Wera Dmitrijewna Chanschonkowa
Wera Dmitrijewna Chanschonkowa (russisch Вера Дмитриевна Ханжонкова; * 3. Oktoberjul. / 15. Oktober 1892greg. in Moskau; † 28. Mai 1974) war eine russische Filmeditorin und die zweite Ehefrau des Filmproduzenten Alexander Chanschonkow.
Leben und Wirken
Wera Popowa wuchs in einer armen Familie auf. Nach dem frühen Tod des Vaters konnte sie dank der finanziellen Unterstützung ihrer beiden Schwestern eine höhere Mädchenschule besuchen.
Seit 1910 arbeitete sie in der neu eröffneten Moskauer Filiale der französischen Filmgesellschaft Pathé frères in der Abteilung für Schnitt. 1912 wechselte sie zum Filmstudio von Alexander Chanschonkow. Dort wirkte sie bald als verantwortliche Schnittmeisterin an einigen Filmen mit, darunter auch von Jewgeni Bauer, der ihr mehrmals sogar dessen letzte Zusammenstellung alleine überließ.[1]
Nach der Februarrevolution 1917 zog sie mit Alexander Chanschonkow und dessen Mitarbeitern nach Jalta auf der Krim, 1920 dann mit dessen Familie nach Konstantinopel, Mailand und Wien. 1925 kehrte sie mit Alexander Chanschonkow nach Moskau zurück, während dessen erste Ehefrau Antonina Chanschonkowa im Ausland blieb. Sie heirateten 1925. Wera Chanschonkowa bearbeitete zunächst ausländische Filme bei Goskino, die in der Sowjetunion gezeigt werden sollten, und war danach als Schnittmeisterin ab 1926 bei Proletkino, ab 1927 bei der Allukrainischen Foto- und Filmverwaltung (WUFKU) und ab 1929 bei Sowkino tätig. Ab 1930 stellte sie Wochenschauen und Kurzfilme für Wostokfilm zusammen.
Ab 1948/1950 war Wera Chanschonkowa beim Staatlichen Filmarchiv Gosfilmofond. Dort sortierte sie die ungeordneten Bestände der vorrevolutionären Stummfilme, von denen viele keinerlei Bezeichnungen trugen, identifizierte und restaurierte sie. Dazu lud sie öfter auch beteiligte Schauspieler zu Vorführungen ein, um unbekannte Filme zu identifizieren.
Wera Chanschonkowa galt in den 1960er und 1970er Jahren unter sowjetischen Filmschaffenden als die beste noch lebende Kennerin des vorrevolutionären russischen Stummfilms und konnte viele Erinnerungen zu deren Entstehungen erzählen.[2] Sie war auch die älteste der drei bedeutenden frühen russischen Filmeditorinnen, neben Esther Schub und Jelisaweta Swilowa, die wichtige Einflüsse auf die künstlerische Entwicklung des russischen Films hatten.
Ehrungen
- 1969 Verdienter Filmschaffender der RSFSR[3]
- 2012 Alexander Chanschonkow und Wera Popowa von Julija Kisselewa, Dokumentarfilm für den Fernsehsender Rossija-kultura
Filmografie (Auswahl)
Wera Chanschonkowa war als Editorin an einigen russischen Filmen beteiligt, darunter mit den bekannten Regisseuren Jewgeni Bauer und Lew Kuleschow.
- 1917 Sumerki, auch Szenarium
- 1917 Der König von Paris
- 1918 Das Projekt des Ingenieurs Pright
- 1928 Das elfte Jahr[4]
- 1960 Dokumentarfilme über Lew Nikolajewitsch Tolstoi, Kompilationsfilm
Weblinks
- Женщины-монтажеры в российском кино: Вера Дмитриевна Ханжонкова (Попова) Apparatus Journal, 2018 (deutsch), mit vielen biographischen Details
- Wera Chanschonkowa kino teatr (russisch)
Einzelnachweise
- ↑ Filmeditorinnen im russischen Film Wera Chanschonkowa Apparatus
- ↑ Wera Chanschonkowa Apparatus
- ↑ Вера Ханжонкова kino-teatr (russisch)
- ↑ Wera Chanschonkowa Apparatus Journal (russisch), Selbstangaben zu den Jahren 1927 bis 1929 bei VUFKU, ein Film über die Anfänge des Wasserkraftwerkes Dnipro