Wieskapelle (München)

Die Wieskapelle, auch Salvatorkapelle (capella Salvatoris) genannt, war eine Kapelle in München. Sie war Jesus Christus in seiner Eigenschaft als Salvator mundi (Retter der Welt) geweiht.

Lage

Die Kapelle lag südlich des Kleinen Rathauses in einer Häuserzeile an der östlichen Hangkante des Petersbergl gegenüber dem Chor von St. Peter. Sie war zwischen zwei höheren Häusern eingespannt. Heute liegt an der Stelle der alten Häuserzeile die Caféterrasse des Café Rischart auf dem Flachdach der Metzgerzeile.

Geschichte

Im Jahr 1319 wurde die Kapelle als capella Salvatoris erstmals urkundlich erwähnt.[1] Ihre volkstümliche Bezeichnung Wieskapelle erhielt sie im 18. Jahrhundert durch eine Darstellung des gegeißelten Heilands, der Gnadenfigur der Wieskirche. Weitere bekannte Bezeichnungen des Bauwerks waren Herrgottskapelle und Unseres Herrn Kapell.

Von früheren Stadthistorikern wurde sie oft als ältestes Kirchengebäude Münchens angesehen, das schon vor dem ersten Bau der Peterskirche errichtet worden sein soll. Gemäß einer Gedenktafel an der Sakristei von St. Peter soll sie dagegen 1280 erbaut worden sein. Mehrheitlich wird mittlerweile jedoch die Meinung vertreten, sie sei erst im 14. Jahrhundert errichtet worden, möglicherweise im Zusammenhang mit der Errichtung der Fleischbank am Fuß der Hangkante ab 1315.[2]

1329 vereinigt der Gegenpapst Nikolaus V. die Verwaltung der Salvatorkapelle und der am Südrand des Petersplatzes gelegenen Nikolauskapelle und bestätigte der Stadt München das Patronatsrecht an den beiden Kapellen.[3]

Der ursprünglich gotische Bau wurde im 18. Jahrhundert mit Stuck und Deckengemälden barockisiert. Eine Ansicht aus der Zeit um 1800 zeigt sie mit hohen Fenstern, einem Eingang vom Peterplatz aus an ihrem Südende und einem barocken Glockenstuhl mit zwei Glocken darüber.[2]

1803 wurde die Wieskapelle nach der Säkularisation in Bayern profaniert und von der Pfarrei St. Peter an die Stadt München verkauft, die sie als Erweiterung für die bislang in ihrem nördlichen Nachbargebäude untergebrachte Registratur nutzte. In späteren Ansichten ist weder der wohl zugemauerte Eingang noch der wohl entfernte Glockenstuhl zu erkennen, und die hohen Fenster sind zu kleinen Rechteckfenstern reduziert. 1880 wurde die Kapelle gemeinsam mit der gesamten Ostbebauung des Petersplatzes abgerissen, um Platz für den Neubau der Metzgerzeile zu schaffen.[2]

Beschreibung

Die Wieskapelle war ein Bauwerk mit einem etwa quadratischen Grundriss von ungefähr 8 × 8 Metern. Sie war niedriger als die benachbarten zwei- und dreigeschossigen Häuser und trug ein Satteldach. An der Ostseite hatte sie einen schmalen Anbau. Die Außenmauern waren schlicht und ohne jegliche Gliederung. Beidseitig hatte die Kapelle jeweils drei Fenster. Im Inneren war die Kapelle ein vierjochiger Saalbau mit Stichkappengewölbe.[2]

Das nur von Osten her zugängliche Untergeschoss hatte wie die südlich benachbarten Gebäude Gewölbe, die von der benachbarten Fleischbank genutzt wurden. Das stützt den Zusammenhang zwischen dem Bau der Kapelle und der Häuserzeile mit dem Bau der Fleischbank.[2]

Literatur

  • Wieskapelle St. Salvator. In: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 760.
Commons: Wieskapelle (München) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Helmuth Stahleder: Herzogs- und Bürgerstadt. Die Jahre 1157–1505. Hrsg.: Richard Bauer (= Chronik der Stadt München. Band 1). Heinrich Hugendubel Verlag, München 1995, S. 89.
  2. a b c d e Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 760.
  3. Helmuth Stahleder: Herzogs- und Bürgerstadt. Die Jahre 1157–1505. Hrsg.: Richard Bauer (= Chronik der Stadt München. Band 1). Heinrich Hugendubel Verlag, München 1995, S. 103.

Koordinaten: 48° 8′ 10,57″ N, 11° 34′ 35,8″ O