Adelgundis Führkötter

Adelgundis Führkötter OSB (* 28. September 1905 in Wattenscheid; † 24. Dezember 1991 in Rüdesheim am Rhein) war eine deutsche Benediktinerin, Schriftstellerin und Hildegard-Forscherin. Sie gehörte der Abtei St. Hildegard (Rüdesheim am Rhein) an und wurde durch quellenkritische Studien, Übersetzungen und Editionen zu Leben und Werk der heiligen Hildegard von Bingen international bekannt.

Leben und Wirken

Adelgundis Führkötter wurde als Hedwig Führkötter in Wattenscheid geboren und wuchs in einem katholisch geprägten Elternhaus auf. Nach dem Besuch der Ursulinenschule in Werl studierte sie Geographie, Germanistik, Philosophie und Anglistik in Freiburg im Breisgau, München, Berlin und Münster.[1] In dieser Zeit unternahm sie Studienaufenthalte in Rom und London, die ihr Interesse an Liturgie und monastischer Spiritualität vertieften.[2]

Am 12. September 1935 trat sie in die Benediktinerinnenabtei St. Hildegard ein, legte 1940 die feierliche Profess ab und empfing im selben Jahr die Jungfrauenweihe.[1][2] Am 2. Juli 1941 wurde die Gemeinschaft von der Gestapo aus dem Kloster vertrieben. Führkötter arbeitete anschließend im Krankenhaus St. Elisabeth in Neuwied und lebte gegen Kriegsende zeitweise im Kloster St. Marienthal.[1] Nach Kriegsende kehrte sie in die Abtei St. Hildegard zurück und war dort bis zu ihrem Tod tätig.[1]

Seit 1948 widmete sie sich im Auftrag ihrer Gemeinschaft schwerpunktmäßig der Hildegard-Forschung. Zusammen mit ihrer Mitschwester Marianna Schrader arbeitete sie an der Echtheitsfrage des hildegardischen Schrifttums, indem Schrader die literarhistorischen Zeugnisse und Führkötter die handschriftliche Überlieferung auswertete.[3] Die 1956 erschienene Monographie Die Echtheit des Schrifttums der heiligen Hildegard von Bingen. gilt als ein grundlegender Beitrag zur modernen Hildegard-Philologie.

In den folgenden Jahrzehnten legte Führkötter Übersetzungen und kommentierte Ausgaben zentraler Hildegardtexte vor, darunter eine Auswahl aus dem Briefwechsel, die Vita und die Lieder Hildegards.[2] Einen besonderen Schwerpunkt bildete die textkritische Edition von Scivias in der Reihe Corpus Christianorum, die sie unter Mitwirkung von Angela Carlevaris verantwortete und die den Auftakt zu einer kritischen Gesamtausgabe der Werke Hildegards bildete.[3]

Führkötter war über viele Jahre in ein internationales Netzwerk der Hildegard-Forschung eingebunden und wirkte unter anderem im vorbereitenden Ausschuss der 800-Jahr-Jubiläumsausstellung Hildegard von Bingen 1179–1979 in Bingen mit.[1][3]

Sie starb am Heiligabend 1991 in Eibingen.[1][4]

Werke (Auswahl)

  • mit Marianna Schrader: Die Echtheit des Schrifttums der heiligen Hildegard von Bingen. Quellenkritische Untersuchungen. Böhlau, Köln/Graz 1956.
  • Hildegard von Bingen. Otto Müller, Salzburg 1972.
  • Hildegard von Bingen. Briefwechsel. Nach den ältesten Handschriften übersetzt und nach den Quellen erläutert. Otto Müller, Salzburg 1965; 2., erweiterte Auflage 1990; überarbeitete Ausgabe: Freiburg u. a. 1997.
  • Das Leben der heiligen Hildegard von Bingen. Vita S. Hildegardis auctoribus Godefrido et Theodorico monachis. Aus dem Lateinischen übersetzt und kommentiert. Düsseldorf 1968; 3. Auflage, Otto Müller, Salzburg 1980.
  • Hildegard von Bingen: Lieder. Ausgewählt, übersetzt und erläutert. Otto Müller, Salzburg 1969; Neuausgabe Zürich 1996.
  • Hildegardis Bingensis: Scivias. Hrsg. von Adelgundis Führkötter unter Mitarbeit von Angela Carlevaris. 2 Bände. Brepols, Turnhout 1978 (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis 43–43A).
  • Kosmos und Mensch aus der Sicht Hildegards von Bingen. Hrsg. von Adelgundis Führkötter. Mainz 1987 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 60).
  • Quellen des Heils. Textauswahl. Hrsg. von Adelgundis Führkötter. Otto Müller, Salzburg 1982.

Literatur

  • Werner Lauter: Sr. Adelgundis Führkötter OSB zum Gedächtnis. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 44 (1992), S. 471–474.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Führkötter, Adelgundis (1905–1991). In: Propylaeum Fachinformationsdienst Altertumswissenschaften.
  2. a b c Maura Zátonyi: Adelgundis Führkötter OSB. St. Hildegard-Akademie Eibingen (abgerufen am 19. November 2025).
  3. a b c Hildegard-Forscherinnen der Abtei St. Hildegard. Abtei St. Hildegard (abgerufen am 19. November 2025).
  4. Werner Lauter: Sr. Adelgundis Führkötter OSB zum Gedächtnis. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 44 (1992), S. 471–474.