Wolfsbach (Wüstung)
Koordinaten: 50° 12′ 42,9″ N, 8° 17′ 31,6″ O
Wolfsbach ist eine Wüstung im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis und lag südöstlich von Idstein. Das Dorf wurde um 1250 erstmals erwähnt und lag schon vor 1481 wüst.
Lage und Geschichte
Das Dorf lag etwa zwei Kilometer südöstlich der heutigen Idsteiner Altstadt am gleichnamigen Wolfsbach, der nach Idstein fließt. Das Areal der Wüstung liegt heute auf einer Weide und ist nur über Feldwege zu erreichen.[1] Historische Namensformen sind überliefert aus der Zeit um 1250/1260 als „Wolvisbach“ dann 1336 als „Wolfisbach“ bzw. 1354 „Wolffisbach“ und Ende des 14. Jahrhunderts als „Wulfesbach“. Im 15. Jahrhundert ist der Name überliefert für 1444 als „Wolffsbach“, für 1465 als „Wolfeßbach“ und 1479 als „Wolßbach“. In den letzten Überlieferungen des 16. Jahrhunderts heißt das Dorf 1543 „Wulfsbach“ und 1548 wird der Markt genannt als „Wolspacher merth“.[2]
Die Anfänge des Dorfes legen im Dunkeln und selbst die Ersterwähnung wird nur mit „um 1250/1260“ angegeben.[3][2] Ab 1336 mehren sich die Informationen: In diesem Jahr gibt das Kloster Bleidenstadt im heutigen Taunusstein den Zehnten an Friedrich Ockeler, 1354 stimmte der Abt des Klosters Bleidenstadt zu, als Wolfsbach zum Wittum der Agnes von Veldenz, Schwiegertochter des Grafen Adolf I. von Nassau-Idstein erklärt wurde. 1360 erhielt das Dorf eine eigene Pfarrkirche, die dem Heiligen Dionysius gewidmet war.[3][2] Ausgeübt wurde die Herrschaft des Klosters Bleidenstadt über den Dinghof, in dem auch Gericht gehalten wurde.[4]
Um 1400 und weiterhin im 15. Jahrhundert wurde Wolfsbach vom Kloster Bleidenstadt als Lehen an Nassau-Idstein vergeben. Das Kloster behielt das Patronatsrecht,[2] im selben Jahr wird das Dorf als Filiale von Wörsdorf bezeichnet.[5] Im Jahr 1444 verpachtet der Bleidenstädter Abt Johann dem Idsteiner Grafen Adolf von Nassau das Amt des Schultheißen. Die letzten Informationen zum Dorf stammen aus den Jahren 1461 und 1474, als die vom Bermbach als Schultheißen belegt sind. Noch vor 1481 fiel das Dorf wüst. Die Bewohner siedelten nach Idstein um.[2][6]
Die Gemarkung des Dorfes wurde 1563 unter Idstein und Dasbach aufgeteilt. Das Kirchspiel Wolfsbach blieb weiterhin bestehen. Zu diesem gehörten Dasbach, Gassenbach und die spätere Wüstung Wiesborn, die eigentlich von Niederseelbach betreut werden sollte. Obwohl das Dorf verlassen war, wurde dort von den Dasbachern weiterhin die Messe abgehalten, die Kirche 1570 sogar noch erneuert. Auch der Markt wurde weiterhin in Wolfsbach abgehalten. Er wurde noch 1653 in Wolfsbach abgehalten und wurde dann auf Antrag der Idsteiner Bürgerschaft nach Idstein verlegt. Etwa zu diesem Zeitpunkt, 1656, stand die Kirche noch, wurde aber als baufällig beschrieben. Um das Jahr 1668 wurde sie schließlich abgebrochen. 1843 waren ihre Grundmauern noch erkennbar.[3][2][4]
Erhalten sind heute von der Wolfsbacher Kirche noch drei hölzerne Skulpturen, die Maria mit Kind, Jakobus und einen unbekannten Heiligen darstellen. Sie sind die Reste eines Altarretabels, eines Altaraufsatzes, und werden auf das die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts oder Anfang des 16. Jahrhunderts datiert. Heute befinden sie sich in der Evangelischen Kapelle Dasbach.[7]
Literatur
- Dagmar Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Konrad Theiss Verlag, Aalen und Wiesbaden 2003, ISBN 3-8062-1649-5.
- Waldemar Schmidt: Die Wüstung Wolfsbach bei Idstein. In: Nassauische Annalen, Band 75. Wiesbaden 1964, S. 231–233.
Weblinks
- Wolfsbach (Wüstung), Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Alt Idstein. Historisches Idstein, abgerufen am 22. September 2025
- Melanie Knölker: Wolfsbach Wüstung (Idstein), Ev. Stadtkirche – Hochaltarretabel, um 1500 – Objektdokumentation (= Mittelalterliche Retabel in Hessen. Ein Forschungsprojekt der Philipps-Universität Marburg, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Osnabrück 2012–2015), abgerufen am 22. September 2025
Einzelnachweise
- ↑ Kartographische Darstellung im Landegeschichtlichen Informationssystem Hessen, unter lagis-hessen.de
- ↑ a b c d e f Wolfsbach (Wüstung), Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- ↑ a b c Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus, S. 310
- ↑ a b Alt Idstein. Historisches Idstein
- ↑ Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus, S. 419
- ↑ Söder: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis II: Altkreis Untertaunus, S. 310, S. 331
- ↑ Knölker: Wolfsbach Wüstung (Idstein), Ev. Stadtkirche – Hochaltarretabel, um 1500 – Objektdokumentation