Alexander Tschawtschawadse

Fürst Alexander Garsewanowitsch Tschawtschawadse (georgisch ალექსანდრე ჭავჭავაძე; * 16. November 1786 in Sankt Petersburg, Russisches Kaiserreich;[1]6. November 1846 in Tiflis, Georgien, Russisches Kaiserreich) war ein georgischer Dichter und Offizier in russischen Diensten. Europäisch erzogen, führte der mehrsprachige Fürst viele westliche Neuerungen in Georgien ein.

Leben

Alexander Tschawtschawadse wurde 1786 als Sohn des georgischen Fürsten Garsewan Tschawtschawadse in Sankt Petersburg geboren. Es besteht keine nähere Verwandtschaft zu dem georgischen Nationaldichter Ilia Tschawtschawadse. Die kachetische Fürsten-(Tawadi-)Familie Tschawtschawadse teilte sich schon Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert in eine Hauptlinie mit Besitzungen in Qwareli und Umgebung und eine Hauptlinie, die 1680 das königliche Weingut Zinandali (heute in der Munizipalität Telawi) zum Lehen erhielt. Alexander Tschawtschawadse entstammte der Linie von Zinandali, Ilia Tschawtschawadse entstammte der Linie in Qwareli.[2]

Die Mutter war Mariam Awalischwili (1758–1836), eine Verwandte des Dramatikers Giorgi Awalischwili (გიორგი ავალიშვილი; 1769–1850).[3] Alexanders Vater diente als Botschafter des ostgeorgischen Königreichs Kartlien-Kachetien in Russland. Die Zarin Katharina II. war Alexanders Taufpatin.[4] Nach der Annexion Georgiens 1801 durch Zar Alexander I. kühlten die Beziehungen zwischen beiden Ländern stark ab.

In den 1820er Jahren diente Tschawtschawadse in den Kriegen Russlands gegen Persien und das Osmanische Reich. Nach der Befreiung der armenischen Stadt Jerewan von persischen Truppen wurde er zum Generalmajor befördert.[5] Im folgenden Jahr verteidigte er die Provinz Jerewan gegen einen kurdischen Überfall und stieß selbst nach Anatolien vor, wo er die Festung Beyazıt einnahm.[6]

Tschawtschawadse, der in Sankt Petersburg europäisch erzogen wurde und nach 1814 zwei Jahre in Paris lebte, führte nach dem Ende seines Militärdienstes 1829 viele westliche Neuerungen in Georgien ein.[7] Zuerst europäisierte er sein väterliches Landgut Zinandali, indem er einen weitläufigen Park und einen großen Weinkeller anlegen ließ. Tschawtschawadse brachte den ersten Konzertflügel nach Georgien, experimentierte als erster in Georgien mit Schaumwein und führte auch die Weinbrandherstellung ein. Großen Einfluss auf die georgische Weinkultur hatte seine Modernisierung der Produktion nach französischem Vorbild. Der Tsinandali ist ein trockener Weißwein, der bis heute aus den Rebsorten Rkatsiteli und Mtsvane gekeltert wird.[8]

Tschawtschawadse gab oft gesellige Runden, auf denen er sein Publikum mit Wein und Dichtung unterhielt. Zu seinen Gästen gehörten einige russische Dekabristen sowie die Dichter Alexander Gribojedow, Alexander Puschkin und Michail Lermontow.[9] Im Jahr 1832 war er an der Georgianischen Verschwörung für ein unabhängiges Königreich Georgien beteiligt, wurde aber aufgrund seiner militärischen Verdienste von Zar Nikolaus I. begnadigt.[3]

Im Jahr 1846 kam Alexander Tschawtschawadse durch einen Unfall in Tiflis ums Leben.[4] Nahe seiner Wohnung in der heutigen Alexander-Tschawtschawadse-Straße geriet er unter die Räder einer Kutsche und starb an den schweren Kopfverletzungen. Tschawtschawadse wurde am Schuamta-Kloster in Kachetien beerdigt.[3]

Familie

Alexanders Ehefrau war die Fürstin Salomé Orbeliani (1795–1847), das Paar heiratete 1812.[10]

Die älteste Tochter Nino Tschawtschawadse (* 4. November 1812; † 28. Juni 1857) war mit dem russischen Dichter und Diplomaten Alexander Gribojedow verheiratet; die Hochzeit fand am 22. August 1828 in der Sioni-Kathedrale von Tiflis statt, da war die georgische Prinzessin gerade mal 15 Jahre und der Bräutigam 33 Jahre alt. Nach Gribojedows Tod im Folgejahr hatte die nie wieder verheiratete Witwe jahrelange Romanzen, unter anderem mit dem georgisch-romantischen Dichter und Militär Grigol Orbeliani (1804–1883),[11] der in seiner Jugend ebenfalls mit der Georgischen Verschwörung und den Dekabristen in Beziehung stand und später einer der russischen Hauptfeldherren gegen die Nordkaukasier im Kaukasuskrieg (1817–1864) war.[12]

Die zweite Tochter Katharina war nach Alexanders Patentante benannt und mit dem Erbprinzen David Dadiani von Mingrelien verheiratet.[13]

Die jüngste Tochter Sophio (s⁠ɔpʰ⁠ɪ⁠ɔ, 1833–1862) ehelichte den schwedischen Adligen und Minister in russischen Diensten, Graf Alexander von Nicolay.[14]

Der einzige Sohn David (1818–1884) heiratete Anna Bagrationi, eine Enkelin des georgischen Königs Irakli II., und übernahm das Weingut Zinandali.[15] Im Juli 1854 wurde Zinandali von nordkaukasischen Lesgiern überfallen. Die Fürstin Anna Tschawtschawadse wurde mit ihren Kindern Tamara (4 Jahre), Alexander (14 Monate) und Lydia (drei Monate), ihrer Schwester Barbara Orbeliani und dem Sohn Georg (7 Jahre) sowie weiteren Frauen und Kindern als Geisel genommen und an den Heerführer der Nordkaukasier, Imam Schamil, übergeben. Alexandre Dumas schilderte die Gefangennahme der Fürstenfamilie recht ausführlich in seiner Kaukasus-Reise.[16]

Dichter

Als Dichter ist Tschawtschawadse Autor mehrerer romantischer Gedichte, die von einer Sehnsucht nach dem glorreichen Georgien des Mittelalters geprägt sind und die diese Vergangenheit mit der unscheinbaren Gegenwart des Landes vergleichen.[17] Tschawtschawadse kritisierte den russischen Umgang mit der georgischen Kultur und versuchte sich für die Interessen der georgischen Eliten und Adligen einzusetzen. So verglich er die Herrschaft Russlands über Georgien mit der Fremdherrschaft der Osmanen und Persiens, betrachtete sie sogar als zerstörerischer, da das russische Reich die georgische Monarchie und den georgischen Staat aufgelöst hatten.[5][6] In seinen späteren Werken ab 1832 hatte er einen positiveren Blick auf den russischen Einfluss in Georgien, der auch Vorteile für das Land sah. Dennoch blieb die Unabhängigkeit des Landes sein Ziel.[18] Seine Gedichte wurden weniger romantisch und mehr sentimental, zeigten aber immer eine optimistische Sicht auf die Welt.[19]

Auszeichnungen

Gedichte (Auswahl)

  • An Nino
  • Tischlied

Literatur

  • Georgische Dichter. Verdeutscht von Arthur Leist. Verlag von Wilhelm Friedrich, Leipzig 1887, S. 35 ff.
  • Anna Saldadze: Georgischer Wein. 8000 Jahre Tradition, 525 Sorten. Geleitwort von Rudolf Knoll. Leopold Stocker Verlag, Graz/Stuttgart 2018, S. 104–107.
Commons: Alexander Tschawtschawadse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Alexander Chavchavadze in Biografisches Lexikon Georgiens (georgisch).
  2. Eintrag „Chavchavadze“ (oben) bei Georgian Genealogy. (Webarchive)
  3. a b c Prince Alexandre Chavchavadze (1786-1846). In: Chavchavadze Family. Smithsonian in Association with National Parlametary Library f Georgia, abgerufen am 5. Oktober 2025 (englisch, georgisch).
  4. a b M. Kveselava: Anthology of Georgian Poetry. The Minerva Group, Inc., 2002, ISBN 0-89875-672-3, S. 181.
  5. a b Allen Wed: A History of the Georgian people: From the Beginning Down to the Russian Conquest in the Nineteenth Century. Barnes & Noble, New York City 1971, S. 234.
  6. a b L. Blanch: Sabres of Paradise. Carroll & Graf Publishers, 1995, ISBN 0-88184-042-4, S. 54.
  7. Alexander Chavchavadze bei Allgeo.org (englisch).
  8. Anna Saldadze: Georgischer Wein. 8000 Jahre Tradition, 525 Sorten. Graz/Stuttgart 2018, S. 104–107.
  9. Darra Goldstein: The Georgian Feast: The Vibrant Culture and Savory Food of the Republic of Georgia. University of California Press, 1999, ISBN 0-520-21929-5, S. 53.
  10. Salome Orbeliani (1795–1847) bei The National Library of Georgia
  11. Donald Rayfield: The Literature of Georgia. Routledge, London und New York (2. überarbeitete Auflage) 2000, S. 144 über Grigol Orbeliani: „His desperate, but courtly, longing to console the young widow Nino Chavchavadze (although he had been betrothed in the cradle to Sopio Orbeliani) fuelled nearly thirty years of lyrical ardor.“
  12. Nino Chavchavadze (1812–1857) bei The National Library of Georgia
  13. Ekaterine Chavchavadze (1816–1882) bei The National Library of Georgia
  14. Sophio Chavchavadze (1833–1862) bei The National Library of Georgia
  15. David Chavchavadze (1818–1884) bei The National Library of Georgia
  16. Alexandre Dumas: Der Kaukasus. Von Prometheus bis Schamyl. Band 3. Verlag Christian Ernst Kollmann, Leipzig 1860, S. 206 ff.
  17. RG Suny: The Making of the Georgian Nation: 2nd edition. Indiana University Press, 1994, ISBN 0-253-20915-3, S. 124.
  18. DM Gamezardashvili: Georgian Literature. The Minerva Group, Inc., 2001, ISBN 0-89875-570-0, S. 50.
  19. D. Rayfield: The Literature of Georgia: A History. Routledge (UK), 2000, ISBN 0-7007-1163-5, S. 148.