Amalia (Schiff, 1861)
| Hellas, wahrscheinlich am 17. November 1869 in Port Said bei der Eröffnung des Suezkanals
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Amalia (griechisch Αμαλία) war eine Dampffregatte der griechischen Marine und das zweite Schiff, das nach der griechischen Königin Amalie von Oldenburg benannt wurde.
Geschichte
1859 bestellte das Königreich Griechenland bei der Northfleet Dockyard in Northfleet eine Dampffregatte. Die Kiellegung erfolgte 1859 und zwei Jahre später lief sie unter dem Namen Amalia vom Stapel. Der 61,01 m lange Rumpf war aus Holz konstruiert. Der Dreimaster war als Vollschiff getakelt und der Propeller wurde von einer Dampfmaschine mit einer nominellen Leistung von 300 PS und einer Indizierten Leistung von 1500 PSi angetrieben. Unter Dampf erreichte sie eine Geschwindigkeit von 9 kn. Sie wurde mit zwei 24 cm- und 24 16 cm-Paixhans-Mörser, die 1852 ursprünglich für Pringips Maximilianos angeschafft worden waren, ausgestattet.[1] Das Postschiff Pringips Maximilianos hatte man im Oktober 1841, nachdem die Dampfmaschinen unbrauchbar waren, außer Dienst gestellt und fünf Jahre später aus dem Schiffsregister gestrichen.[2] 1852 plante man anscheinend es in ein Kriegsschiff umzuwandeln und kaufte die Geschütze mit denen die Amalia ausgestattet wurde.[1]
Nach der Übernahme der Amalia überführte sie Korvettenkapitän Leonidas Palaskas nach Griechenland. Am 1. Februarjul. / 13. Februar 1862greg. kam es unter der Besatzung der Stadt Nafplio zu einem Aufstand gegen den griechischen König Otto. Bei der anschließenden Belagerung der Stadt war die Amalia bei der Blockade des Hafens erstmals zum Einsatz. Dort wurde sie abberufen und nach Kythnos entsendet und beteiligte sich dort am 1. Februarjul. / 13. Februar 1862greg. an der Niederschlagung syrotischer Rebellen, die in Agia Irini politische Gefangene befreien wollten.[3] Nach Nafplio zurückgekehrt unterstützte sie am 8. Apriljul. / 20. April 1862greg. die Rückeroberung der Stadt.[1] Am 1. Oktoberjul. / 13. Oktober 1862greg. bestiegen König Otto und seine Frau Amalie in Piräus die Amalia und unternahmen eine Fahrt über Hydra und Spetses nach Gythio. Als sie zu Pferd in Lakonien unterwegs waren, kam es in verschiedenen Teilen des Königreichs zu Aufständen. Als Otto und sein Gefolge sich gerade in der Mani befanden, erhielten sie Nachricht darüber und begaben sich sofort nach Kalamata, von wo sie mit der Amalia am 11. Oktoberjul. / 23. Oktober 1862greg. nach Piräus zurückkehrten. Bevor man in den Hafen einfuhr kam ein französischer Admiral in einem Ruderboot an Bord. Dieser überbrachte die Nachricht über die Absetzung von König Otto. Weitere internationale Diplomaten folgten. Schließlich wurde der Kapitän der Amalia von der neuen provisorischen Regierung aufgefordert das Kommando über das Schiff an Kapitän Sachtouis zu übergeben. Kapitän Palaskas weigerte sich diesen Befehl auszuführen. Weil man fürchtete die Mannschaft könnte meutern und den König töten wurde er und Amalie vom englischen Schiff HMS Scylla, aufgenommen, das sie in Begleitung der französischen Biche ins Exil brachte. Leonidas Palaskas begleitete sie und kehrte erst 1866 nach Griechenland zurück.[4]
Das Dampfschiff wurde bald in Hellas (griechisch Ελλάς = Griechenland) umbenannt. Der neue griechische König Georg I. wurde am 10. Oktoberjul. / 22. Oktober 1863greg. in Toulon an Bord genommen und erreichte am 18. Oktoberjul. / 30. Oktober 1863greg. Piräus. Das Schiff reiste zu den Feierlichkeiten am 9. Maijul. / 21. Mai 1864greg. anlässlich der Übergabe der Insel Korfu des Vereinigten Königreichs an Griechenland. Die zukünftige griechische Königin Olga wurde im November 1867 von Brindisi nach Piräus gebracht.[5]
Als 1866 die kretische Revolution ausbrach, konnten die osmanischen Kriegsschiffe unbehelligt die griechischen Gewässer befahren und eine Seeblockade um die Insel Kreta aufbauen, da Griechenland mit der Hellas nur ein einziges modernes Dampfschiff besaß. Da Griechenland zusätzlich noch zur Neutralität verpflichtet wurde, konnte es nur heimlich die Versorgung Kretas durch die Insel Syros unterstützen. Man kaufte 1867 auch zwei ehemalige Blockadebrecher der Konföderierte Staaten von Amerika an, die Bouboulina und die Amphitriti. Ein von Syros ausgestatteter Versorgungsdampfer Enosis wurde 1868 von osmanischen Kriegsschiffen bis nach Syros verfolgt. Ein österreichisches Kanonenboot, dass sich im Hafen befand, konnte eine gewaltsame Übernahme des Dampfers verhindern. Griechenland entsendete daraufhin die Hellas um den Hafen zu verteidigen. Doch der Hafen wurde von zehn osmanischen Dampfschiffen belagert und so wurde die Hellas wieder abgezogen.[6]
Nachdem der kretische Aufstand niedergeschlagen war, wurde die Hellas nach Triest zur Generalüberholung überführt. Griechenland konnte die nötige Summe jedoch nicht aufbringen. Da das Schiff nicht mehr fahrbereit war, wurde es von dem syriotischen Blockadebrecher Kriti, der in die griechische Marine übernommen worden war zum Marinearsenal auf Poros geschleppt.[5] Erst von 1878 bis 1880 wurde das Schiff repariert und mit moderner Artillerie ausgestattet. Es wurde nun als Kreuzer klassifiziert.[7] Von 1884 bis 1885 und von 1892 bis 1905 diente es als Hauptquartier der Marinekadettenschule auf Poros. 1906 wurde es außer Dienst gestellt und 1914 abgewrackt. Ihr Holz wurde von der Marine weiter verwendet.[5]
Literatur
- Édouard Driault, Michel Lhéritier: Histoire diplomatique de la Grèce de 1821 à nos jours: Le Règne d’Othon – La Grande Idée (1830–1862). Band 2, Paris 1926, S. 487–488 (Digitalisat)
- George Finlay: A History of Greece, Band 7, London 1877, S. 273 (Digitalisat)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c K. Paisi-Paradeli: Τα ΠΛΟΙΑ του ΠΟΛΕΜΙΚΟΥ ΝΑΥΤΙΚΟΥ 1829–1999, ISBN 960-86501-1-9, S. 29
- ↑ K. Paisi-Paradeli: Τα ΠΛΟΙΑ του ΠΟΛΕΜΙΚΟΥ ΝΑΥΤΙΚΟΥ 1829–1999, ISBN 960-86501-1-9, S. 102
- ↑ KITHNOS bei e-kyklades.gr
- ↑ Wolf Seidl: Bayern in Griechenland. Süddeutscher Verlag, 1965, S. 202–206
- ↑ a b c K. Paisi-Paradeli: Τα ΠΛΟΙΑ του ΠΟΛΕΜΙΚΟΥ ΝΑΥΤΙΚΟΥ 1829–1999, ISBN 960-86501-1-9, S. 58
- ↑ Panagiotis Gerontas: Ο πρώτος συστηματικός εκσυγχρονισμός του Ελληνικού Πολεμικού Στόλου τον 19ο αιώνα (1866 – 1881) (Die erste systematische Modernisierung der griechischen Marine im 19. Jahrhundert (1866–1881) bei diplomaticpoint.com
- ↑ The Naval Annual 1887, Portsmouth 1888 S. 352 (Digitalisat).