William-Shakespeare-Straße 10 (Weimar)

Die William-Shakespeare-Straße 10, auch genannt Haus Gebhardt ist eine Villa in der Westvorstadt in Weimar.

Geschichte

Zum Bauherrn

Harry Gebhardt war ein Verlagsbuchhändler in Weimar. Zusammen mit Gerhard Demmering und Albert Hartung betrieb er als Teilhaber und Geschäftsführer die übernommene Weimarer Hofdruckerei und den Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger.[1], die sie in eine GmbH umwandelten.[2] Sonstige genauere Lebens- und Wirkungsdaten zu Gebhardt sind nicht vorhanden.

Zur Villa

Zur Bauzeit hieß die 1911 angelegte Straße Kirschbachstraße, benannt nach dem naheliegenden Kirschbach.[3] Der Beiname Haus Gebhardt rührt vom Bauherrn, dem Verlagsbuchhändler Harry Gebhardt her, der die Villa 1927/28 nach dem Entwurf des Weimarer Architekten Hans Meisel errichten ließ. Der vollständig unterkellerte Ziegelbau mit Walmdach ist ein charakteristisches Zeugnis des Art déco in Weimar, welches glücklicherweise keine Veränderung erfahren hatte. Für die Bauten Meisels ist es nach Ansicht des Kunsthistorikers Rainer Müller kennzeichnend in dieser Zeit die Suche nach der Verbindung der traditionellen Hausform mit ausdrucksstarken Elementen wie den Klinkerverbänden und den eingeschossigen diagonal gestellten Eckvorbauten an der Straßenfront wie z. B. Trierer Straße 48. Der Außenbau ist mit einem Kalkkratzputz versehen und am Sockel mit Tuffstein, im Erdgeschoss teilweise mit Klinkern verkleidet. Manche Fenster haben Klappläden wie im Obergeschoss, was auf Einflüsse der Landhausarchitektur schließen lässt. Die Dachbedeckung erfolgte mit Biberschwänzen und an der Straßenseite ist eine große Hechtgaube zu sehen. An der dreiachsigen Straßenfassade ist die Mitte durch das schwache Vorrücken des mittleren Wandfeldes, durch die Klinkerflächen seitlich des Hauseinganges und durch die Loggia des Obergeschosses akzentuiert. Der axialsymmetrischen Fassadengestaltung entsprechen der Mittelweg im eingesenkten Vorgarten und die dreizonige Grundrissanlage, wobei die mittlere Zone mit Treppenhaus, Diele und Küche zu beiden Seiten von den Wohnräumen begleitet wird. Die bauzeitliche Ausstattung mit u. a. den Glattholztüren, den Parkett- und Dielenfußböden und die im Lauf mehrfach verzogene Holztreppe ist vollständig erhalten.[4] Zu DDR-Zeiten befand sich hier die Redaktion für die Thüringen GLAUBE und HEIMAT Evangelische Wochenzeitung für Thüringen.[5]

Einzelnachweise

  1. Verkauf der Großherzoglich Sächs. Hof-Buchdruckerei und der Verlagsbuchhandlung an Gerhard Demmering und Albert Hartung. N. F.: Hermann Böhlaus Nachfolger. E. F. Steinacker in Leipzig übernimmt weiter die Kommission. Inhaber: Hermann Böhlau... auf www.deutsche-digitale-bibliothek.de
  2. Umwandlung in eine GmbH. Als Geschäftsführer Albert Hartung und Harry Gebhardt und für die Buchdruckerei Hermann Donat. Inhaber: Albert Hartung; Harry Gebhardt; Hermann Donat auf www.deutsche-digitale-bibliothek.de
  3. Gitta Günther, Rainer Wagner: Weimar. Straßennamen. RhinoVerlag, Ilmenau 2012, S. 139.
  4. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 856.
  5. Werner Claus: Branchenführer Medien DDR, 1990, S. 27.

Koordinaten: 50° 58′ 37,9″ N, 11° 18′ 48,1″ O