Willi von Klewitz

Wilhelm (Willi) von Klewitz (* 3. Februar 1872 in Magdeburg; † 1. Oktober 1928 in Berlin-Schlachtensee)[1] war ein deutscher Oberst und Freikorpsführer.

Leben

Herkunft und Familie

Wilhelm von Klewitz stammte aus der briefadeligen Familie Klewitz und war ein direkter Nachfahre des Wilhelm Anton von Klewitz. Er hatte einen jüngeren Bruder namens Otto (1873–1933). Ihre Eltern waren Albrecht von Klewitz (1835–1896)[2] und dessen erste Ehefrau Marianne von Klewitz geb. Severin (1843–1877). Der Vater, der sich in zweiter Ehe mit Oktavia Jürgens vermählte,[3] Willis Stiefmutter, war Abteilungsleiter bei der Feuerversicherungs-Gesellschaft in Magdeburg und ein ehemaliger Leutnant. Ein Bruder des Vaters war der Landrat Otto von Klewitz. Der Adelsstand von dessen Sohn, des späteren Generalmajors Wolf von Klewitz (1873–1961), und der Brüder Willi und Otto von Klewitz wurde in den 1890er Jahren mehrmals durch das Heroldsamt bestätigt.[3] Willi war seit dem 5. Oktober 1895 mit Gabriele (Elly) Stürcke (1875–1957) verheiratet, einer Tochter des Bankiers Adolf Stürcke und seiner Frau Anna (geb. Grobe gen. Lindner). Das Ehepaar bekam sechs Töchter, darunter Hildegard, die früh verstorbene Ursula, Anni, Gertrud und Dorothee.

Offizierslaufbahn und Erster Weltkrieg

Nach Besuch des preußischen Kadettenkorps in Bensberg und der Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde diente er kurzzeitig im Pagenkorps am deutschen Kaiserhof.[4] Er trat 1890 mit dem Patent vom 22. März desselben Jahres als Leutnant in die preußische Armee, genauer gesagt das 1. Thüringische Feld-Artillerie-Regiment Nr. 19 ein.[5] Nach Absolvierung der preußischen Kriegsakademie fand er nachfolgend als Stabsoffizier Verwendung.[6] Er wurde am 22. März 1912 zum Major befördert. Klewitz diente bis dahin im Großen Generalstab.[7]

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges blieb er als Generalstabsoffizier tätig und wurde 1915 Erster Generalstabsoffizier der 3. Armee unter General der Kavallerie Karl von Einem. Nach mehreren Versetzungen übernahm er von November 1916 bis Januar 1917 das Kommando des westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 55, wurde ab 1. Februar Chef des Stabes der 3. Armee und am 22. März 1917 zum Oberstleutnant befördert. Nach einer kurzen Verwendung als Chef des Stabes der 2. Armee diente er ab dem 21. September desselben Jahres bis Kriegsende wieder als Chef des Stabes der 3. Armee. Für Verdienste während der Schlacht um Verdun wurde er am 6. August 1917 mit dem Pour le Merité ausgezeichnet und erhielt nach Abwehrerfolgen der 3. Armee in der zweiten Schlacht bei Noyon am 26. August 1918 das Eichenlaub verliehen.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende ging er nach Berlin und baute dort im Frühjahr 1919 das 872 Mann starke Freikorps Klewitz auf,[8] das nach den Berliner Märzkämpfen auch in Chemnitz und besonders Oberschlesien Verwendung fand. Sein Nachfolger als Freikorpsführer wurde Major Walter Schulz. Nach der Gründung der vorläufigen Reichswehr wurde er als charakterisierter Oberst[9] im Reichswehrministerium eingestellt. Am gescheiterten Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik war er als Chef des Stabes von Walther von Lüttwitz[10] an führender Stelle beteiligt. Der Untersuchungsausschuss empfahl, von Klewitz und zahlreiche andere Offiziere unter Anklage zu stellen und aus dem Dienst zu entlassen.[11] Noch im Jahr 1920 wurde er aus dem aktiven Heer entfernt.[6]

Nach seiner Entlassung trat er 1925 mit mehreren weiteren deutschen Offizieren, darunter den Fliegern Major Albrecht von Massow und Major Eugen Freiherr von Massenbach (1895–1983), als Lehrer in die türkische Kriegsakademie ein, um als Chef einer informellen deutschen Militärmission in der Türkei Mustafa Kemal bei der Reorganisation der türkischen Armee zu unterstützen.[12][13] Er starb unerwartet während eines Heimataufenthalts im Herbst 1928 in Berlin-Schlachtensee.[9]

Genealogie

Einzelnachweise

  1. Archivdatenbank GStA.SPK-Berlin.de: 2. Familie. Stand 2023.
  2. Friedrich Wilhelm Albrecht von Klewitz in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  3. a b Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Bestandsverzeichnis der Signatur VI. HA, Nl Klewitz, W. A. v. Klewi(t)z, Wilhelm Anton von: 2. Familie.
  4. Unser Sein werden und Gewesen sein. Die Familienchronik der Familie von Klewitz. S. 47 bis 51.
  5. Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für 1892. Mit den Anciennetäts-Listen der Generalität und der Stabs-Offiziere. Nach dem Stande vom 1. April 1892. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1892, S. 358 f. Digitalisat
  6. a b Hanns Möller-Witten: Geschichte der Ritter des Ordens „Pour le mérite“ im Weltkrieg. Band 1: A.-L. Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1935.
  7. Vgl. Preußisches Kriegsministerium (Hrsg.): Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des VIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1912. Mit den Dienstalterslisten. Nach dem Stande vom 6. Mai 1912. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1912, S. 1255. Digitalisat
  8. Die Bürgerlichen Parteien in Deutschland. Band 2: Fraktion Augsburger Hof-Zentrum. Das Europäische Buch Berlin / Verlag Bibliographisches Institut, Mannheim/Leipzig 1968 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. a b Militär-Wochenblatt. Jg. 113, Nr. 19 vom 18. November 1928, Sp. 758.
  10. Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1984, ISBN 3-17-008378-3, S. 87.
  11. Coburger Zeitung. Älteste nationale Tageszeitung Coburgs. Jg. 59, Nr. 104, 5. Mai 1920 (Digitalisat).
  12. Sabine Mangold-Will: Begrenzte Freundschaft. Deutschland und die Türkei 1918-1933. Wallstein Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-2469-5, S. 368 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13. Resut Alkan: Turkish-German Military Relations in the Early Years of the Republic and the Activities of General Hilmar von Mittelberger in Military Academy. In: Gazi Akademik Bakış, Band 14, Nr. 28 (Sommer 2021), ISSN 1307-9778, S. 95–114, hier: S. 100.