Bouboulina (Schiff, 1864)

Bouboulina
Die Colonel Lamb
Schiffsdaten
Flagge Staaten von Amerika Konfoderierte 1863 Konföderierte Staaten von Amerika
Griechenland Griechenland
andere Schiffsnamen Ariel (1864–1865)

Colonel Lamb (1865–1867)

Schiffstyp Raddampfer
Klasse Hope-Klasse
Bauwerft Jones, Quiggin & Co., Liverpool
Baunummer 165
Stapellauf 25. Mai 1864
Verbleib 1867 explodiert und gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 85,80 m (Lüa)
85,19 m (Lpp)
Breite 10,67 m
Seitenhöhe 4,57 m
Tiefgang (max.) 2,67 m
Verdrängung 1788 t
Vermessung 1132 BRT
689 NRT
 
Besatzung 73 Mann
Maschinenanlage
Maschine 2 × Verbundmaschine
4 × Dampfkessel
Maschinen­leistung 350 PS (257 kW)
Höchst­geschwindigkeit 16 kn (30 km/h)
Propeller 2 × Schaufelrad
Takelung und Rigg
Takelung Gaffelschoner
Anzahl Masten 2
Bewaffnung ab 1867

2 × Kanone

Bouboulina (griechisch Μπουμπουλίνα) war ein Kanonenboot und das erste Schiff der griechischen Marine, das nach der griechischen Nationalheldin Laskarina Bouboulina benannt wurde. Der Raddampfer diente während des Sezessionskriegs zunächst als Blockadebrecher der Confederate States Navy unter den Namen Ariel und Colonel Lamb und wurde später vom Königreich Griechenland erworben.

Geschichte

Während des Sezessionskriegs blockierten die Nordstaaten die Häfen der Konföderierte Staaten, um sie vom Nachschub abzuschneiden. Aus diesem Grund bestellte die Konföderation ab 1863 zahlreiche schnelle, dampfbetriebene Transportschiffe, sogenannte Blockadebrecher, bei schottischen Werften, um weiterhin die Versorgung aufrechtzuerhalten. Den Kauf der Schiffe managte der Reeder George Alfred Trenholm über seine Firma Fraser, Trenholm & Company, die über eine Niederlassung in Liverpool verfügte.[1]

Einer der ersten Blockadebrecher war die Ariel, benannt nach der Frau des Kapitäns Tom Lockwood.[2] Sie lief am 25. Mai 1864 bei Jones, Quiggin & Co. in Liverpool vom Stapel und wurde am 16. September 1864 registriert. Sie durchbrach zweimal die Blockade zu dem wichtigen Versorgungshafen von Wilmington. Kurz nach dem Fall von Fort Fisher im Januar 1865 fiel auch Wilmington in die Hände der Nordstaaten. Zu Ehren von Colonel William Lamb, der das Fort zunächst tapfer verteidigt hatte, aber gegen die Übermacht der Nordstaaten nicht bestehen konnte und in Gefangenschaft geriet, wurde die Ariel in Colonel Lamb umbenannt. Sie sollte nun zur Versorgung von Galveston eingesetzt werden, war aber so groß zum Ein- und Auslaufen und wurde deshalb zurück nach Liverpool überführt.[3]

Griechenland beabsichtigte, den Aufstand kretischer Einwohner gegen die Herrschaft der Osmanen zu unterstützen, und kaufte deshalb 1867 umgehend zwei Blockadebrecher an, die Penguin und die Colonel Lamb. Der Preis der Colonel Lamb belief sich auf 11.000 Pfund Sterling. Die Schiffe wurden zu Kanonenbooten umgerüstet und in Amfitriti und Bouboulina umbenannt. Kurz vor der Überführung der Schiffe kam es jedoch am 29. November 1867 auf der Bouboulina, als sie auf dem River Mersey vor Anker lag, zu einer Explosion, wodurch sie in der Mitte durchbrach und sank. Durch diesen Vorfall wurde auch die Abfahrt der Amfitriti verzögert. Als diese schließlich 1868 Griechenland erreichte, stand der Aufstand kurz vor der Niederschlagung und die Osmanen hatten wieder größtenteils die Kontrolle über Kreta erlangt.[1]

Katastrophe

Am Freitag, den 29. November 1867, ankerte die Bouboulina vor New Ferry bei Birkenhead auf dem River Mersey. Das Schiff war mit Whitworth-Kanonen, 3 t Schwarzpulver und weiteren Rüstungsgütern beladen. Außerdem hatte man Proviant und 350 t walisische Kohle an Bord. Um 6 Uhr morgens gab der Kommandant des Schiffes, Korvettenkapitän Stamatis Sachtouris, den Befehl, die Kessel anzuheizen, da man noch am selben Tag die Fahrt nach Piräus antreten wollte. Etwa eine halbe Stunde später kam es mittschiffs zu drei kurz hintereinander vernehmbaren, starken Explosionen. Der mittlere Teil des Schiffes sank augenblicklich. Ein etwa 20 m langer Teil des Vorschiffs, in dem Schwarzpulver gelagert wurde, wurde durch die Wucht etwa 60 m weit weg befördert. Durch Schotten wurde es davor bewahrt, zu sinken. Das Heck war etwa 90 m entfernt und begann alsbald zu sinken. Durch die Explosionen kam es zu leichten Schäden in Rock Ferry, so barsten zum Beispiel Fensterscheiben an einigen Häusern.[3]

Der Dampfer Ant lag unter Dampf am Pier und der Kapitän Joseph Kay gab den Befehl abzulegen, um Überlebende zu retten. Als er sich näherte, bat ihn ein Matrose, der auf dem Vorschiff stand, Abstand zu halten, da dieser befürchtete, das Schwarzpulver könnte bald explodieren. Etwa 25–30 Seemänner und Heizer konnten mit den Beibooten der Ant gerettet werden. Auch durch Boote der Donegal, die in der Nähe vor Anker lag, wurden einige Personen gerettet.[3]

Der Kapitän, der erste Offizier Marcas Botzaris, der zweite Offizier Pantoleon Bouboulis, der dritte Offizier Nicolas Zyamados, der Schiffszahlmeister Basilios Argasterioris und der Passagier Aristides Gialussy hielten sich während der Explosion auf dem Achterdeck auf und überlebten die Katastrophe. Alle Ingenieure waren Engländer, von diesen überlebte der Chefingenieur Elliott und der vierte Ingenieur O’Hara, während der zweite Ingenieur Sharp und der dritte Ingenieur ums Leben kamen.[3] Insgesamt starben 21 Besatzungsmitglieder.[4]

Die Unglücksursache wurde nie abschließend geklärt. Zunächst vermutete man, dass der hinterste der Dampfkessel explodiert sei. Doch kurz vor 6 Uhr meldete der zweite Ingenieur, dass nur der hinterste Kessel unter 3 psi, also etwa 0,2 bar, stünde. Man hielt es für unmöglich, dass innerhalb einer halben Stunde der Druck im Kessel so ansteigen könnte, dass er bersten würde, zumal sich die Kessel, als das Schiff England erreichte, in bestem Zustand befanden. Nach einer anderen Theorie fand die Explosion im hinteren Kohlenbunker statt. Die verwendete walisische Steinkohle neigte zur übermäßigen Ausgasung von Grubengas und der Bunker musste deshalb stärker gelüftet werden, um zu verhindern, dass sich ein explosionsfähiges Gemisch bilden konnte. Ein Zeuge berichtete jedoch, dass die Ladeluken, die die einzige Möglichkeit boten, den Kohlenbunker zu belüften, am Dienstag vor der Katastrophe geschlossen waren und diese wohl auch bis zum Freitag nicht geöffnet wurden. Hätte sich in dem Bunker ein zündfähiges Gemisch gebildet, so hätte ein Funke ausgereicht, um eine Explosion herbeizuführen. Eine weitere mögliche Explosionsquelle stellte der Teil des Schwarzpulver dar, der im hinteren Teil des Schiffes gelagert wurde.[3]

Beschreibung

Die Bouboulina war baugleich mit der am 25. November 1863 vom Stapel gelaufenen Hope.[5] Sie hatte einen Rumpf aus Eisen von 85,80 m Länge und 10,67 m Breite. Sie galt als ein schnelles Dampfschiff mit wenig Tiefgang und hatte bei einer Verdrängung von 1788 t einen Tiefgang von 2,67 m. Durch die Maschinen mit einer Nennleistung von 350 PS erreichte sie eine Geschwindigkeit von 16 kn. Das Schiff hatte vier Dampfkessel und zwei Schornsteine. Der Kohlespeicher konnte 350 t Kohle fassen.[3]

Literatur

  • K. Paisi-Paradeli: Τα ΠΛΟΙΑ του ΠΟΛΕΜΙΚΟΥ ΝΑΥΤΙΚΟΥ 1829–1999, ISBN 960-86501-1-9, S. 30, 107
Commons: Bouboulina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. a b Liverpool-built Blockade Runners bei liverpool.ac.uk
  2. American side wheel steamship blockade runner Colonel Lamb 1864-1865 and Greek Bouboulina or Bubulina 1866-1867 bei warshipsresearch.blogspot.com
  3. a b c d e f Bouboulina explosion: many lives lost 1867 (ex-Colonel Lamb) bei liverpool.ac.uk
  4. K. Paisi-Paradeli: Τα ΠΛΟΙΑ του ΠΟΛΕΜΙΚΟΥ ΝΑΥΤΙΚΟΥ 1829–1999, ISBN 960-86501-1-9, S. 107
  5. Hope bei history.navy.mil

Koordinaten: 53° 21′ 57″ N, 2° 58′ 27″ W