Werth (Wuppertal)
Der Werth ist die zentrale Einkaufsstraße in der Fußgängerzone im Stadtteil Barmen der nordrhein-westfälischen Großstadt Wuppertal. Sie entstand auf dem Gelände zwischen der Wupper und dem Mühlengraben, auf dem früher der sogenannte Werther Hof stand.
Verlauf
Der Werth beginnt am Alten Markt in der Barmer Fußgängerzone. Von dort erstreckt er sich ca. 650 Meter in östliche Richtung und endet an der Höhne (Bundesstraße 7). Sowohl am westlichen Ende am Alten Markt als auch am östlichen Ende an der Werther Brücke befindet sich jenseits der Bundesstraße 7 eine Station der Wuppertaler Schwebebahn.
Am Werth liegen drei Plätze: der Alte Markt, der Rathausvorplatz des Wuppertaler Rathauses, der zu Ehren des verstorbenen Bundespräsidenten und Wuppertaler Oberbürgermeisters Johannes Rau 2006 in Johannes-Rau-Platz umbenannt wurde, und der Geschwister-Scholl-Platz.
Etymologie
Der Name Werder bezeichnet als geografischer Begriff eine Binneninsel. Er spiegelt die Lage einer 1466 erstmals urkundlich erwähnten Hofschaft Barmens im Amt Beyenburg wider, die sich zwischen der Wupper und dem Barmer Mühlengraben befand.[1]
Geschichte
Werther Hof
Der Werther Hof gehörte zum Höfeverband des Oberhofs Wichlinghausen in Oberbarmen und war seit 1384 ein Allod des Grafen von der Mark. Territorial lag das Gebiet um Werth von 1324 bis 1420 im märkischen Kirchspiel und Gogerichtsbezirk Schwelm und ging danach an das bergische Amt Beyenburg über, wo es Teil der Bauerschaft Barmen wurde. Da der Werther Hof um 1466 noch ungeteilt war, war seine Abgabenlast mit 67,5 Schilling an die herzoglichen Kameralverwaltung in Beyenburg und fünf Schilling als Zehnt vergleichsweise hoch. 1641 wird die Größe des Hofguts mit 42 Morgen angegeben.
Die Barmer Honoratiorenfamilien Werth und De Weerth entstammen diesem Hofgut.
1642 lagen an der Straße neben dem Hauptgut fünf weitere Höfe.[1]
Entwicklung zur Einkaufsstraße
In der Neuzeit entwickelte sich das Dorf Gemarke am westlichen Ende des Hofes als Siedlungskern der späteren Großstadt Barmen. Von dem zentralen Marktplatz Gemarkes, dem heutigen Alten Markt, führte die Straße zur Hofschaft Werth und von dort weiter nach Schwelm. Bereits im 18. Jahrhundert war die Straße im Bereich des Alten Marktes zu beiden Seiten bebaut.[1] Mit dem raschen Anwachsen zur Großstadt Mitte des 19. Jahrhunderts erweiterte sich das Ortszentrum entlang der gesamten Straße. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts fuhr eine Straßenbahn über die Straße, die erst seit 1935 Werth heißt. Vorher wurde der untere Teil bis zum Heubruch auch Mittelstraße oder Nieder-Werder-Straße genannt, der obere Teil Ober-Werder-Straße oder Werther Straße. Von 1938 bis 1945 wurde sie als „Straße der Alten Garde“ geführt und die Benennung auf die heutige Länge bis zur Werther Brücke ausgedehnt.[1]
Mit der autogerechten Stadt und der Planung der breiten Talstraße wurde schon 1939 darüber nachgedacht, die entlasteten, engen Straßen zum Bummeln zu nutzen. Nach dem Krieg wurden die Ideen weiterentwickelt. 1960 baute man den Werth auf dem unteren Abschnitt zwischen Alter Markt und Rolingswerth zur Fußgängerstraße um.[2] Ende der 60er Jahre entwickelte das Stadtplanungsamt nach Erfahrungen aus Elberfeld ein Konzept, die gesamte Barmer Innenstadt autofrei zu machen. Nachdem die Umfahrungsstraßen weitgehend ausgebaut waren, wurde der Werth 1971 auch im mittleren Teil bis zur Rudulf-Herzog-Straße zur Fußgängerzone umgestaltet. Es folgten die Umbauten der umliegenden Nebenstraßen und 1978 auch der letzte Abschnitt am oberen Werth[3] mit dem Brunnen.[1]
Weitere Entwicklung
1985 beschloss der Wuppertaler Stadtrat, seine Fußgängerzonen zu modernisieren. Die Planung für den Werth wurde 1987 vorgestellt und enthielt neues Pflaster, Begrünung und Überdachungen, die allerdings schnell wieder abgebaut wurden. Bei der Neugestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes wurden ebenfalls Überdachungen und Tore über den Werth installiert.[4]
2011 gründeten Hauseigentümer die Vorläuferorganisation für eine Immobilien- und Standortgemeinschaft für den Werth.[5] Die ISG Barmen-Werth ist seit 2013 aktiv und will vor allem den Standort verschönern, besser vermarkten sowie die Organisation regelmäßiger Veranstaltungen organisieren. Als erstes Projekt wurde Paul Decker von der Mundartgruppe Striekspöen zum „City-Hausmeister“ ernannt.[6][7]
2018 beschloss die Stadtpolitik eine neue Straßenraumgestaltung für den Werth als Teil des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Barmen. Im September 2025 wurde der Spatenstich begangen, die neu gestaltete Fußgängerzone sollte Ende 2026 (später: Frühjahr 2027[8]) fertiggestellt werden.[9]
Denkmale und Kunstwerke im öffentlichen Raum
Einige der erhaltenen klassizistischen Gebäude an der Straße stehen unter Denkmalschutz. Hervorzuheben sind das Rathaus, die Barmer Ruhmeshalle und das Gesellschaftshaus Concordia.
Vor dem Westflügel des Rathauses befindet sich auf dem Werth seit 1981 das Bronzerelief „Das Tal der Wupper“ von Bert Gerresheim. Ein Bismarck-Denkmal am Übergang zum Geschwister-Scholl-Platz und der Werther Brunnen am östlichen Ende der Straße.
Seit 1987 ist der Werth Teil des Wuppertaler Astropfads, der auf einer Länge von 10,7 Kilometern maßstabsgetreu das Sonnensystem darstellt. Der Werther Brunnen ist als Sonne der Ausgangspunkt des Pfads, der in Vohwinkel endet.
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„Das Tal der Wupper“ auf dem Johannes-Rau-Platz
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Werther Brunnen am Ende des Werths
Weblinks
- Eintrag In: Wuppertaler Denkmalliste
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Wolfgang Stock: Wuppertaler Straßennamen : Ihre Herkunft und Bedeutung. Thales Verlag und ENK Verlag, Essen-Werden und Bocholt 2002, ISBN 3-88908-481-8, S. 386 f.
- ↑ Heinrich Heyken: „Fußgängerparadiese“ für Elberfeld und Barmen. April 2016, S. 2–3 (stadtgeschichte-wuppertal.de [PDF]).
- ↑ Heinrich Heyken: „Fußgängerparadiese“ für Elberfeld und Barmen. April 2016, S. 10–12 (stadtgeschichte-wuppertal.de [PDF]).
- ↑ Heinrich Heyken: „Fußgängerparadiese“ für Elberfeld und Barmen. April 2016, S. 13–15 (stadtgeschichte-wuppertal.de [PDF]).
- ↑ Geschichte der ISG Barmen-Werth. Abgerufen am 22. September 2025 (deutsch).
- ↑ Janina Walter: Paul Decker wird der City-Hausmeister für den Werth. In: Westdeutsche Zeitung. 27. Mai 2013, abgerufen am 22. September 2025.
- ↑ Friedemann Bräuer: Barmen: Was die ISG alles am Barmer Werth bewegt hat. In: wz.de. 29. Februar 2020, abgerufen am 22. September 2025.
- ↑ Jule Kristina Frank: In großen Schritten zur neuen Fußgängerzone in Wuppertal-Barmen. In: Westdeutsche Zeitung. 7. November 2025, abgerufen am 9. November 2025.
- ↑ Barmer Fußgängerzone als „Kulturteppich“: Spatenstich für den neuen Werth mit Dörte und Tuffi. In: Wuppertaler Rundschau. 18. September 2025, abgerufen am 22. September 2025.
Koordinaten: 51° 16′ 18,3″ N, 7° 12′ 6,2″ O