Wilheringer Stiftshaus
Das Wilheringer Stiftshaus steht im Altstadtviertel der Stadtgemeinde Linz in Oberösterreich. Das Gebäude mit der Adresse Altstadt Nr. 13 gehörte fast vier Jahrhunderte lang dem Stift Wilhering und steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).
Geschichte
Linke Haushälfte
Am 14. August 1477 übergab Kaiser Friedrich III. seinem Truchseß Tiburtius Sinzendorffer das Haus des verstorbenen Bernhard Jörger zu Linz.[1] In den 1520er-Jahren übernahmen die Jörger von Tollet das Haus und ließen es umbauen. Um 1600 entstand der Arkadengang. Der letzte Besitzer aus der jörgischen Familie war Freiherr Karl Jörger, der als Oberhauptmann der ständischen Truppen beim Einmarsch der Bayern im Jahr 1620 verhaftet wurde und am 4. Dezember 1623 in der Veste Oberhaus in Passau im Kerker verstarb. Schon zuvor am 2. Januar 1622 hatte das Stift Wilhering das Gebäude in der Linzer Altstadt erworben, um die in Linz studierenden Ordensangehörigen dort unterzubringen. Kaiser Ferdinand II. bestätigte die Übernahme des Gebäudes durch das Stift Wilhering mit einem Kauf- und Schutzbrief, der am 29. April 1623 ausgestellt wurde.
Rechte Haushälfte
Im Jahr 1595 besaß der Landschafts-Einnehmer Martin Tausent dieses Gebäude. Am 16. Februar 1616 verkaufte Hanns Wilhelm Haunoldt das Haus an seinen Nachbarn Karl Jörger. Die Witwe Rosina von Herberstein, geborene Polheim, besaß das Haus von 1622 bis 1628. Abt Georg von Wilhering zahlte den „Leikauf“ von 150 Reichstalern am 13. Mai und die gesamte Kaufsumme von 1800 Gulden am 11. September 1628.[2] Am 11. März 1630 schloss das Stift Wilhering mit der Stadt Linz einen Vertrag, wonach dieses Haus unter der Jurisdiktion und Obrigkeit der Stadt bleiben und keine landesfürstliche oder kaiserliche Freiheit erhalten sollte. Doch bereits am 31. Mai 1634 unterzeichneten der Abt von Wilhering und die Stadt Linz einen weiteren Vertrag, der gegen eine Bezahlung von 350 Gulden das Haus von allen bürgerlichen Lasten und der Jurisdiktion befreite.[3]
Stiftshaus
Etwa in den 1640er-Jahren wurde zwischen den beiden Häusern das monumentale Portal als Tordurchfahrt zum neu entstandenen Innenhof errichtet. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erfolgten der Umbau und die Vereinigung der beiden, zuvor jeweils dreiachsigen Freihäuser.
Nachdem die Herrscherin Maria Theresia 1749 die Steuerfreiheit aufgehoben hatte, musste das Stift eine jährliche Haussteuer von 41 Gulden an die Stadt Linz zahlen. Beim großen Schloss- und Stadtbrand im Jahr 1800 erlitt das Wilheringer Stiftshaus einen Schaden von 5500 Gulden.[4]
Seit 2003 ist das Gebäude in Privatbesitz.[5]
Architektur
Die Fassade des dreigeschoßigen, achtachsigen Gebäudes zeigt eine einheitliche frühbarocke Gliederung, sie lässt durch die unterschiedlichen Abstände der Fensterachsen die Entstehung aus zwei älteren Häusern aber noch erkennen. In der Mitte des Erdgeschoßes befindet sich ein rundbogiges Portal aus massigen Granitquadern, über dem das reich verzierte Wappen des Stiftes Wilhering aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts prangt. Die rechte Hälfte des Erdgeschoßes ist durch spätere Geschäftseinbauten gestört.
An der nördlichen, der Sonne zugewandten Hoffront befindet sich ein zweijochiger Arkadengang von Ende des 16. Jahrhunderts bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts. Die beiden rundbogigen Doppelarkaden ruhen auf toskanischen Granitsäulen.
Siehe auch
Literatur
- Linz, Altstadt, Bauten im Straßenverband, Nr. 13/Wilheringer Stiftshaus. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Linz 2009. S. 59–60.
- Georg Grüll: Die Freihäuser in Linz. Verlagsanstalt Gutenberg, Linz 1955, S. 184–187 (Kapitel „34. Stift Wilheringer Freihaus“).
- Hanns Kreczi: Linzer Häuserchronik. Pirngruber, Linz 1941, S. 59–60, Laufnr. 76 und 77.
Weblinks
- Freihaus des Klosters Wilhering. In: stadtgeschichte.linz.at, Denkmäler in Linz.
Einzelnachweise
- ↑ Grüll 1955, S. 184.
- ↑ Grüll 1955, S. 185.
- ↑ Grüll 1955, S. 186.
- ↑ Linzer Häuserchronik. S. 60.
- ↑ Karin Haas: Das Haus, in dem der Prälat im Bett empfing und 13 eine Glückszahl ist. In: nachrichten.at. 10. August 2022, abgerufen am 29. September 2025.
Koordinaten: 48° 18′ 17,6″ N, 14° 17′ 5,4″ O