Wilcze Błota Kościerskie
| Wilcze Błota Kościerskie | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
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| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Powiat: | Kościerski | |
| Gmina: | Stara Kiszewa | |
| Geographische Lage: | 54° 1′ N, 18° 11′ O | |
| Einwohner: | ||
Wilcze Błota Kościerskie (deutsch Hoch Paleschken, früher Wolfsbruch)[1] ist ein Dorf im Verwaltungsbezirk Gmina Stara Kiszewa im Powiat Kościerski der polnischen Woiwodschaft Pommern.
Geographische Lage
Das Dorf liegt in der historischen Landschaft Pommerellen im ehemaligen Westpreußen, südlich des Alt Paleschker Sees, etwa 17 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Kościerzyna, drei Kilometer südöstlich des Kirchdorfs Nowe Polaszki und zwei Kilometer südlich des Kirchdorfs Stare Polaszki.
Geschichte
In älterer Zeit gehörte zu dem Gutsbezirk Alt Paleschken im Kreis Berent die Pustkowie (Einöde) Wolfsbruch oder Wilczeblott, die später Hoch Paleschken genannt wurde.[2] Als in Hoch Paleschken der Gutsbesitzer Mehring ab etwa 1850 damit begann, Teile seiner Feldmark urbar zu machen, stieß er auf ein prähistorisches Steinkistengrab, das durch Steinplatten in vier Kammern unterteilt war, in denen sich je eine Urne befand. In der Gegend wurden häufig Urnen unter Steinhaufen gefunden.[3]
Am 5. März 1289 verlieh Herzog Mestwin II. von Pommern dem Kloster Byszewo (Bissow) das Dorf Paleschken frei von allen Lasten und in bestimmten Grenzen.[4] 1359 kam diese Besitzung, die damals ein größeres Gebiet umfasste, zusammen mit anderen Dörfern für 600 Mark durch Kauf an den Deutschen Orden.[5]
Um 1780 gehörte das Gratial-Dorf und Vorwerk Alt Paleschken, zu dem Wolfsbruch gehörte, zum adligen Gut Bankau, südsüdwestlich von Neuenburg (Weichsel) gelegen, und hatte 28 Feuerstellen (Haushaltungen).[6] 1818 hatte das Hauptgut Alt Paleschken 24 Feuerstellen, und es gehörten dazu zehn Hufen Fichten- und Eichenwald, vier Seen von fünf Morgen und ein Krug; die früher in Betrieb gewesene Wassermühle war abgebrannt.[7] Die zugehörige Ortschaft Wolfsbruch hatte 1818 zwei Feuerstellen und elf Einwohner.[8]
Am 26. Februar 1829 wurden die Güter Alt Paleschken und Neu Paleschken, jedoch ohne die Nebenvorwerke Wollfsbruch, Kuhberg und Ignacewo, sowie die Hakenbude in Neu Paleschken öffentlich dem Meistbietenden auf drei Jahre zur Pacht angeboten.[9]
Im Jahr 1868 wurden Maßnahmen eingeleitet, um die Anbindung des Gutsbezirks Hoch Paleschken an das Straßennetz zu verbessern.[10]
Der Ritterguts-Komplex Paleschken hatte sich um 1856 im Besitz der Hannemann-Erben befunden,[11] einer Gutsbesitzerfamilie im Kreis Neustadt in Westpreußen. Das Gut Hoch Paleschken, das damalige Wolfsbruch, erbte Friederike Eleonore Hannemann (1809–1894), die Alexander Karl Heinrich Treichel (1811–1839) ehelichte und mit ihm den Sohn Alexander Treichel zeugte. Nach dem frühen Ableben ihres Ehemanns heiratete sie in zweiter Ehe den Hauslehrer Mehring. 1876 übertrug sie das Gut ihrem Sohn Alexander, der es von einem Gutsverwalter bewirtschaften ließ. 1888 kam es auf dem Gutshof zu einem Großbrand, dem Wirtschaftsgebäude und Vieh zum Opfer fielen. Nach dem Tod Alexander Treichels 1901 wurde das Gut später von seinen Erben an die Preußische Ansiedlungskommission verkauft und von dieser anschließend parzelliert.[12]
- Dorf und Umgebung
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Dorfeingang (2022)
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Umgebautes Gebäude des ehemaligen Gutshofs (2024)
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Gebäude der ehemaligen Gutsschmiede (2012)
Am 14. Oktober 1908 wurde der Gutsbezirk Hoch Paleschken in eine Landgemeinde gleichen Namens umgewandelt.[13]
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 661,6 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Hoch Paleschken 44 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 83 Pferde, 254 Stück Rindvieh, zehn Schafe und 479 Stück Borstenvieh hielten.[14]
Das Dorf Hoch Paleschken gehörte bis nach Ende des Ersten Weltkriegs zum Kreis Berent im westpreußischen Regierungsbezirk Danzig des Deutschen Reichs.
Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste die Region mit dem Dorf Hoch Paleschken 1920 zum Zweck der Verlegung des sogenannten Polnischen Korridors durch westpreußisches Territorium an Polen abgetreten werden. Nach dem Überfall auf Polen 1939 trat die bisher polnische Landgemeinde Wilczebloto am 26. Oktober 1939 zum Deutschen Reich, wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen angegliedert und in Hoch Paleschken umbenannt; am 25. Juni 1942 erfolgte die Umbenennung der Gemeinde Hoch Paleschken in Hochpaleschken.[13]
Hoch Paleschken bildete 1945 eine Landgemeinde im Landkreis Berent im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Dorf Hoch Paleschken im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt und anschließend der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die deutschsprachigen Einheimischen nicht vor Kriegsende geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der polnischen Administration aus Hoch Paleschken vertrieben.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1780 | – | Neusasserei mit zwei Feuerstellen (Haushaltungen), zum Gratial-Bauerndorf und Vorwerk Alt Paleschken gehörig, Gratial-Besitz des polnischen Kammerherrn v. Skoczewski[15] |
| 1818 | 11 | Wohnplatz mit zwei Feuerstellen (Haushaltungen), adelige Besitzung, zu Alt Paleschken gehörig, davon drei Lutheraner und acht Katholiken[8] |
| 1852 | 130 | Dorf[16] |
| 1864 | 156 | am 3. Dezember, Gutssbezirk[17] |
| 1867 | 134 | am 3. Dezember, Gutsbezirk[18] |
| 1871 | 146 | am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 80 Evangelische und 66 Katholiken[18] |
| 1885 | 149 | am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 95 Evangelische und 54 Katholiken[19] |
| 1895 | 159 | am 2. Dezember, Gutsbezirk, davon 43 Evangelische und 116 Katholiken[20] |
| 1905 | 175 | am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 49 Evangelische (sämtlich mit deutscher Muttersprache) und 126 Katholiken (sieben mit deutscher und 119 mit polnischer Muttersprache)[21] |
| 1910 | 251 | am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 220 mit deutscher Muttersprache (212 Evangelische, keine Katholiken und acht Sonstige) und 31 mit polnischer Muttersprache (sämtlich Katholiken)[22] |
Kirchspiel bis 1945
Die Evangelischen gehörten zum Kirchspiel Neu Paleschken.[23][24]
Das katholische Kirchspiel war in Alt Paleschken.
Trivia
Zum Gutsbezirk Hoch Paleschken gehörte ein kleiner Teil des Hütten-Sees mit einer Insel mit Baum- und Röhricht-Bewuchs. Gutsbesitzer Treichel berichtete 1893 von einer Stelle neben der Insel, an der ein 30–45 Zentimeter hoher Wasserstrahl über dem Seespiegel aus einer unterseeischen Quelle hervorsprudelte.[25]
Persönlichkeiten
- Alexander Treichel (1837–1901), deutscher Jurist und Volkskundler, besaß seit 1876 das Gut Hoch Paleschken und verstarb hier
Literatur
- Hoch Paleschken, Dorf, Kreis Berent, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Hoch Paleschken (meyersgaz.org)
- Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Band 2: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 70, Ziffer 3.) (Google Books).
- H. Schuch: Historische Nachrichten über die Landschaft um Berent und die Anfänge ihrer Germanisirung vornehmlich im 13. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Westpreußischen Geschichichtsvereins, S. 55–118, insbesondere S. 93–97 (Google Books).
Weblinks
- Amtsbezirk Altkischau (Territorial.de)
- Fotos des Gutes Hochpaleschken der Familie Treichel im Bildkatalog des Herder-Instituts in Marburg
Einzelnachweise
- ↑ Verzeichniss sämmtlicher Ortschaften des Preussischen Post-Bezirks, Teil II: Ortschaften in den Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, Preussen und Schlesien, Berlin 1866, S. 1386 (Google Books).
- ↑ Der Adel und der adlige Grundbesitz. In: Mitteilungen der Königl. Preussischen Archivverwaltung. Ausgabe 19, S. Hirzel, 1911, S. 80 (Google Books, eingeschränkte Vorschau).
- ↑ Albert Voß: Ueber Alterthümer der Gegend Alt-Paleschken im Kreise Berent (Pomerellen). In: Zeitschrift für Ethnologie. Achter Band, Berlin 1876, S. 166–168 (Google Books).
- ↑ Max Perlbach: Pommerellisches Urkundenbuch. Bertling, Danzig 1881, S. 400–401, Nr. 447 (Google Books).
- ↑ Johannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens, Gebrüder Bornträger, Band 5, Königsberg 1832: Die Zeit vom Hochmeister Ludolf König von Weizau 1342 bis zum Tode des Hochmeisters Konrad von Wallenrod 1393, S. 131, Fußnote 2) (Google Books).
- ↑ Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Band 2: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 70, Ziffer 3.) (Google Books), und S. 163 (Google Books).
- ↑ Danziger Regierungs-Departement: Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), IV. Berenter Kreis, S. 96–97, Ziffer 197 (Google Books).
- ↑ a b Danziger Regierungs-Departement: Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), IV. Berenter Kreis, S. 106–1077, Ziffer 301 (Google Books).
- ↑ Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Danzig, No. 11, 18. März, Danzig 1829, Oeffentlicher Anzeiger (Beilage), S. 68 (Google Books).
- ↑ Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten, 1868, Nr. 1 bis incl. 79, Berlin 1868, S. 483–483, Nr. 7093 (Google Books).
- ↑ Karl Friedrich Rauer: Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter, Berlin 1857, S. 63 (Google Books).
- ↑ Treichel, Alexander, 1837–1901 (Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen)
- ↑ a b Amtsbezirk Altkischau Territorial.de.
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Heft 2: Provinz Westpreußen. Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Danzig. 9. Kreis Berent. S. 28–29, Ziffer 69 (Google Books).
- ↑ Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Band 2: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 253 (Google Books).
- ↑ Kraatz: Topographisch-statistische Beschreibung des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 452 (Google Books).
- ↑ Preußisches Statistisches Landesamt: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Bezirk Danzig. Berlin 1867, 1. Kreis Berent, S. 18–25, Ziffer 127 (Google Books).
- ↑ a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 376–377, Ziffer 177 (Google Books).
- ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885. Band II: Provinz Westpreußen. Berlin 1887, S. 44–45, Ziffer 141 (Google Books).
- ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für die Provinz Westpreußen. Auf Grund der Materialien der Volszählung vom 2. Dezember 1895, Berlin 1898, 1. Regierungsbezirk Danzig, 10. Kreis Karthaus, S. 44–45, Ziffer 137 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905, Heft II: Provinz Westpreußen. Berlin 1908, 1. Kreis Berent, S. 6–7, Ziffer 135 (Google Books).
- ↑ Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft II: Regierungsbezirk Danzig. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt, S. 2–3, 1. Kreis Berent, Ziffer 34 (Google Books).
- ↑ Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 50, § 7 (Google Books).
- ↑ Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 458 (Google Books).
- ↑ Alexander Treichel: Sagen, in: Zeitschrift des historischen Vereins für der Regierungs-Bezirk Marienwerder, Marienweder 1893, 31. Heft, S. 29–73, insbesondere S. 57 (Google Books).