Zinandali (Weingut)
Zinandali (georgisch წინანდალი, auch Tsinandali) ist eine ehemalige Weinkellerei in Zinandali, einem Dorf in der Munizipalität Telawi, Georgien, südöstlich der Stadt Telawi.
Geschichte
Das Weingut Zinandali wurde 1886 nach Überwindung der Reblauskrise gegründet, zuvor bestand dort bereits ein Dorf. Der georgische Fürst Alexander Tschawtschawadse errichtete das Landhaus 1835 und nutzte Zinandali als Sommerresidenz.[1]
Die Residenz wurde 1854 von den Truppen des nordkaukasischen Muslimführers Imam Schamil geplündert, wobei zahlreiche Angehörige Alexander Tschawtschawadses – darunter seine Schwiegertochter Fürstin Anna Tschawtschawadse mit ihren Kindern Tamara (4 Jahre), Alexander (14 Monate) und Lydia (drei Monate) sowie ihre Schwester Fürstin Barbara Orbeliani mit Kindern – entführt und 1855 gegen Lösegeld und einen Gefangenenaustausch freigelassen wurden.[2] Der französische Romancier Alexandre Dumas war 1859 in Zinandali und konnte die Fürstin Tschawtschawadse vor Ort zu dem Überfall befragen.
„Nach den Schreckenscenen kamen die grotesken Auftritte. Das Schloss wurde nun geplündert; jeder nahm was ihm in die Hände fiel, ohne zu wissen, was er mitnahm; einer nahm Schawls, ein anderer Küchengeräte; dieser nahm Diamanten, jener steckte seine Taschen voll Spitzen. Die Plünderer aßen und tranken alles, was sie für genießbar hielten: Kreide und Pommade, Rosenwasser und Ricinusöl.“
Das Weingut beherbergt neben einem sanierten Hauptgebäude auch mehrere renovierte Nebengebäude und einen großen, gepflegten Park. Eine Produktion findet in diesem historischen Weingut nicht mehr statt, stattdessen fungiert es heute als Alexander-Tschawtschawadse-Museum, das auch gastronomische Dienste anbietet.
Am 24. Juni 2010 stattete der 33. Weltkongress für Rebe und Wein dem Weingut einen Fachbesuch ab.[4]
Weinhistorische Bedeutung
Viele der Kellerräume, die für eine Lagerkapazität von zehn Millionen Liter ausgelegt sind, wurden im Laufe der Jahre geleert. Einige Raritäten sind jedoch erhalten geblieben. In der Schatzkammer lagern rund 16.500 Flaschen bei konstant 10–14 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 %. Etwa 500 Flaschen stammen aus dem 19. Jahrhundert.[5] Ihre Trinkfähigkeit wird jedoch angezweifelt, da seit Sowjetzeiten keine Flasche mehr neu verkorkt oder aufgefüllt wurde. Erst 2003 wurden wieder geringe Mengen Wein eingelagert.
Literaturhistorische Bedeutung
Neben der weinhistorischen Bedeutung hat das Weingut auch einen wichtigen literaturhistorischen Hintergrund. Nicht nur, dass der Erbauer Alexander Tschawtschawadse einer der bedeutendsten georgischen Dichter war. Das Gut avancierte auch im 19. Jahrhundert zu einem Treffpunkt bedeutender Literaten. Unter anderem weilten Alexandre Dumas, Marie Felicité Brosset, Alexander Puschkin, Michail Lermontow und Alexander Gribojedow auf diesem Weingut. Daher wird es auch „literarisches Herz der Schreiber und Poeten“ genannt.[6] Dumas schrieb in seinem veröffentlichten kaukasischen Reisetagebuch:
„Zinandali ist im Juni ein Feenpalast: Blumen, Weinreben, Granatäpfel, Zitronen, Orangen, Geißblatt und Rosen blühen und reifen nebeneinander; die Luft ist dort ein unermesslicher Wohlgeruch, der aus zwanzig vereinten Wohlgerüchen besteht. Frauen und Kinder breiteten sich begierig in diesem schönen und mächtig großen Garten aus wie Blumen und Früchte aus der Stadt, die sich mit den Blumen und Früchten auf dem Lande mischen wollen.“
Konzerte
- Seit 2019 findet jährlich das Tsinandali Festival am dortigen Hotel der Radisson Collection mit angegliedertem offenen Konzertsaal statt.
- Am 1. Mai 2024 fand das Europakonzert der Berliner Philharmoniker unter Leitung von Daniel Harding auf dem Weingut statt.
Literatur
- Alexandre Dumas: Der Kaukasus. Von Prometheus bis Schamyl. Band 3. Verlag Christian Ernst Kollmann, Leipzig 1860, S. 206 ff.
- Anna Saldadze: Georgischer Wein: 8000 Jahre Tradition, 525 Sorten. Geleitwort von Rudolf Knoll. Leopold Stocker Verlag, Graz/Stuttgart 2018, S. 104–107.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ D. Goldstein: The Georgian Feast: The Vibrant Culture and Savory Food of the Republic of Georgia. University of California Press, 1999, ISBN 0-520-21929-5, S. 53.
- ↑ Moshe Gammer:: Muslim resistance to the tsar. Routledge, 1992, ISBN 0-7146-3431-X, S. 272–274.
- ↑ Alexandre Dumas: Reise im Kaukasus, 1858–1859. Dritter Theil. Nach dem französischen Manuscripte von Dr. G.F.W. Rödiger. Hartleben’s Verlags-Expedition, Pest, Wien und Leipzig 1859, S. 147.
- ↑ Programminformation des 33. Kongresses für Rebe und Wein (OIV) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2020. Suche in Webarchiven)
- ↑ kakheti.gov.ge: The Telavi Municipality ( vom 21. Juli 2011 im Internet Archive) (englisch)
- ↑ http://www.jancisrobinson.com/articles/a20100318.html Seite von Jancis Robinson über georgischen Wein
- ↑ Alexandre Dumas: Reise im Kaukasus, 1858–1859. Dritter Theil. Nach dem französischen Manuscripte von Dr. G.F.W. Rödiger. Hartleben’s Verlags-Expedition, Pest, Wien und Leipzig 1859, S. 139.
Koordinaten: 41° 53′ 48,3″ N, 45° 33′ 54,8″ O