Adolf Heß

Adolf Heß (* 14. Februar 1868 in Hamburg; † 7. Juni 1922) war ein deutscher Philologe und Übersetzer.

Leben und Wirken

Adolf Heß stammte aus Hamburg, wo sein Vater Kaufmann war.[1] Er besuchte eine Schule in Lüneburg und studierte anschließend Philologie und Germanistik in Berlin. 1893 promovierte er in Rostock bei Reinhold Bechstein. 1900 und 1904 wohnte er in Oldenburg, 1912 in Charlottenburg bei Berlin und 1920 wahrscheinlich in Berlin-Wilmersdorf.[2][3]

Adolf Heß war als Übersetzer tätig, er widmete sich besonders dem Werk von Leo Tolstoi, sowie Maxim Gorkis Hauptroman Die Mutter, den er auch gegen Kritik verteidigte.[4] Er hatte Kontakte zu den Schriftstellern Hermann Sudermann, Gustav Landauer und Richard Dehmel und weiteren Publizisten und Übersetzern.[5]

Publikationen

Adolf Heß übersetzte über fünfzehn Romane und Erzählbände aus dem Russischen und Polnischen. Dabei wurde er für seine flüssige und schöne Sprache gelobt, aber für ungenau übersetzte Formulierungen mehrfach kritisiert.[6] Er veröffentlichte auch einige Artikel über russische Literatur in Das literarische Echo, Der Türmer, Berliner Tageblatt und weiteren Zeitungen und Zeitschriften.

Übersetzungen aus dem Russischen

In Zeitschriften

Bücher

  • Leo Tolstoi, Auferstehung, Insel, 1899, mehrere Neuauflagen bis 2002
  • Leo Tolstoi (Bearb.), Gedanken weiser Männer, 1904 (Digitalisat)
  • Maxim Gorki, Die Mutter, Ladyschnikow, Berlin 1907, zahlreiche Neuauflagen, besonders in der DDR, letzte bisherige Ausgabe 2022[7]
  • Leo Tolstoi, Göttliches und Menschliches, 1908
  • Michail Arzybaschew, Aus dem Leben eines kleinen Mädchens und andere Novellen, Pierson, Dresden 1910[8]
  • Leo Tolstoi. Briefe 1848–1910, 1911 (Digitalisat)
  • Iwan Turgenjew, Gnadenbrot, Hendel, Halle, 1911
  • Leo Tolstoi, Chadschi Murat, Reclam, Leipzig 1912
  • Leo Tolstoi, Das Licht leuchtet in der Finsternis, Reclam, Leipzig 1912 (Digitalisat)
  • Leo Tolstoi, Der Weg des Lebens, 1912 (Digitalisat)
  • Leo Tolstoi, Kindheit. Autobiographische Novelle, Reclam, Leipzig 1912
  • Leo Tolstoi, Pater Sergius und andere nachgelassene Erzählungen, Janke, Berlin 1914
  • Gräfin A. A. Tolstoi, Erinnerungen an Leo N. Tolstoi, Insel, Leipzig [1914] (Digitalisat)
  • Anton Tschechoff, Der Lehrer, G. Müller, München 1927
Übersetzungen aus dem Polnischen
  • Henryk Sienkiewicz, Strudel, Roman, Janke, Berlin 1910, 444 Seiten, mit einigen Auslassungen und Ungenauigkeiten[9]
Verfasser
  • Iwan Sergejewitsch Turgenjew, in Nachrichten für Stadt und Land Oldenburg, 1900, S. 254

Einzelnachweise

  1. Adolf Hess Matrikelportal, Universität Rostock, mit einigen biographischen Angaben; wahrscheinlich auch in seiner Dissertation Christian Weises historische Dramen und ihre Quellen, 1893
  2. Adolf Hess (I) Kalliope, mit zwei Briefen von 1904 aus Oldenburg; Adolf Heß (II) Kalliope, mit einem Brief von 1912 aus Charlottenburg an Richard Dehmel
  3. Heß. In: Berliner Adreßbuch, 1921, I., S. 1125. „Heß, Adolf, Dr., Wilmersdf, Eisenzahnstr 7“., könnte er gewesen sein, ohne Berufsbezeichnung, aber 1913, S. 1154 kein Eintrag
  4. Michael Wegner, Deutsche Arbeiterbewegung und russische Klassik, Akademie, Berlin 1971, S. 298, und öfter, mit einigen Informationen über Adolf Heß
  5. Hanna Delf von Wolzogen (Hrsg.), Gustav Landauer. Briefe 1899–1919, Göttingen 2023, S. 149, und öfter, mit etwa 15 Briefen und einigen Hintergrundinformationen; dieser Kontakt wurde durch den Tolstoi-Herausgeber Ludwig Berndl vermittelt (S. 298, Anm. 37)
  6. Rezensionen von Arthur Luther (1911) und W. Christiani (1912) (unten), die eine mangelnde Sorgfalt bei einigen Details kritisierten, die Christiani auf eine große Schnelligkeit beim Übersetzen zurückführte
  7. Maxim Gorki in Deutschland. 1899–1965, 2022, S. 295, und öfter, auch DNB
  8. Aus fremden Zungen, 13, 1910/1911, Sp. 563–565; Rezension von Arthur Luther, mit Kritik an einigen ungenau übersetzten Formulierungen und Namen (Walter)
  9. Archiv für slavische Philologie, 1912, S. 314–315, Rezension von W. Christiani (Originaltitel des Romans Wiry)