Winnipeg (Bär)

Winnipeg oder Winnie (* 1914 in Ontario, Kanada; † 12. Mai 1934 im London Zoo) war der Name einer Schwarzbärin, die von 1915 bis zu ihrem Tod 1934 im Londoner Zoo lebte. Sie wurde von dem Kavallerietierarzt Harry Colebourn von einem Jäger erworben und ist vor allem dafür bekannt, dass sie A. A. Milne und E. H. Shepard zu ihrem Romancharakter Pu der Bär inspirierte.[1]

Geschichte

Mit dem Start des Ersten Weltkriegs im August 1914 meldete sich der Leutnant Harry Colebourn vom kanadischen Kavallerieregiment The Fort Garry Horse freiwillig zum Dienst. Am 24. August 1914 kaufte er in White River, in der kanadischen Provinz Ontario, auf dem Weg nach Valcartier in Québec, wo er sich beim Canadian Army Veterinary Corps melden sollte, ein junges Schwarzbärenmädchen für 20 kanadische Dollar (rund 440 Euro 2025). Die Mutter des Bären war vermutlich im Frühjahr 1914 getötet worden, als das Jungtier noch sehr klein war. Daher konnte sich das Tier leicht an den Umgang mit Menschen gewöhnen. Der Name des Jägers, der die Bärin verkaufte und vermutlich für deren frühe Sozialisation sorgte, ist nicht bekannt.[2][3]

Colebourn nannte die Bärin "Winnipeg Bear", kurz „Winnie“, nach seiner Heimatstadt Winnipeg in Manitoba, Kanada. Winnie begleitete ihn zunächst nach Valcartier und anschließend nach England, wo sie zum Maskottchen des Canadian Army Veterinary Corps sowie zum Liebling des Hauptquartiers der Zweiten Kanadischen Infanteriebrigade wurde. In seinen während des Krieges geführten Tagebüchern schreibt Colebourn, dass er und Winnie am 3. Oktober 1914 von der Gaspé-Bucht aus an Bord der S.S. Manitou nach England aufbrachen. Am 17. Oktober trafen sie ein und reisten weiter nach Salisbury Plain.[4][5]

Bevor Colebourn an die Front nach Frankreich ging, da die Armee einen heimlichen Aufbruch dorthin plante, brachte er Winnie am 9. Dezember 1914 im Londoner Zoo unter. Er sagte, dass es Tierquälerei sei, das Tier mit auf das Schlachfeld zu nehmen. Ursprünglich war geplant, die Bärin nach dem Krieg in den Assiniboine Park Zoo in Winnipeg zu bringen. Er wollte das Tier in London nach rund zwei Wochen abholen. Er kehrte allerdings erst im Jahr 1918 nach Lodon zurück. Bei seiner Rückkehr nach dem Kriegsende entschied sich Colebourn jedoch, dass Winnie im London Zoo bleiben durfte, wo sie wegen ihres verspielten und sanften Wesens sehr beliebt war und zum Publikumsliebling wurde. Im Jahr 1919 fand dort eine offizielle Zeremonie statt, bei der eine Gedenktafel angebracht wurde, die Colebourn als Spender der Bärin auswies. Harry Colebourn besuchte Winniepeg immer wieder.[1][6]

Zu Winnies regelmäßigen Besuchern gehörte ab 1924 auch Christopher Robin Milne, der Sohn des Schriftstellers A. A. Milne. Er benannte daraufhin seinen eigenen Teddybären von "Edward Bear" in "Winnie-the-Pooh" um, eine Kombination aus Winnies Namen und "Pooh", dem Namen eines Schwans, den er häufig fütterte. Dies inspirierte A. A. Milne zu seinen bekannten Geschichten über Winnie-the-Pooh.[1][4]

Nach Winnies friedlichem Tod im Jahr 1934 wurde ihr Schädel im Hunterian Museum des Royal College of Surgeons in London aufbewahrt und 2025 erstmals öffentlich ausgestellt.[7]

Würdigungen

Es gibt mehrere Statuen und Gedenktafeln, die an Winnipeg erinnern. 1981 wurde im Londoner Zoo eine Statue von Winnipeg vom Bildhauer Lorne McKean enthüllt, zusammen mit einer Gedenktafel für Winnie.[8][9][10]

Eine Bronzestatue von Winnie und Colebourn, die Händchen halten, welche vom Bildhauer William Epp errichtet wurde, steht im Assiniboine Park Zoo in Winnipeg, genauer gesagt auf dem Naturspielplatz des Parks. Die Statue und die Gedenktafel wurden ursprünglich am 6. August 1992 im Assiniboine Park Zoo enthüllt und vom Kinsmen Club of Winnipeg gestiftet. Epps Entwurf findet sich auch in einer weiteren Statue im Londoner Zoo wieder, die 1993 aufgestellt wurde. Im Assiniboine Park befindet sich außerdem in der Pavilion Gallery eine Dauerausstellung namens "The Pooh Gallery", die Objekte, Archive, Bücher und Kunstwerke von Winnipeg und Colebourn zeigen.[8][9][10][11]

1996 gab Canada Post die Briefmarkenserie "Winnie and Lieutenant Colebourn, White River, 1914" heraus. Die Entwürfe stammten von Wai Poon und Anthony Van Bruggen und das Computerdesign von Marcelo Caetano. Die 45-Cent-Briefmarken sind 12,5 × 13 mm groß und wurden von Ashton-Potter Limited gedruckt.[8][9][12]

1997 wurde dem Londoner Zoo von der Stadt White River in Ontario, wo Colebourn Winnie zum ersten Mal begegnete, eine Gedenktafel gestiftet. Am 30. Mai 1999 wurde im Zoo in der Nähe von Winnies ehemaligem Zuhause eine besondere Gedenktafel angebracht, die Colebourns Verdienste um die Fort Garry Horse und das kanadische Veterinärkorps würdigt.[11]

Darstellung in den Medien

Die Geschichte von Winnipeg wurde 2004 in dem Film A Bear Named Winnie verfilmt. Michael Fassbender spielte darin Colebourn und Bonkers, ein 454 Kilogramm schwerer männlicher Amerikanischer Schwarzbär, verkörperte die erwachsene Winnie.[13]

Im Jahr 2011 schrieb die aus Winnipeg stammende Autorin M.A. Appleby, deren Vater mit Colebourns Sohn befreundet war, ein Kinderbuch über das Leben der Bärin mit dem Titel Winnie the Bear.

Im Jahr 2015 erschien das Kinderbuch "Finding Winnie" von Colebourns Urenkelin Lindsay Mattick. Es ist illustriert und erzählt die Geschichte Winnipegs auf eine für Kinder verständliche, aber dennoch faktenbasierte Weise. Das Buch wurde 2016 mit der Caldecott-Medaille ausgezeichnet.[14]

Galerie

Commons: Winnipeg the Bear – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Wayback Machine. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  2. Steve Thompson: Winnie the Bear. Archiviert vom Original am 12. Februar 2015; abgerufen am 15. Dezember 2025 (britisches Englisch).
  3. Val Shushkewich: The Real Winnie: A One-of-a-Kind Bear. Dundurn, 2005, ISBN 978-1-77070-439-8 (google.de [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
  4. a b Winnie the Bear. In: The Fort Garry Horse Museum & Archives. 4. Oktober 2016, abgerufen am 15. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. Gary Brown: The great bear almanac. New York : Lyons & Burford, 1993, ISBN 978-1-55821-210-7 (archive.org [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
  6. Wayback Machine. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  7. The skull of the 'real' Winnie goes on display. In: BBC News. 20. November 2015 (bbc.com [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
  8. a b c Historic Sites of Manitoba: Winnie-the-Bear Statue (Assiniboine Park, Winnipeg). Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  9. a b c Attractions | Tourism Winnipeg. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  10. a b The Pooh Gallery | Assiniboine Park Conservancy. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  11. a b Winnie the Pooh origins | London Zoo. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (englisch).
  12. Winnie And Lieutenant Colebourn, White River, 1914 - Canada Postage Stamp | Winnie the Pooh. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  13. Finding Winnie: The True Story of the World’s Most Famous Bear | ALA. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (englisch).
  14. „Finding Winnie.“ (Kinderliteratur - Mattick, Lindsay and Sophie Blackall) – Buch gebraucht kaufen – A02zYAC101ZZF. Abgerufen am 15. Dezember 2025.