Gutshof Lobendorf

Der Gutshof Lobendorf liegt im eponymen Gemeindeteil der Stadt Vetschau/Spreewald im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg. Gutshaus, Nebengebäude und der südwestlich anschließenden Landschaftspark stehen in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz.

Geschichte und Architektur

Das Gut Lobendorf wurde im Jahr 1450 urkundlich erwähnt und gehörte damals der Familie von Zabeltitz. Ab spätestens 1660 wechselten die Besitzer häufig.[1] Das Herrenhaus im Barockstil wurde im 18. Jahrhundert als Wohnhaus der Gutsherren errichtet. Es ist ein zweigeschossiger Putzbau aus Ziegelmauerwerk mit Mansardwalmdach und neun Achsen.[2] Die Fassade ist symmetrisch gegliedert, die Fenster sind rechteckig. In der Mitte befindet sich ein Eingangsportal mit Korbbogen, davor eine zweiläufige, gebogene Freitreppe mit einem dazwischen liegenden Brunnen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden auf dem Gutsgelände eine Werkstatt und zwei Ställe als einfache Ziegelbauten.

Bereits weit vor 1790 war der bürgerliche Peter König der örtliche Gutsbesitzer, ihm gehörte auch Gut Tornitz. Königs Söhne wurden nobilitiert. Johann Georg von König erhielt als Erbe Gut Lobendorf und heiratete Johanna Christine Müller. Ihre Söhne wiederum wurden alle zwischen 1782 und 1789 in Lobendorf geboren, wählten aber doch den Offiziersberuf.[3]

Vor der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mehrfach die Familie von Rabenau als Gutsherren genannt, welche genealogisch eine eigene Unterlinie Repten (Repten-Lobendorf) bilden. Dies war zunächst August Ferdinand von Rabenau-Repten (1748–1813), nachfolgend der Sohn Erdmann von Rabenau-Repten (1780–1852), Rittmeister, später dessen Sohn,[4] der Leutnant Herrmann Karl von Rabenau (1813–1874). Lobendorf galt 1845 als Mannlehn.[5][6] Dessen Tochter Alma von Rabenau ehelichte Hugo von Krackevitz-Falkenhayn, der nach Genealogen kurzzeitig der Gutsbesitzer wurde, dann früh verstarb.[7]

Etwa im Jahr 1878 kam das Gut Lobendorf in den Besitz des polnisch-deutschen Adelsgeschlechts von Leszczyński. Erworben hatte es der später hochdekorierte Offizier Paul von Leszczynski. Er war mit Hedwig von Winterfeld-Nieden verheiratet. Gut Lobendorf, 373 ha, war zusammen mit dem Gut in Repten, 471 ha, ein Gesamtkomplex.[8] In den 1910er Jahren Gab der General das Gut[9] in Pacht an seinen Schwiegersohn, den Politiker Wolfgang Gans zu Putlitz (1857–1931). Ab 1918 besaß die Tochter des Generals, Hedwig Freifrau Gans zu Putlitz geb. von Leszczynski (1872–1938), die Güter in Lobtendorf und Repten.[10]

Die Erben verkaufte das Gut in den 1930er Jahren, die neuen Besitzer wurden bei der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg nicht enteignet und bewirtschafteten das Gut in der DDR weiter.[11] 1990 wurde die Gutsanlage von einem Ehepaar gekauft, die zunächst einen alten Stall zu einem Wohnhaus umbauten. Das Gutshaus wird heute zu Wohnzwecken genutzt, die umgebaute Scheune als Ferienwohnung.[12]

Literatur

  • Götz von Houwald: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band 4 Kreis Kalau, Teil 2. In: Bibliothek familiengeschichtlicher Quellen. Band 35; Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1992. ISBN 3-7686-4130-9.
Commons: Gutsanlage Lobendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2013, ISBN 978-3-9419-1989-1, S. 318 f.
  2. Gutshaus Lobendorf in der privaten Datenbank Alle Burgen. Abgerufen am 24. Februar 2022.
  3. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1907. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 412 f.
  4. Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 2, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893, S. 500.
  5. Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 115.
  6. Vgl. Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 178.
  7. Marcelli Janecki (Red. zug.): Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 3, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft, Vaterländische Verlagsanstalt. W. T. Bruer, Berlin 1899, S. 309.
  8. Vgl. P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 36–39, doi:10.18452/377 (Digitalisat). Reprint: ISBN 3-226-00787-4.
  9. Vgl. Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. [1914]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe über 20 ha. Nach amtlichen Angaben. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 230–231.
  10. Vgl. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. [1929]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 193.
  11. Denkmalgeschütztes Anwesen mit jahrhunderte alter Geschichte., In: Gutshof-Lobendorf.de. Stand 24. Februar 2022.
  12. Uwe He(e)gewald: Dorfbewohnern steigt der Wind in die Nase., In: Lausitzer Rundschau, 16. Oktober 2017, Stand 24. Februar 2022.

Koordinaten: 51° 46′ 10,5″ N, 14° 4′ 51″ O