Nonnberger Stiftshaus

Das Nonnberger Stiftshaus steht am Hofberg 4 im Altstadtviertel der Stadtgemeinde Linz in Oberösterreich. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte

Das ehemalige Nonnberger Stiftshaus ist das älteste, historisch nachweisbare Haus in der Stadt Linz. Am 23. Januar 1273 bestätigte Papst Gregor X. die Freiheiten und Rechte des Frauenstiftes Nonnberg in Salzburg. Das Haus diente als Sitz für die Verwalter, die sich um die Besitzungen des Stiftes am Gründberg (zwischen Höllmühlbach und Haselbach) und in der Nähe von St. Valentin in Niederösterreich kümmerten.[1] Im Keller des Hauses wurde im Herbst der Wein zwischengelagert, der von den niederösterreichischen Weinbergen Donau-aufwärts gebracht wurde und für das Kloster Nonnberg bestimmt war.

Laut einem Schreiben von Kaiser Maximilian I. vom 18. Dezember 1517 dürfte das Stiftshaus mit einer Gerichtsexemption privilegiert gewesen zu sein. Der Kaiser ermächtigte nämlich die Stadt Linz, Verbrecher auch im Stiftshaus zu ergreifen. Bei Kapitalverbrechen sollten sogar Diener der Prälaten und der Adeligen in deren Häusern verhaftet werden können. Kaiser Maximilian hätte jedoch gehört, dass das Stiftshaus von seien Vorfahren befreit worden wäre, und er befahl deshalb der Äbtissin, eine solche Befreiung vor dem Stadtrichter urkundlich zu beweisen. Sollten keine Urkunden vorhanden sein, die Äbtissin aber nach altem Gebrauch handeln, behielt sich der Kaiser weitere Maßnahmen vor.[2] Ein ähnliches Schreiben erging auch an den Besitzer des Starhemberger Freihauses.[2]

Am 10. April 1579 verliehen Äbtissin und Konvent das baufällige Haus zu ewigem Erbrecht an ihren damaligen Verwalter Jobst Schmidtauer, der schon ein Jahr vorher mit dem Neubau des Hauses begonnen hatte. Als Ausnahme behielt sich das Kloster freies Kellerrecht, eine geheizte Stube für die Beauftragten des Klosters, eine Kammer mit Bettgewand und die Stallung für drei Pferde samt Futter und Streu vor.[2] Schmidtauer musste sich aber bald mehreren Gerichtsverfahren stellen, weil er 1582 der Stadt Linz den Burgrechtspfennig nicht mehr zahlen wollte und 1594 dem nonnbergischen „Ansitzer“ zu Linz die geheizte Stube nicht mehr zur Verfügung stellen wollte.[3] Ein weiterer Rechtsstreit mit der Stadt Linz wegen unerlaubter Einquartierung von unbürgerlichen Inleuten und „Spänung“ des Hauses wurde am 10. Oktober 1629 beigelegt.[3] 1635 bestand im Haus noch das Gefängnis für die Stiftsuntertanen des Nonnberger „Amtes enhalb der Donau“. Die Schmidtauerischen wollten kein Gefängnis mehr für ungehorsame Klosteruntertanen unterhalten, verloren aber den Prozess, der vor der Landeshauptmannschaft geführt wurde, gegen das Kloster. Das Urteil wurde im Jahr 1643 auf eine Appellation hin auch von der NÖ. Regierung bestätigt.[4]

Im Lauf des 17. Jahrhunderts zog das Stift Nonnberg aber immer weniger Nutzen aus seinen Rechten am Stiftshaus. Der Wein wurde auf direktem Weg nach Salzburg geführt, der Verwalter nützte sein Quartierrecht kaum mehr aus, und die Straffälligen wurden schließlich ins Gerichtshaus der Stadt Linz gebracht. Es ist auch möglich, dass die Rechte, die dem Stift Nonnberg keinen Nutzen mehr brachten, gegen eine Geldzahlung abgelöst wurden.[4] Ab 1650 beherbergte das Haus einen Gasthof, wo sich die Zunfttruhe der Linzer Fasszieherinnung befand. 1771 trug das Gasthaus den Namen „Zur weißen Gans“ und wurde später „Zum bairischen Hof“ genannt.

Kaiser Joseph II. hielt sich bei seinen Reisen oft in Linz auf und übernachtete dabei zumindest in den Jahren 1771, 1779, 1783 und 1786 im ehemaligen Stiftshaus Nonnberg,[5] woran eine Steintafel unter dem Mittelfenster des zweiten Obergeschoßes erinnert:

„Dem Andenken des unvergesslichen Kaisers Josef, welcher in den Jahren 1783 und 1786 in diesem Hause wohnte, die Landeshauptstadt Linz am 13. März 1870“

Die Fassade wurde 1957 restauriert, Versuche zur Festigung des Hauses durch Betonieren das Kellers erfolgten 1959/60.

Architektur

Der renaissancezeitliche Neubau mit engem Arkadenhof ersetzte in den späten 1570er- und frühen 1580er-Jahren das baufällige Freihaus des Stiftes Nonnberg, das älteste urkundlich nachgewiesene Haus von Linz. Das Gebäude, das wohl unter Verwendung mittelalterlicher Bausubstanz errichtet wurde, besitzt vier Geschoße mit teilweise vorgeblendetem Dachgeschoß und fünf Fensterachsen. Die spätbarocke Obergeschoß-Gliederung stammt aus den 1780er-Jahren.

Das Hauptportal mit zwei verzierten Pfeilern auf Prellsteinen ist mit der Jahreszahl 1578 bezeichnet.

Ins Haupthaus führt der kreuzgratgewölbte Mittelflur, der in den Arkadengang des Hofes mündet. Die vierläufige Treppe ist mit kreuzgratgewölbten Podesten versehen. Im zweiten Obergeschoß befindet sich das Kaiserzimmer mit mächtiger Renaissance-Riemlingdecke auf verdoppeltem Rüstbaum mit Kerbschnitzerei und gekehlten Kanten.

Siehe auch

Literatur

  • Linz, Altstadt, Bauten im Straßenverband, Hofberg Nr. 4. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Linz 2009. S. 90–91.
  • Georg Grüll: Die Freihäuser in Linz. Verlagsanstalt Gutenberg, Linz 1955, S. 119–121 (Kapitel „14. Nonnberger Stiftshaus“).
  • Hanns Kreczi: Linzer Häuserchronik. Pirngruber, Linz 1941, S. 76, Laufnr. 99, Konskr.-Nr. 133.
Commons: Hofberg 4 (Linz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hertha Schober-Awecker: Das Nonnberger Amt „enhalb der Donau“. In: Jahrbuch der Stadt Linz 1952. Linz 1953, S. 358 (ooegeschichte.at [PDF]).
  2. a b c Grüll 1955, S. 119.
  3. a b Grüll 1955, S. 120.
  4. a b Grüll 1955, S. 121.
  5. Walter Pillich: Kaiser Joseph II. in Linz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 1963. Linz 1964, S. 145 (ooegeschichte.at [PDF]).

Koordinaten: 48° 18′ 20,7″ N, 14° 17′ 5,9″ O