Wolfgang Gans zu Putlitz (Politiker)

Wolfgang Gans Edler Herr zu Putlitz (* 3. Januar 1857 in Retzin; † 31. Mai 1931 in Gundelsheim) war ein deutscher Gutsbesitzer und Politiker.

Leben

Wolfgang entstammte dem alten märkischen Adelsgeschlecht Gans zu Putlitz in der Prignitz, Familienlinie Groß Pankow-Retzin. Er war ein nachgeborener Sohn des Barons Gustav Gans zu Putlitz und der Elisabeth Gräfin von Königsmarck-Berlitt. Der Vater war Großgrundbesitzer und Eigentümer der Güter Retzin und Rohlsdorf. Wolfgangs Geschwister waren u. a. Lita zu Putlitz, Joachim Gans zu Putlitz, Konrad Gans zu Putlitz und als ältester Bruder Stephan Gans zu Putlitz.

Nach dem Gymnasium studierte er in München, Berlin, Freiburg im Breisgau, Heidelberg und Bonn Rechtswissenschaften. In Heidelberg wurde er Mitglied der Verbindung Rupertia.[2] Nach der Zeit als Referendar zuletzt als Regierungsreferendar in Stettin wandte sich zu Putlitz der Landwirtschaft zu. Er lernte auf verschiedenen Gütern und pachtete danach zunächst ein väterliches Gut. Nach neuesten Erkenntnissen wurde er bereits vor 1892 Besitzer von Barskewitz im Kreis Saatzig, Größe 1014 ha.[3]

Von 1907 bis 1918 saß er als Abgeordneter des Wahlkreises Regierungsbezirk Stettin 5 (Pyritz - Saatzig) für die Deutschkonservative Partei im deutschen Reichstag,[4] konnte sich hier gegenüber Rudolf Breitscheid durchsetzen.[5][6] Von 1904 bis 1907 war er zudem Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für die Konservativen beziehungsweise für den Bund der Landwirte.[7][8]

Wolfgang Gans zu Putlitz arbeitete mehrere Jahre lang als Legationssekretär in der deutschen Botschaft in Washington. Danach war er Geschäftsträger in Haiti.[9] Anfang Dezember 1931 war er Legationsrat und wurde in die Presseabteilung der deutschen Reichsregierung berufen.[10]

Am 14. April 1896 hatte er in Berlin Hedwig (* 5. Mai 1872 in Karlsruhe; † 5. Oktober 1938 in Barskewitz),[11] die Tochter des preußischen Generals der Infanterie Paul von Leszczynski und der Hedwig von Winterfeld-Nieden, geheiratet.[12] Das Ehepaar hatte keine Kinder.

Um 1914 war Wolfgang zu Putlitz kurzzeitig Pächter[13] der beiden Güter seines Schwiegervaters, Repten mit der Gutsanlage Lobendorf in der Niederlausitz, Landkreis Calau. Die Verwaltung überließ er aber einen Neffen. Später erbte seine Frau dieses Besitzungen, Hauptwohnsitz blieb aber Barskewitz in Pommern.[14]

Wolfgang Gans zu Putlitz wurde Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft.[15]

Werke

  • Familiengeschichte der Gans Edlen Herren zu Putlitz. erschienen 1929 [Masch.]
  • Wolfgang zu Putlitz: Lebensbild des Erbmarschalls Eduard zu Putlitz (1789–1881). In: Prignitzer Volksbücher. Heft 21, Verlag Albert Tienken, Pritzwalk 1911.
  • Wolfgang zu Putlitz-Barskewitz: Eduard zu Putlitz (1789–1881). Ein Stück Familiengeschichte, aus Briefen und Tagebuchblättern für die Familie zusammengestellt. Labes 1903.

Literatur

  • A. Plate: Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. Ausgabe für die 20. Legislaturperiode. Berlin 1904, S. 347.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1920. Siebzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1919, S. 252.

Einzelnachweise

  1. Lita zu Putlitz: Aus dem Bildersaal meines Lebens 1862 - 1931. Koehler & Amelang, Leipzig/Retzin 1931, zw. S. 64–65.
  2. Verbindung Rupertia in Heidelberg. Gesamt-Adressenverzeichnis vom Juli 1918. Karlsruhe 1918, Nr. 208.
  3. Pommersches Güter-Adressbuch. Verzeichniss. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. [1894]. Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 66 f.
  4. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1907. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. (d. einen Anhang erg. Auflage). Nachtrag. Die Reichstagswahl von 1907 (12. Legislaturperiode). Carl Heymanns Verlag, Berlin 1908, S. 13.
  5. Peter Pistorius: Rudolf Breitscheid 1874–1944. Kampf um Wahrheit und Macht. Auflage Online-Ressource, Schüren Verlag, Marburg 2024, ISBN 978-3-7410-0298-4, S. 36.
  6. Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. In: Statistik des Deutschen Reichs, Band 250; Verlag von Puttkammer & Mühlbrecht, Berlin 1913, S. 85.
  7. Bernhard Mann: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. In: Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3; Droste Verlag, Düsseldorf 1988, S. 306 f.
  8. Zu den Wahlergebnissen siehe Thomas Kühne: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. In: Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6, Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5182-3, S. 245–247.
  9. Aus der Dipolmatie. In: Sport im Bild / Der Silberspiegel, Heft 24/1932, S. 1097 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/sib
  10. Tagesneuigkeiten. In: Neues Wiener Journal, 9. Dezember 1932, S. 9 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwj
  11. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1942. Jahrgang 34, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 296.
  12. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 9, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. [1941], DNB 986919780, S. 284, Nr. 2884.
  13. Vgl. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. [1914]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe über 20 ha. Nach amtlichen Angaben. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 230–231.
  14. Vgl. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. [1929]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 193.
  15. Fritz Graf von Schwerin: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. 1907. No. 16, 1907, Verlag L. Beissner, Bonn-Poppelsdorf 1907, S. 323.