Werner Wiemann

Werner Wiemann (* 10. Juni 1944 in Dietfurt (Wartheland)) ist ein deutscher Politiker (AfD, vorher FDP), der von 1990 bis 1995 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin war.

Leben

Wiemann ist gelernter Koch und diplomierter Lebensmittelchemiker, der in der DDR ein synthetisches Ananas-Aroma entwickelte.[1] Ab 1987 studierte er Theologie, blieb jedoch ohne Abschluss.[1] Mit der politischen Wende in der DDR machte sich Wiemann selbstständig und vertrieb von seinem Wohnort in Berlin-Biesdorf aus Obstweine sowie Met.[1][2] Im Jahr 1990 gehörte er zu den Gründern des Lobbyverbandes Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis (MHWK).[3]

Politik

Ab September 1989 war Wiemann an der Gründung der FDP der DDR beteiligt,[4] dessen erstes Parteiprogramm er mitentwarf.[5] Von Mai 1990 bis Dezember 1990 gehörte Wiemann für die FDP der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Berlin-Marzahn an.[6] Anschließend wechselte er ins Berliner Abgeordnetenhaus. Ab der Wahl 1990 gehörte er bis Oktober 1994 der FDP-Fraktion an und wechselte dann bis zum Ende der Legislatur-Periode 1995 zur Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen.[7][8] Er warf der FDP Fehler bei der Privatisierung ostdeutscher Unternehmen vor und kritisierte die politische Strategie, nur um Zweitstimmen zu werben.[7] Zuvor hatte Wiemann auch die Haltung seiner Partei zum früheren LDPD-Funktionär und letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR Manfred Gerlach kritisiert.[9][10] Zur Bundestagswahl 1994 war Wiemann, obwohl er wenige Tage zuvor die Partei verlassen hatte, Direktkandidat der FDP im Wahlkreis Hellersdorf-Marzahn, der von Gregor Gysi (PDS) gewonnen wurde.[11] Bei der parlamentarischen Abstimmung über die Fusion der Bundesländer Berlin und Brandenburg stimmte Wiemann 1995 gegen den Staatsvertrag.[12]

Seit 2016 ist Wiemann für die AfD Berlin als Mitglied in der Bezirksverordnetenversammlung von Marzahn-Hellersdorf, seit 2021 als Fraktionsvorsitzender.[13] In der BVV fiel er auf, indem er die NS-Verherrlichung durch seine Parteikollegen relativierte[14][15] und den Zusammenarbeitsverzicht anderer Parteien mit der AfD als dem nationalsozialistischen Antisemitismus ebenbürtig bezeichnete.[16]

Literatur

  • Werner Breunig, Andreas Herbst (Hrsg.): Biografisches Handbuch der Berliner Abgeordneten 1963–1995 und Stadtverordneten 1990/1991 (= Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin. Band 19). Landesarchiv Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-9803303-5-0, S. 394.

Einzelnachweise

  1. a b c Volksvertreter. In: Die Tageszeitung. 22. April 1991, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  2. Peter Wawerzinek: Ach, hätte Zappa doch nur einen Penis hinterlassen. In: Die Welt. 20. Juli 2015, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  3. Wer ist fleißiger? In: mhwk.de. 19. Mai 2011, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  4. Aufruf zur Gründung einer F.D.P. In: Freiheit. 6. Januar 1990. Seite 5.
  5. Falk Illing: Die sächsische FDP seit 1990. Auf dem Weg zur etablierten Partei? Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-04656-9. Seite 62.
  6. Festschrift 20 Jahre Bezirksverordnetenversammlung – Mai 1990 bis Mai 2010. (PDF) Norbert Eyck, 27. Mai 2010, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  7. a b Noch ein FDPler weniger. In: Die Tageszeitung. 14. Oktober 1994, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  8. Christoph Sells: Die dritte Partei in vier Jahren. In: Die Tageszeitung. 12. Dezember 1994.
  9. LDPD-Chef entzweit FDP. In: Die Tageszeitung. 16. April 1991, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  10. Buffet für die Blockflöte. In: Die Tageszeitung. 8. November 1991, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  11. Berliner FDP-Direktkandidat verlässt seine Partei. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Oktober 1994.
  12. Severin Weiland: Die grosse Stunde der Jasager. In: Die Tageszeitung. 23. Juni 1995.
  13. Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen 2016. In: Der Landeswahlleiter für Berlin. Abgerufen am 23. Dezember 2025.
  14. Ingo Salmen: Nach Nazi-Lob ihres Fraktionsvizes: AfD beklagt "Hasspropaganda" in Marzahn-Hellersdorf. In: Tagesspiegel. 26. Januar 2017, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  15. Ingo Salmen: Das taktische Verhältnis der AfD zum Nationalsozialismus. In: Tagesspiegel. 2. Juni 2020, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  16. Ralf Fischer: Konsensual mit der AfD. In: Jungle World. 12. März 2020, abgerufen am 23. Dezember 2025.