Xena: Warrior Princess (Computerspiel)

Xena: Warrior Princess
Originaltitel Xena: Warrior Princess: The Talisman of Fate
Entwickler Saffire[1]
Publisher Titus Interactive[2]
Leitende Entwickler Steven H. Taylor
Walter D. Park
Alan Tew[3]
Komponist Eric Nunamaker[3]
Veröffentlichung Nordamerika 6. Dezember 1999[4]
Europaische Union 17. Dezember 1999
Plattform Nintendo 64
Genre Kampfspiel
Thematik Xena – Die Kriegerprinzessin
Spielmodus 1–4 Spieler[2]
Steuerung Nintendo-64-Controller
Medium Game Pak: 96-Mbit Steckmodul[5]
Sprache Englisch[5]
Information Unterstützt das Controller Pak und Rumble Pak[2]

Xena: Warrior Princess (in Nordamerika als: Xena: Warrior Princess: The Talisman of Fate) ist ein Kampfspiel aus dem Jahr 1999, das von Saffire entwickelt und von Titus Interactive für das Nintendo 64 veröffentlicht wurde. Es basiert auf der gleichnamigen Fernsehserie, die von 1995 bis 2001 ausgestrahlt wurde.[6][7]

Obwohl Xena: Warrior Princess ursprünglich als Auftakt für ein größeres Xena-Videospiel im Action-Adventure-Stil auf dem N64 konzipiert war, wurde dieses geplante Nachfolgeprojekt nie realisiert.

Xena erhielt gemischte Kritiken, wobei die Grafik und der Mehrspieler-Modus zumeist gelobt wurden, das Kampfsystem jedoch oft als oberflächlich und die Animationen als steif kritisiert wurden.

Das Spiel darf nicht mit den gleichnamigen Versionen für PlayStation und Game Boy Color verwechselt werden, die sich deutlich unterscheiden: Sie setzen auf Hack-and-Slay- und Jump-’n’-Run-Elemente und weisen somit ein völlig anderes Gameplay-Erlebnis auf als die N64-Fassung.

Spielprinzip

Der Spieler wählt einen Kämpfer aus einer Auswahl von 11 Charakteren und kämpft dann in zufälliger Reihenfolge gegen die anderen Computergegner (einschließlich des Charakters des Spielers). Xena tritt als Zwischen-Endgegner auf. Der finale Endgegner ist Despair, eine Figur, die eigens für das Spiel geschaffen wurde. Nachdem Despair bezwungen wurde, findet das individuelle Ende des Charakters des Spielers statt, wobei der Dialog je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad variiert. Das Spiel verfügt auch über einen sog. Roster Mode, in dem der Spieler ein Team von bis zu fünf Charakteren auswählt und an einem Free-for-all gegen andere Teams teilnimmt. Außerdem können Spieler Teams zusammenstellen und gegen andere Teams kämpfen. Jeder Charakter hat seine eigenen Spezialbewegungen (wie Xenas Chakram und Callistos Feuerstoß) und ist in der Lage, Waffen-Kombos auszuführen.

Neben dem Spiel Super Smash Bros. ist Xena das einzige Kampfspiel auf dem Nintendo 64, welches vier Spielern erlaubte, gleichzeitig zu spielen.

Entwicklung

Bereits im März 1998 kündigte Titus an, dass sie die TV-Serien Xena: Warrior Princess und Hercules: The Legendary Journeys auf das Nintendo 64 bringen würden.[8]

In einem Interview kündigte Eric Caen, CEO von Titus Interactive, an, dass das Spiel Ende des Jahres 1999 erscheinen soll. Caen sprach auch von der Idee, mit Hilfe des Controller Paks Gegenstände zwischen den Spielen von Xena und Hercules austauschen zu können.[9] Dieses Feature wurde jedoch nicht in die finale N64-Version eingebaut, sondern fand Verwendung in den Game-Boy-Color-Versionen beider Spiele.

Im September 1998 kündigte Titus die Entwicklung von gleich zwei Spielen an, die auf der Fernsehserie Xena: Warrior Princess basieren sollten. Das erste Projekt war als 3D-Action-Adventure im Stil von Tomb Raider geplant, in dem die Hauptdarstellerin Lucy Lawless in digitaler Form auftreten sollte. Dieses Spiel sollte intern von Titus „A-Team“ entwickelt werden. Das zweite Spiel, das vorläufig den Titel Xena Fighter trug, war als waffenbasiertes 3D-Kampfspiel konzipiert, ähnlich wie Soulblade, und sollte von einem externen Studio entwickelt werden. Um eine authentische Darstellung zu gewährleisten, sollte das Spiel über Charaktere verfügen, die mittels Motion Capture animiert wurden, darunter Xena, Gabrielle und verschiedene Amazonenkriegerinnen.[10]

Im Oktober 1998 gab Titus die Unterzeichnung einer Lizenzvereinbarung mit Universal Studios bekannt. Die Vereinbarung umfasste die Entwicklung und Veröffentlichung von Spielen basierend auf den erfolgreichen Fernsehserien Xena: Warrior Princess, Hercules: The Legendary Journeys sowie dem Film Blues Brothers 2000. Titus-Präsident Hervé Caen versprach, den Inhalten der Shows treu zu bleiben und den Fans gerecht zu werden. Für die Titel Xena und Hercules waren beide als Mehrspieler-Actionspiele konzipiert, in denen die Charaktere verschiedene Strategien anwenden, böse Kreaturen bekämpfen, Schätze finden und die Schwachen beschützen sollten. Tatsächlich wurde nur das Kampfspiel, das später als Xena: Warrior Princess bekannt wurde, veröffentlicht. Das geplante Action-Adventure im Stil von Tomb Raider kam nie auf den Markt.[11]

Im Dezember 1998 wurde bekannt, dass die Entwicklung von Xena von Saffire, einem US-Entwicklerstudio aus Utah, durchgeführt wird. Saffire hatte zuvor bereits die Spiele Rampage World Tour sowie Bio Freaks für das N64 entwickelt.[1] In einem IGN-Interview mit Steve Taylor, dem technischen Direktor von Saffire, gab dieser an, dass die Entwicklung des Spiels insgesamt neun Monate in Anspruch genommen hat. Taylor zeigte sich jedoch frustriert darüber, dass aufgrund der beschränkten Speicherkapazität des Game Paks, nur wenige Audiodialoge ins Spiel integriert werden konnten. Taylor erwähnte auch, dass das Spiel das Expansion Pak unterstützen würde.[12]

Das Spiel wurde schließlich im Dezember 1999 veröffentlicht. Während die US-Version des Spiels nach Angaben auf der Spieleverpackung das Expansion Pak unterstützt, ist auf der Verpackung der europäischen Version kein Hinweis darauf. Die Verwendung des Expansion Paks hat in keiner der beiden Versionen Auswirkung auf das Spiel und es wird zu Beginn des Spiels auch nicht durch die Konsole aktiviert. Es scheint sich somit um eine fehlerhafte Angabe auf der amerikanischen Verpackung zu handeln.[13]

Rezeption

Metawertungen
DatenbankWertung
GameRankings61 %[14]
Wertungsspiegel
PublikationWertung
Allgame3/5[15]
GameFan77 %[20]
Game Informer3,5/10[19]
GameSpot2,8/10[6]
Hyper Magazine77 %[21]
IGN7,4/10[7]
Nintendo Power6,8/10[23]
Video Games73 %[25]
Gamecenter4/10[16]
Consoles+83 %[17]
EP Daily6/10[18]
Next Generation2/5[22]
Big.N74 %[24]

Das Spiel erhielt laut der Review-Aggregator-Website GameRankings gemischte Kritiken.[14]

Matt Casamassina von IGN schrieb, die Grafik des Spiels sei „sehr detailliert und abwechslungsreich.“ und die 3D-Polygon-Charaktere des Spiels „sehen ihren Pendants aus der Fernsehserie absolut ebenbürtig aus. In der Zwischenzeit sehen die 3D-Arenen des Spiels, die ebenfalls nach erkennbaren Orten aus der Show modelliert wurden, mit gestochen scharfen Texturen, animierten Hintergrundeffekten und viel Abwechslung großartig aus.“ Casamassina lobte auch das Kamerasystem des Spiels und die „super flüssige Bildrate“, kritisierte jedoch, dass keiner der Schauspieler aus der Fernsehserie dem Spiel seine Stimme lieh.[7] Casamassina war auch enttäuscht, dass die Charaktere jeweils nur „grob eine Handvoll Spezialbewegungen“ hatten, und bemerkte, dass „einige der Charakteranimationen etwas unbeholfen aussehen.“ Casamassina schloss mit dem Fazit, dass das Spiel „ein überraschend guter Fighter ist, der die Lizenz in Topform auf das Nintendo 64 bringt.“[7]

Doug Trueman von GameSpot schrieb: „Fast alles in diesem Spiel ist schlecht gemacht, außer der Musik – aber zweimal beim Spielen dieses Titels (wohlgemerkt der finalen Verkaufsversion) setzten die Soundeffekte und die Musik am Ende eines Kampfes grundlos komplett aus. Ein Neustart des Spiels ist die einzige Möglichkeit, den Ton wiederzubeleben.“ Trueman kritisierte die „grauenhafte“ Kollisionsabfrage und die „schrecklichen“ Animationen des Spiels, bemerkte jedoch die „gut gezeichneten“ Hintergründe.[6]

Christian Daxer von Videogames vergab eine Wertung von 73 % und sieht das Spiel als willkommene Bereicherung für Nintendo-64-Fans guter Kampfspiele. Die Grafik gehe in Ordnung, wobei besonders das Design der einzelnen Kämpfer als „verhältnismäßig gut gelungen“ und „ansprechend animiert“ hervorgehoben wird. Er urteilt: „Für Nintendo-only Prügler stellt Xena [...] eine gute Alternative dar.“ Er schränkt jedoch ein, dass Spieler keine „Effektorgien wie in Soul Calibur oder taktisches Gameplay wie in Tekken oder Virtua Fighter“ erwarten dürften, hält den Titel aber aufgrund der schön designten Charaktere und des mystischen Soundtracks vor allem für Fans der Serie für gelungen.[25]

Das Spielemagazin Big.N gab dem Spiel eine Wertung von 74 % und sieht im Mehrspielermodus den größten Glanzpunkt, da er vier Spieler gleichzeitig aufeinander eindreschen lässt, während der Einzelspielermodus für erfahrene Spieler als „zu leicht“ gilt. Grafisch gehört Xena zu den „soliden, wenn auch nicht herausragenden Spielen“, wobei vor allem die flüssigen Animationen und die spektakulären Luftkampfszenen überzeugen. Kritisiert werden hingegen die „etwas verschwommenen Außenansichten“ und das Fehlen von Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung. Auch der Sound, der neben einem gut gemachten, abwechslungsreichen Soundtrack „kurze, etwas asthmatische Sprachsamples“ und martialisches „Weibergekreische“ bietet, wurde als verbesserungswürdig angesehen. Das Fazit lautet: „Nur für Xena-Fans ein echtes Muss. Für alle anderen Mittelmaß.“[24]

GamePro schrieb in seiner Rezension: „Die recht einfachen Modelle bewegen sich nicht so gut, wie sie aussehen“, und bemerkte, dass „die verschiedenen Bewegungen und Angriffe unter etwas Ruckeln leiden.“ Der Autor schrieb auch: „Gute Musik und verschiedene Kampfgeräusche durchziehen das Schlachtfeld, werden aber von nervigen Schreien, Grunzen und ‚Oomphs‘ übertönt.“ Er erwähnte den guten Vier-Spieler-Modus des Spiels, beschrieb die Spezialbewegungen jedes Charakters jedoch als „unbeholfen und langsam in der Anwendung“.[26]

Scott Alan Marriott von AllGame schrieb: „Die überzeugendsten Aspekte des Spiels sind seine Grafik, die straffe Steuerung und die Möglichkeit, bis zu vier Spieler gleichzeitig zu unterstützen, wobei letzteres Feature fast allein schon den Eintrittspreis wert ist.“ Marriott lobte die Musik und einige der Sprachausgaben, sagte jedoch, die Soundeffekte „scheinen gedämpft zu sein.“ Marriott lobte auch die detaillierten Umgebungen des Spiels und schrieb: „Alle Charaktere sind als ihre Fernseh-Pendants erkennbar, was weit entfernt ist von der verschwommenen, körnigen Grafik anderer Kampf-Titel auf dem System. Obwohl es hier und da blockige und raue Kanten gibt, sind die Polygonmodelle recht gut und vermitteln das Gefühl, man würde mit den Stars der Serie kämpfen.“[15] Marriott war enttäuscht, dass dem Spieler „nicht mehr Freiheit gegeben wurde, Gegenstände aufzuheben, mehr als nur Wände zu erklimmen oder andere Elemente zu nutzen, die die Action hätten aufpeppen können. Ein weiterer Verbesserungsbereich wäre die Erhöhung der Anzahl der Bewegungen, die jedem Charakter zur Verfügung stehen. Abgesehen von den grundlegenden Schlägen und Tritten ist das Kampfsystem nicht sehr tiefgründig.“ Marriott schrieb, „es gibt nicht genug Inhalte, um einen nach mehrmaligem Durchspielen des Quest-Modus beschäftigt zu halten,“ obwohl er den Mehrspielermodus lobte und sagte, das Spiel „wird fast zu einem völlig neuen Erlebnis, wenn drei Freunde mitspielen.“[15]

Einzelnachweise

  1. a b Xena's New Gem. In: IGN. 3. Dezember 1998, abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  2. a b c Xena: Warrior Princess - The Talisman of Fate (1999) covers. In: MobyGames. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  3. a b Xena: Warrior Princess - The Talisman of Fate (1999) Nintendo 64 credits. In: MobyGames. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  4. Sam Kennedy: Xena Ships for Nintendo 64. In: GameSpot. Fandom, 6. Dezember 1999, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. Juli 2000; abgerufen am 4. Oktober 2023 (englisch).
  5. a b Xena: Warrior Princess: The Talisman of Fate Game Data Sheet. In: Nintendo64ever. Abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  6. a b c Doug Trueman: Xena: Warrior Princess: The Talisman of Fate Review. In: GameSpot. Fandom, 20. Dezember 1999, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. Januar 2005; abgerufen am 4. Oktober 2023 (englisch).
  7. a b c d Matt Casamassina: Xena: Warrior Princess, The Talisman of Fate. In: IGN. Ziff Davis, 7. Dezember 1999, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. Juni 2023; abgerufen am 4. Oktober 2023 (englisch).
  8. Lawless in 3D: Xena and Hercules on N64. In: IGN. 26. März 1998, abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  9. Eric Caen of Titus Software. In: IGN. 7. Mai 1998, abgerufen am 11. November 2025 (englisch).
  10. Titus to Forge Xena Fighter. In: IGN. 17. September 1998, abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  11. Titus Makes Xena Fighter Official. In: IGN. 22. Oktober 1998, abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  12. Saffire Interview: Xena - Talisman of Fate. In: IGN. 5. Oktober 1999, abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
  13. Mathieu Manent: Xena: Warriors Princess: The Talisman of Fate. In: N64 Anthology. Geeks Line, 2020, S. 308.
  14. a b Xena: Warrior Princess - The Talisman of Fate for Nintendo 64. In: GameRankings. CBS Interactive, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Mai 2019; abgerufen am 5. Mai 2020 (englisch).
  15. a b c Scott Alan Marriott: Xena: Warrior Princess -- The Talisman of Fate - Review. In: AllGame. All Media Network, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. November 2014; abgerufen am 8. November 2025 (englisch).
  16. Peyton Gaudiosi: Xena Warrior Princess: The Talisman of Fate. In: Gamecenter. CNET, 14. Januar 2000, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 23. August 2000; abgerufen am 27. Oktober 2021 (englisch).
  17. Arioch; Zano: Xena, la guerrière. In: Consoles+. Nr. 95, Dezember 1999, S. 148–49 (französisch).
  18. Miguel Lopez: Xena [Warrior Princess]: The Talisman of Fate. In: The Electric Playground. Greedy Productions Ltd., 13. April 2000, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Juli 2003; abgerufen am 4. Oktober 2023 (englisch).
  19. Xena: [Warrior Princess - The] Talisman of Fate. In: Game Informer. Nr. 81. FuncoLand, Januar 2000 (englisch).
  20. Levi Buchanan: REVIEW for Xena: [Warrior Princess - The] Talisman of Fate. In: GameFan. Shinno Media, 8. Dezember 1999, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 17. Mai 2000; abgerufen am 1. November 2017 (englisch).
  21. Arthur Adam: Xena: Warrior Princess - The Talisman of Fate. In: Hyper. Nr. 76. Next Media Pty Ltd, Februar 2000, S. 94 (englisch, nintendo64ever.com [abgerufen am 4. Oktober 2023]).
  22. Jeff Lundrigan: Xena: [Warrior Princess - The] Talisman of Fate. In: NextGen. Nr. 65. Imagine Media, Mai 2000, S. 98 (englisch, archive.org [abgerufen am 5. Mai 2020]).
  23. Xena: [Warrior Princess - The] Talisman of Fate. In: Nintendo Power. Band 127. Nintendo, Dezember 1999, S. 160 (englisch, nintendo64ever.com [abgerufen am 4. Oktober 2023]).
  24. a b Xena: Talisman Of Fate. In: Big.N. BriStein bv, Januar 2000, S. 38.
  25. a b Xena: The Talisman of Fate. In: Videogames. Future Verlag, Januar 2000, S. 112.
  26. The Freshman: Xena: Warrior Princess - The Talisman of Fate Review for N64 on GamePro.com. In: GamePro. IDG Entertainment, 29. Dezember 1999 (englisch, archive.org [abgerufen am 27. Oktober 2021]).