Zohar Wagner
Zohar Wagner (hebräisch זהר וגנר; * 1970 in Boston, Massachusetts)[1] ist eine israelische Regisseurin und Filmemacherin.
Biografie
Wagner besuchte die New York University und erwarb einen Bachelor in Philosophie. Einen zweiten Bachelor of Arts erwarb sie von der Steve Tisch School of Film and Television an der Universität Tel Aviv.[1] Seit 1999 arbeitet Wagner als Regisseurin von Dokumentarfilmen und -serien für das israelische Fernsehen.[2] Wagner war auch als Musikerin tätig. 2012 veröffentlichte die israelische Rock-Kabarett-Band Zohar Wagner and The Stinkers ein digitales Album, dem 2016 ein weiteres mit dem Titel Brulee folgte.[3] In Jaffa initiierte sie 2015 ein Filmprogramm Jaffa Cinema, das arabische Jugendliche in Dokumentarfilme und Journalismus einführte. Es produzierte fünf kurze Dokumentarfilme.[1][4]
Wagner spricht Hebräisch, Englisch und Arabisch.[1]
Filmisches Werk
Wagner setzt sich in ihren Dokumentarfilmen und Doku-Dramas mit Menschen und ihrer Interaktion auseinander. Sie thematisiert Weiblichkeit und Köperbild, das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau und insbesondere die Beziehungen zwischen geschwächten Frauen und mächtigen Männern im Nahen Osten.[4]
In vier Dokumentarfilmen bearbeitete sie ihr eigenes Leben.[2] Der Film Zorki – Hiding Mom's Secret (2006, 54 Minuten) ist nach ihrem familiären Spitznamen benannt und schildert die Folgen einer Affaire ihrer Mutter, die sie als Zwölfjährige gedeckt hatte.[5] Stretch Marks (2009, 67 Minuten, hebräisch Simaney Meticha) handelt von ihren Beziehungen und ihrer Schwangerschaft.[6] In Doll (Why Did You Dance Naked?) (2012, 58 Minuten, hebräisch Yemey Ha-Zohar) reflektiert sie die Zeit, zu der sie gut zwanzigjährig als Clubstripperin in New York arbeitete.[7] Bei A Tale of Two (2016, 59 Minuten, hebräisch Ma’aseh Be-Shnei Balonim) setzt sie sich anlässlich einer Brustamputation mit Weiblichkeit, Körperbild und Sexualität auseinander.[8] Die Filme wurden jeweils im israelischen Fernsehen und mehreren nationalen und internationalen Filmfestivals gezeigt.
Der Film 21 days inside (2019, 65 Minuten) beschäftigt sich mit dem Schicksal einer Beduinin, die in Tatverdacht gerät, als ihr zweijähriger Sohn tot in einem Brunnen aufgefunden wird. Er kombiniert Archivmaterial von Überwachungskameras der Polizeiverhöre, nachgestellte Spielszenen und mit Zeichnungen unterlegten Nacherzählungen. Wagner setzt sich darin mit der Diskriminierung von Frauen und Minderheiten sowie mit Polizeigewalt und Macht auseinander.[4]
Die Filme Savoy (2022, 78 Minuten) und Cookies for Life (2024, 58 Minuten) stellen jeweils eine Frau in den Mittelpunkt, die als Geisel einen Weg findet, mit den Geiselnehmern so in Kommunikation zu treten, dass sie überleben kann. Savoy behandelt eine Geiselnahme durch PLO-Mitglieder im Hotel Savoy in Tel Aviv im Jahr 1975. Cookies for Life schildert das Überleben von Rachel Edri, die beim Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 in ihrem Haus in Ofakim 20 Stunden lang von fünf Hamas-Terroristen festgehalten wurde.[4][9]
Filmografie (Auswahl)
- 2006: Zorki – Hiding Mom's Secret
- 2009: Stretch Marks (Original: Simaney Metiha)
- 2012: Doll: Why Did You Dance Naked? (Original: Yemey Ha-Zohar)
- 2016: A Tale of Two (Original: Ma’aseh Be-Shnei Balonim)
- 2019: 21 Days Inside (Original: 21 Yom Velayla)
- 2022: Savoy
- 2024: Cookies for Life (Original: Rachel me Ofakim)
Auszeichnungen
- 2007: Gold Remi Award, beim Worldfest Houston International Film Festival für Zorki[5]
- 2020: Grand Prix Documentaire Impact beim Festival FIPADOC (Festival International de Programmes Audiovisuels, International Documentary Festival) für 21 Days Inside[10]
- 2022: Diamond Award für Beste Regie, Jerusalem Film Festival, für Solvay[11]
- 2022: Nominierung für Ophir Award Bestes Drehbuch, für Solvay[12]
- 2022: Special Mention Award des Weil Bloch Film Award, für Solvay[12]
Weblinks
- Zohar Wagner bei IMDb
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Cookies for life. In: jfbb.info. Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg, 2022, abgerufen am 8. Januar 2026. (Anmerkung: einige andere Quellen nennen Israel als Geburtsland)
- ↑ a b Savoy. In: krakowfilmfestival.pl. Krakow Film Festival, 2023, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Zohar Wagner and The Stinkers. In: bandcamp.com. Bandcamp, abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b c d Ethnocineca International Documentary Film Festival : 21 days inside. In: ethnocineca.at. Ethnocineca – Verein zur Förderung audio-visueller Kultur, Wien, 2020, abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ a b Zorki – Hiding Mom's Secret. In: jmtfilms.com. JMT Films (Filmdistribution), abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Stretch Marks. In: jmtfilms.com. JMT Films (Filmdistribution), abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Doll (Why Did You Dance Naked?). In: jmtfilms.com. JMT Films (Filmdistribution), abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- ↑ A Tale of Two. In: jmtfilms.com. JMT Films (Filmdistribution), abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Q+A with Zohar Wagner. In: youtube.com. Other Israel Film Festival, 2024, 8. Dezember 2024, abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- ↑ 21 Days Inside. In: fipadoc.com. FIPADOC, 2020, abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
- ↑ JFF 2022 Winners. In: jff.org.il. Jerusalem Film Festival, 2022, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b Weil Bloch Film Award. In: nfct.org.il. New Fund for Cinema and Television (NFCT), 2025, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).