unglück für Europa.“[20]
Das Attentat führte zu einer Phase der Instabilität in Griechenland und traf die Bevölkerung schwer.[21][15][13] Die Großmächte entschieden daraufhin, einen ausländischen Monarchen zum Staatsoberhaupt zu ernennen, und bestimmten schließlich Otto von Bayern.[21] Die Fünfte Nationalversammlung in Nafplio wählte für die Übergangszeit Augustinos Kapodistrias, den Bruder von Ioannis Kapodistrias, zum Staatsoberhaupt.[22]
Einzelnachweise
- ↑ April Kalogeropoulos Householder: Bouboulina and the Greek Revolution: Interdisciplinary Perspectives on the Heroine of 1821. Bloomsbury Publishing PLC, 2023, ISBN 978-1-66691-766-6, S. 166 (englisch, google.de [abgerufen am 28. September 2025]).
- ↑ a b c d e f g Μαυρομιχάλης Κωνσταντίνος (Μάνη 1797; – Ναύπλιο 1831). [Mavromichalis Konstantinos (Mani 1797? – Nafplio 1831)]. In: ΑΡΓΟΛΙΚΗ ΑΡΧΕΙΑΚΗ ΒΙΒΛΙΟΘΗΚΗ ΙΣΤΟΡΙΑΣ ΚΑΙ ΠΟΛΙΤΙΣΜΟΥ. 17. August 2010, abgerufen am 28. September 2025 (griechisch).
- ↑ a b Apostolos Delis: A Hub of Piracy in the Aegean: Syros during the Greek War of Independence. S. 46 (englisch, academia.edu [abgerufen am 28. September 2025]).
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o Κωνσταντίνος Μαυρομιχάλης: Ο αγωνιστής αλλά και δολοφόνος του Καποδίστρια. [Konstantinos Mavromichalis: Der Kämpfer und Mörder von Kapodistrias]. In: Σαν Σήμερα.gr. Abgerufen am 28. September 2025 (griechisch).
- ↑ Apostolos E. Vakalopoulos: Πειρατεία σε βάρος μοναχών της μονής Χελανδαρίου στη Νότια Ελλάδα τον Ιούλιο του 1822. [Piraterie gegen Mönche des Klosters Chelandari in Südgriechenland im Juli 1822]. In: Μακεδονικά. Band 28, 1. Januar 1992, ISSN 2241-2018, doi:10.12681/makedonika.131 (griechisch, ekt.gr [abgerufen am 28. September 2025]).
- ↑ a b Gerhard Grimm: Mavromichalis, Petros. In: Mathias Bernath / Felix von Schroeder (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Band 3. München 1979, S. 129 f. (ios-regensburg.de).
- ↑ a b William Henry Humphrey: A picture of Greece in 1825. Band 2. HENRY COLBORN, London 1826, S. 290 (englisch, lordbyron.org).
- ↑ Maria Christina Chatzioannou / Gelina Harlafti: Griechische Freibeuter und Piraten im Zeitalter der Aufklärung. In: Hartmut Roder (Hrsg.): Piraten: Abenteuer oder Bedrohung. S. 160 (cloudfront.net [PDF]).
- ↑ The Modern Greek State: 1827-1862 – A Bad Start: Ioannis Capodistrias. In: History is Now. 18. Juli 2021, abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b c d e Lefteris Sigalos: Constructions of Greek Past: Identity and Historical Consciousness from Antiquity to the Present. Hrsg.: Hero Hokwerda. BRILL, 2021, ISBN 978-90-04-49546-3, S. 217 (englisch, google.de [abgerufen am 28. September 2025]).
- ↑ a b c The murder of Kapodistrias - Who were the real perpetrators? 30. April 2021, abgerufen am 29. September 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Duncan Howitt-Marshall: The Assassination of Ioannis Kapodistrias. In: Greece Is. 27. September 2021, abgerufen am 29. September 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ a b Pandelis Toumbelekis: JOHN KAPODISTRIAS. In: Greek Orthodox Christian Society. Abgerufen am 28. September 2025 (australisches Englisch).
- ↑ a b Wolf Klingler: Heute am 22. Oktober... 10. November 2020, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ a b c d e f g h i j SP. DE BIAGGI: Italian Philhellenes: Giuseppe Regaldi. In: KOSMOS ILLUSTRATED MAGAZINE PUBLISHED EVERY FORTNIGHT. Nr. 96, 15. Dezember 1912 (englisch, gpoulimenos.info [PDF]).
- ↑ Famagusta News Team: Foreign Office files on Kapodistrias' murder remain top secret. In: en.famagusta.news. 10. November 2019, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
- ↑ Griechenland. In: Basler Zeitung. Nr. 151. Neukirch, Basel 3. November 1831, S. 728 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ a b c Griechenland. In: Münchener politische Zeitung : mit allerhöchstem Privilegium. Nr. 281. Wolf, München 12. November 1831, S. 2056 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ a b Tagebuch einer Reise nach Griechenland. Von Thiersch. (Fortsetzung.). In: Morgenblatt für gebildete Stände. Nr. 308, 26. Dezember 1831, S. 1230 (digitale-sammlungen.de).
- ↑ Philip Chrysopoulos: The Assassination of Kapodistrias, the First Leader of Modern Greece. 28. September 2025, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
- ↑ a b Damian Mac Con Uladh: 12 people who ruined Greece: Konstantis and Georgios Mavromichalis (died 1831). 5. Juli 2015, abgerufen am 28. September 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Constitutional History: The Governor Ioannis Capodistrias (1828 – 1832). In: hellenicparliament.gr. Archiviert vom am 5. Januar 2025; abgerufen am 28. September 2025 (englisch).