Savoy (Film)

Film
Titel Savoy
Produktionsland Israel
Originalsprache Hebräisch, Arabisch
Erscheinungsjahr 2022
Länge 78 Minuten
Produktions­unternehmen Zohar Wagner Films
Stab
Regie Zohar Wagner
Drehbuch Zohar Wagner
Musik Ophir Leibovitch
Kamera Moshe Mishali
Schnitt Nili Feller, Shauly Melamed
Besetzung
  • Dana Ivgy: Kochava Levi
  • Ala Dakka: Chalil
  • Imri Biton, Jalal Masrwa, Nehad Rada

Savoy ist ein Dokumentarfilm der israelischen Filmemacherin Zohar Wagner aus dem Jahr 2022. In einer hybriden Darstellung aus Spielszenen und Archivmaterial schildert er als Doku-Drama die Geschehnisse der Geiselnahme im Savoy Hotel in Tel Aviv durch Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsorganisation im Jahr 1975 aus Sicht der Geisel Kochava Levi.

Handlung

Der Dokumentarfilm schildert die Geschehnisse rund um einen Überfall von Mitgliedern der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) auf das Hotel Savoy in Tel Aviv im Jahr 1975. Zohar Wagner, von der Buch und Regie stammen, kombiniert in dem Film vorher unveröffentlichte Archivaufnahmen, Bilder aus Nachrichtensendungen und filmisch nachgestellte Szenen. Sie folgt dabei der Darstellung aus dem Tagebuch der Geisel Kochava Levi, aus dem Zitate im Film als Voiceovers vorgelesen werden.

Am Abend des 5. März 1975 dringen mehrere Mitglieder der PLO mit Waffengewalt in das Hotel ein und verschanzen sich mit acht Geiseln im obersten Stockwerk. Eine der Geiseln ist Kochava Levi, eine 31-jährige verheiratete jüdische Hausfrau und Mutter einer Tochter. Sie trifft ihren ebenfalls verheirateten Liebhaber Avi Azikri im Hotel. Auch er wird gefangen genommen und durch einen Schuss am Arm verletzt. Levi, die in den Armenvierteln Tel Avivs aufgewachsen war und dort von anderen Kindern Arabisch gelernt hatte, bietet sich den Geiselnehmern als Übersetzerin an. Sie wird zur Vermittlerin zwischen ihnen und den Einsatzkräften, obwohl sie Angst hat, die Nacht nicht zu überleben. Sie erreicht auch, dass der schwerverletzte Gast Karol Felman ins Erdgeschoss des Hotels gebracht wird. Da die Einsatzkräfte ihn dort aus Gründen des Selbstschutzes nicht abholen wollen und die Geiselnehmer ihn aus denselben Gründen nicht nach draußen schaffen wollen, zerrt die zierliche Frau ihn aus dem Hotel, während sie ihn anfeuert, sie dabei soweit möglich zu unterstützen. Sie rettet ihm damit das Leben. Sie selbst kehrt ins Hotel zurück und setzt die Kommunikation, insbesondere mit dem Anführer Chalil, fort. Als das Hotel nach rund fünf Stunden Verhandlungen und Hinhaltetaktik durch Spezialkräfte des Sajeret Matkal gestürmt wird, zünden die Geiselnehmer vorbereiteten Sprengstoff. Dabei sterben alle Geiseln außer Levi und Azikri sowie drei Einsatzkräfte und sieben Geiselnehmer. Ein achter wird in den Morgenstunden in den Ruinen des Hotels verhaftet.

Levi wird kurz als Heldin gefeiert, dann aber in der Presse mit einer gleichnamigen Prostituierten verwechselt. Obwohl das aufgeklärt wird, wird sie wegen der Affaire mit Azikri als Schlampe bezeichnet. Azikri dagegen erhält im Krankenhaus Besuch von Israels Premierminister Yitzhak Rabin. Als Zeugin sagt Levi später im Prozesse gegen den überlebenden Geiselnehmer aus.

Der Film berichtet, dass Levi einen Prozess gegen das Time Magazin gewinnt und das Geld für die Veröffentlichung eines Gedichtbandes verwendet. Vier Jahre nach der Geiselnahme lässt sie sich von ihrem Mann scheiden. Zu dieser Zeit übergibt sie auch ihr Tagebuch an den Journalisten Aviezer Golan. Sie starb 2019.

Hintergrund

Der Anschlag auf das Savoy Hotel gilt als einer der schlimmsten Anschläge auf israelischem Boden in den 1970er Jahren.[1]

In einem Interview mit The Times of Israel schildert Zohar Wagner, dass sie die Form eines Doku-Dramas wählte, weil sie auf die Person Kochava Levi fokussieren wollte und in den Archivmaterialien naturgemäß keine Bilder aus dem Hotel verfügbar waren. Sie war interessiert an der Person und Handlungsweise der Frau in dieser Situation. “For me it’s about using language, about reaching the enemy’s heart, about using words instead of guns. And maybe women can do all these things better than men.” Sie sieht die Frau als Heldin, aber auch die unterschiedliche Bewertung von Levi und Azikri durch die Gesellschaft: “He’s automatically a hero (...) You can really see clearly the double moral standard: if you’re a woman, and you cheated on your husband, then you’re a whore. But if you’re a man and you cheated on your wife, nobody cares, it doesn’t matter.”[2]

Der juristisch beklagte Artikel des Time Magazin, der Kochava als “a petite, black-haired prostitute who had ducked into the Savoy earlier to avoid a police roundup” (deutsch: eine zierliche, schwarzhaarige Prostituierte, die sich zuvor im Savoy versteckt hatte, um einer Polizeirazzia zu entgehen) bezeichnet, ist Stand Januar 2026 online lesbar.[3]

Der überlebende Geiselnehmer Musa Jumaa wurde zum Tod verurteilt, aber später begnadigt. Er kam in einem Gefangenenaustausch 1985 frei.[2]

Die getöteten Geiseln waren vor allem ausländische Touristen. Im Film werden als Namen genannt: Asher Felman (der 13-jährige Sohn des Überlebenden Karol Felman), Johannes Gassen, Max Halperin, Andre Krahenbel, Maria Lubochinsky, Maria Roth, Mahari Simmons, Helena Slavovsky.[4] Im neu wieder aufgebauten Savoy Hotel erinnert eine Gedenktafel an die Opfer.

Nach Veröffentlichung des Films beschloss das Naot Chovav Council, in Israel eine Straße nach Kochava Levi zu benennen.[5]

Veröffentlichung

Die Premiere war auf dem Jerusalem Film Festival im Juli 2022. Der Film wurde für die Vorführung 2023 auf dem französischen Dokumentarfilmfestival FIPADOC (Festival International de Programmes Audiovisuels, International Documentary Festival)[6], dem Santa Barbara International Film Festival (SBIFF)[7] und dem Krakow Film Festival ausgewählt.[8] Ab dem August 2022 lief er in Lev Cinemas in ganz Israel und ab September bei der Israeli Public Broadcasting Corporation Kan.[2] Der Film wurde außerdem von 2023 bis 2025 auf zahlreichen internationalen Filmfestivals zum Thema jüdische oder israelische Filme gezeigt, unter anderem in Argentinien, Australien, Frankreich, Israel, den USA und im Vereinigten Königreich.[9][10]

Eine Fassung mit deutschen Untertiteln in einer Produktion von Arte und Rundfunk Berlin-Brandenburg wurde erstmals am 12. September 2023 auf Arte gesendet.[11]

Rezeption und Auszeichnungen

Bei seiner Premiere auf dem Jerusalem Film Festival 2022 wurde er mit dem Diamond Award für die beste Regie an Zohar Wagner und den besten Schnitt an Nili Feller und Shauly Melamed ausgezeichnet. Die Jury urteilte: „A combination of fascinating documentary footage and excellent scripted scenes, recreating a tragic historical event and reestablishes a brave woman’s reputation.“ Und sie bewertete den Schnitt: „The editing skillfully blends the real and the imaginary, and maintains dynamism and a steady rhythm throughout the film.“[12]

Ebenfalls 2022 gewann der Film Ophir Awards der Israeli Film Academy für den besten Schnitt und das beste Makeup (Ronit Dugo-Arbiv). Außerdem war er in zwei weiteren Kategorien nominiert: Beste Schauspielerin (Dana Ivgy) und Bestes Drehbuch (Zohar Wagner). Der New Fund for Cinema and Television (NFCT) und die Weil Bloch Foundation, beide israelische NGOs, verliehen dem Film den mit 15.000 $ dotierten Special Mention Award des Weil Bloch Film Award für herausragende Filme zum Thema der geteilten Gesellschaft in Israel.[5]

  • Savoy bei IMDb
  • Savoy in der Mediathek von Arte (verfügbar bis 3. Februar 2026)

Einzelnachweise

  1. Adam Soclof: The Savoy Hotel attack. In: jta.org. Jewish Telegraphic Agency, 3. März 2013, abgerufen am 10. Januar 2026 (englisch).
  2. a b c Amy Spiro: The forgotten heroine of the deadly 1975 Savoy Hotel terror attack. In: timesofisrael.com. The Times of Israel, 10. August 2022, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  3. Marlin Levin, Daniel Drooz: The World: The Raid: 'A Score to Settle'. In: time.com. Time, 17. März 1975, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  4. Laut Auflistung im Schlussteil des Films.
  5. a b Weil Bloch Film Award. In: nfct.org.il. New Fund for Cinema and Television (NFCT), 2025, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  6. 2023 Edition: International Documentary. In: fipadoc.com. FIPADOC, 2023, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  7. Pocketguide 2023. In: sbiff.org. Santa Barbara International Film Festival, 2023, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  8. Savoy. In: krakowfilmfestival.pl. Krakow Film Festival, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  9. Savoy. In: jewishfilmfestivals.org. 2025, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  10. Savoy. In: closeupinitiative.org. Close Up (Film-Mentoring-Programm in Belgien), 2023, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).
  11. Savoy. In: rbb-online.de. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 2024, abgerufen am 8. Januar 2026.
  12. JFF 2022 Winners. In: jff.org.il. Jerusalem Film Festival, 2022, abgerufen am 8. Januar 2026 (englisch).