Ludwig Berndl
Ludwig Berndl (* 6. Juli 1878 in Groß Haselbach, Niederösterreich; † 1946 in Orselina, Schweiz) war ein österreichischer Publizist in Berlin, Wien und Orselina.
Leben und Wirken
Ludwig war ein unehelicher Sohn der Arbeiterin Maria Berndl, später verheiratete Mayer Schmidt.[1] Er studierte seit 1904 Philosophie in Bern und widmete sich besonders dem altindischen Samkhya. Bei einer Reise nach Moskau lernte er Deborah Friedmann kennen, die er mit nach Bern brachte und dann heiratete. 1908 begegnete er dem Schriftsteller Gustav Landauer, mit dem ihn seitdem eine lebenslange Freundschaft verband, und mit dem er sich in seinen anarchosozialistischen und pazifistischen Ideen bestärkte. 1912/13 lebte er in dessen Nähe in Hermsdorf bei Berlin.
Ludwig Berndl widmete sich mit seiner Frau Dora vor allem der Herausgabe und Übersetzung von Werken von Leo Tolstoi. Dazu reiste er mehrmals in das Tolstoi-Archiv nach Moskau und auf dessen ehemaliges Gut Jasnaja Poljana. In den 1920er Jahren wohnten die beiden in Wien in der Thurmergasse 11.[2] 1928 zogen sie wieder nach Berlin-Hermsdorf. 1932 emigrierten sie nach Orselina im Tessin, wo sie unter ärmlichen Verhältnissen lebten.[3]
Publikationen (Auswahl)
Ludwig Berndl gab einige Werke von Leo Tolstoi heraus, er übersetzte mehrere mit seiner Frau und veröffentlichte zwei eigene Schriften. Außerdem schrieb er Artikel für Der Sozialist von Gustav Landauer, Zukunft, Pester Lloyd und weitere Zeitungen und Zeitschriften.
- Verfasser
- Der Todsucher. Bluette in drei Aufzügen, Pierson, Dresden 1901
- Über das Sâmkhya. Versuch der Wiederherstellung der Sâmkhya-Philosophie, München 1921, Dissertation
- Herausgeber
- Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 2 Bände, Müller, München 1912, 1913 (Digitalisat)
- Leo N. Tolstoi, Krieg und Frieden, 2 Bände, Diederichs, Jena 1924[4]
- Leo N. Tolstoi, Anna Karenina, Diederichs, Jena 1925
- Leo N. Tolstoi, Auferstehung, Diederichs, Jena 1925
- Übersetzungen
mit Dora Berndl
- Leo N. Tolstoi, Nachlaß. Novellen und Dramen, 2 Bände, Diederichs, Jena 1912, mehrere Neuauflagen, auch einzelner Erzählungen
- Leo Tolstojs Briefwechsel mit der Gräfin A. A. Tolstoj 1857–1903, G. Müller, München 1913
- Leo Tolstoi, Der Durchreisende und der Bauer, Friedens-Armee, Zürich 1917
- Leo Tolstoi, Göttliches und Menschliches. Erzählungen aus dem Nachlaß , Diederichs, Jena 1928, Neudruck 2024 (Digitalisat)
- Leo Tolstoi, Der lebende Leichnam, Diederichs, Jena 1928
- Leo Tolstoi, Briefe an seinen Freund Wladimir Tschertkow aus den Jahren 1883 bis 1886, Züst, Winterthur 1950
Literatur
- Hanna Delf von Wolzogen (Hrsg.): Gustav Landauer. Briefe 1899–1919. V&R unipress, Göttingen 2023. S. 31, und öfter, mit vielen biographischen Informationen
Weblinks
- Ludwig Berndl Personenlexikon, ÖNB
- Literatur von und über Ludwig Berndl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Texte von Ludwig Berndl Deutsches Literaturarchiv Marbach
- Ludwig Berndl. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Suche nach Ludwig Berndl. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Wolzogen, 2023, S. 31, mit einigen biographischen Angaben
- ↑ Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1925, Sp. 51, auch weitere Jahre und Wiener Adressbuch
- ↑ Hanna Delf (Bearb.), Gustav Landauer. Fritz Mauthner. Briefwechsel 1890–1919, Beck, München 1994, S. 442, 8, mit einigen biographischen Angaben, Ludwig Berndl schrieb über ihre schwierige Situation in der Schweiz in seinen Briefen an Margarete Susman (im DLA Marbach)
- ↑ Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 15. Oktober 1924, S. 13974; Verlagsanzeige über die Bände durchgesehen durch Ludwig Berndl