Gösta Andreasson
Gösta Andreasson (* 9. Dezember 1894 in Göteborg; † 8. Juni 1982 in Riverdale, New York) war ein schwedischer Violinist und Violinpädagoge. Er wurde insbesondere als langjähriger zweiter Geiger des Busch-Quartetts bekannt, eines der einflussreichsten Streichquartette des 20. Jahrhunderts. Daneben war er als Hochschullehrer in Deutschland und in den Vereinigten Staaten tätig.[1]
Leben und Wirken
Ausbildung
Andreasson studierte Violine am Kungliga Musikhögskolan (Royal College of Music) in Stockholm bei Julius Ruthström, einem schwedischen Violinpädagogen. Während seiner Studienzeit wurde er für seine Leistungen ausgezeichnet und sammelte früh Erfahrung im Ensemble- und Quartettspiel. Er setzte seine Ausbildung durch mehrjährige Studien bei Leopold Auer fort, unter anderem im Rahmen internationaler Sommerkurse in Dresden, St. Petersburg und Oslo. 1919 ging Andreasson nach Berlin, wo er bei Adolf Busch studierte. Busch wurde für ihn ein prägender künstlerischer Mentor, insbesondere im Bereich der Kammermusik.
Busch-Quartett
Von 1921 bis 1945 war Andreasson zweiter Geiger des Busch-Quartetts, ein von Adolf Busch gegründetes Streichquartett, welches zu den einflussreichsten Kammermusikensembles der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählte. Weitere Mitglieder waren unter anderem Karl Doktor (Viola) sowie Paul Grümmer beziehungsweise später Hermann Busch (Violoncello). In dieser Besetzung konzertierte das Quartett international und nahm zahlreiche Werke der klassischen und romantischen Quartettliteratur auf, darunter Kompositionen von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms und Franz Schubert. Andreasson war an zahlreichen historischen Schallplattenaufnahmen des Ensembles beteiligt, darunter Beethoven-Einspielungen aus den 1930er Jahren. Unter anderem wegen Überbeanspruchung von Andreasson durch Lehrverpflichtungen soll das Busch-Quartett 1945 aufgelöst worden sein.[2]
Lehrtätigkeit in Darmstadt
Parallel zu seiner Quartettkarriere war Andreasson ab 1922 Lehrer an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, wo er die Violinklasse leitete. Die Akademie galt in den 1920er Jahren als bedeutendes Zentrum musikalischer Ausbildung. Andreassons Tätigkeit umfasste sowohl Einzelunterricht als auch kammermusikalische Ausbildung. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung 1933 kam es an der Akademie zu politischen Säuberungen, bei denen jüdische und politisch missliebige Lehrkräfte entlassen wurden.[3] Für Gösta Andreasson ist keine politisch oder rassistisch motivierte Entlassung belegt. Seine Lehrtätigkeit in Darmstadt endete um 1933. Er entzog sich der nationalsozialistischen Politik, indem er dem Busch-Quartett (1922–1927 in Darmstadt ansässig)[4] in die Schweiz und später in die Vereinigten Staaten folgte.
Tätigkeit in den Vereinigten Staaten
In den späten 1930er Jahren verlagerte Andreasson seinen Wirkungskreis in die Vereinigten Staaten. Er war dort als Violinpädagoge am Carnegie Institute of Technology (heute Carnegie Mellon University) in Pittsburgh tätig und lehrte bis zu seiner Emeritierung 1962.[5] Zu seinen bekannten Schülerinnen zählte die amerikanische Geigerin und Dirigentin Frédérique Petrides.
Diskographie
Siehe hierzu die Diskographie von Adolf Busch:
- Gert Schäfer und Klaus Schöler: Tonträgerverzeichnis (Diskografie) Adolf Busch (1891-1952). In: (PDF). Brüder Busch Archiv, 27. Januar 2022, abgerufen am 13. Januar 2026.
Literatur
- Tully Potter: Adolf Busch: The Life of an Honest Musician; 1891-1939 / 1939-52. 2 Bde. Toccata Press, London 2024, ISBN 978-0-907689-78-2.
- Oswald Bill, Phillip Schweitzer, Hans Martin Balz, Ludwig Nöll: . In: Hubert Unverricht und Kurt Oehl (Hrsg.): . Band 18. Schott, Mainz 1980, ISBN 3-7957-1318-8.
Einzelnachweise
- ↑ New York Times: „Goesta Andreasson, Teacher And Busch Quartet Violinist“, New York Times, 10. Juni 1982 – Nachruf mit Geburts- und Sterbedaten, Lehrtätigkeit an der Akademie für Tonkunst Darmstadt und am Carnegie-Mellon Institute sowie Jahre im Busch-Quartett. online
- ↑ Tully Potter: Adolf Busch: The Life of an Honest Musician; 1891-1939 / 1939-52. London 2024.
- ↑ Akademie für Tonkunst. Abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Kammermusik. Abgerufen am 13. Januar 2026.
- ↑ Sixtyf-Fifth Commencement. In: (PDF). Carnegie Institute of Technology, 1962, abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).