Akademie für Tonkunst (Darmstadt)
Die Akademie für Tonkunst in Darmstadt ist eine der ältesten Musik-Ausbildungsstätten in Deutschland. Sie gliedert sich in eine Berufsakademie und die Städtische Musikschule.
Karl Philipp Schmitt gründete 1851 die Schmitt’sche Akademie für Tonkunst. Mit der Übernahme in städtische Trägerschaft im Jahre 1922 erfolgte die staatliche Anerkennung der Städtischen Akademie für Tonkunst.
Heute verfügt die Akademie über ein modernes Gebäude mit großem und kleinem Konzertsaal, einem Kammermusik- und einem Rhythmiksaal, 46 Unterrichts- und 24 Übungsräumen, über 100 Tasteninstrumente, eine Musikbibliothek und ein Tonstudio. Der große Konzertsaal wurde 2015 im Andenken an den Darmstädter Komponisten Wilhelm Petersen (1890–1957) in Wilhelm-Petersen-Saal umbenannt.[1]
Geschichte
Gründung und frühe Entwicklung
Die Akademie wurde 1851 von Philipp Carl Schmitt (1826–1909), einem Violinisten der großherzoglichen Hofkapelle Darmstadt, als private Musikschule gegründet. Schmitt führte seine Schule zunächst in provisorischen Räumen und entwickelte innovative Unterrichtskonzepte mit Ensemblespiel, Gemeinschaftsunterricht und Vomblattspiel. Bereits 1858 fanden öffentliche Schülerkonzerte statt. Aufgrund wachsender Schülerzahlen zog die Schule mehrfach um. 1878 erhielt sie den Namen „Philipp Schmitt’sche Academie für Tonkunst“, mit getrennten Abteilungen für zukünftige Berufsmusiker und Laien.
20. Jahrhundert und nationalsozialistische Zeit
Nach dem Tod von Philipp Schmitt 1909 übernahmen sein Sohn Wilhelm Schmitt und sein Schwiegersohn Willy Hutter die Leitung. Die Akademie wurde 1931 von der Stadt Darmstadt übernommen und erhielt den Charakter einer Hochschule für Musik; Opernschule mit Anbindung an das Darmstädter Landestheater und Akademiekonzerte mit bekannten, hochkarätigen Musikern der Zeit waren Bestandteile des Programms.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurden Schmitt und Hutter 1933 entlassen, der kommissarische Leiter Hans Simon „säuberte“ in wenigen Monaten das Institut von jüdischen und politisch missliebigen Dozenten, unter ihnen der prominente jüdische Leiter der Opernschule Paul Ottenheimer.[2] 1937 verlor die Akademie ihren Hochschulstatus und fungierte als Landesmusikschule (Konservatorium mit Fachschule) im Rahmen des staatlichen Systems, bis sie 1944 infolge der Zerstörung Darmstadts geschlossen wurde.
Nachkriegszeit bis Gegenwart
1949 wurde der Unterricht in provisorischen Räumen wieder aufgenommen. Friedrich Noack baute die Akademie personell und inhaltlich wieder auf, in den 1950er Jahren entstanden Opernschule, Orchesterschule und Chorleiterseminare neu. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Institution, und 1953 wurde der Name „Akademie für Tonkunst“ wieder eingeführt. Werner Hoppstock und Gerald Hüther erwirkten ein neues, modernes und gut ausgestattetes Gebäude, das die Akademie 1987 an der Ludwigshöhstraße bezog. Hartmut Gerhold erweiterte den Fächerkanon den 1990er Jahren um Saxophon- und Jazzklassen. Von 2002 bis 2010 bot die Akademie in Kooperation Diplomabschlüsse der Musikhochschule Frankfurt an. Cord Meijering baute ab 2011 verschiedene zertifizierte Bachelor-Studiengänge aus, wodurch sie zur Berufsakademie für Musik aufstieg.
Leitung
Die folgende Liste führt die Direktoren der Akademie in chronologischer Reihenfolge auf.[3]
- Philipp Carl Schmitt (1851–1909)
- Wilhelm Schmitt (1909–1933)
- Willy Hutter (1909–1933)
- Hans Simon (1933)
- Otto Krebs (1934–1935)
- Bernd Zeh (1935–1945)
- Friedrich Noack (1946–1952)
- Konrad Lechner (1953–1958)
- Walter Kolneder (1959–1965)
- Werner Hoppstock (1971–1991)
- Hartmut Gerhold (1991–2004)
- Cord Meijering (2005–2021)
- Thomas E. Bauer (2021–2025)
- Cord Meijering (2026 als Interimsdirektor)[4]
Bekannte Lehrer und Studenten
- Gösta Andreasson
- Carl Beines
- Alois Bröder
- Olaf Van Gonnissen
- Ludwig Gosewitz
- Andy Groll
- Grigory Gruzman
- Tilman Hoppstock
- Werner Hoppstock
- Franciszek Jurys
- Rudolf Kolisch
- Annegret Konrath
- Erika Köth
- Konrad Lechner
- Hans Leygraf
- Carl Amand Mangold
- Cord Meijering
- Arnold Mendelssohn
- Dirk Mommertz
- Wilibald Nagel
- Friedrich Noack
- Fabian Payr
- Wilhelm Petersen
- Peter Przystaniak
- Donald Runnicles
- Ilja Scheps
- Peter Schmalfuss
- Bernd Zeh
Literatur
- Peter Engels: Von der Schule für Klavierspiel zur Akademie für Tonkunst – ein Beitrag zur Geschichte der Musik und des Musikunterrichts in Darmstadt. In: Eigenbetrieb Kulturinstitute der Wissenschaftsstadt Darmstadt Akademie für Tonkunst (Hrsg.): Festschrift 150 Jahre Akademie für Tonkunst Darmstadt. Darmstadt 2001, S. 12–46.
- Oswald Bill, Phillip Schweitzer, Hans Martin Balz, Ludwig Nöll: Musik in Darmstadt zwischen den beiden Weltkriegen. In: Hubert Unverricht und Kurt Oehl (Hrsg.): Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 18. Schott, Mainz 1980, ISBN 3-7957-1318-8.
Weblinks
Koordinaten: 49° 51′ 1″ N, 8° 39′ 16″ O
Einzelnachweise
- ↑ Artikel "Rare Klänge aus Darmstadts Moderne" in der Zeitung Darmstädter Echo vom 19. Dezember 2015
- ↑ Zu Unrecht geehrt. 13. Januar 2019, abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Peter Engels: Akademie für Tonkunst. In: Darmstadt Stadtlexikon. Abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Akademie für Tonkunst. Abgerufen am 21. Dezember 2025.