Jelisaweta Ignatjewna Swilowa
Jelisaweta Ignatjewna Swilowa (russisch Елизавета Игнатьевна Свилова; * 5. Septemberjul. / 18. September 1900greg. in Moskau, Russisches Kaiserreich; † 11. November 1975) war eine sowjetische Filmeditorin und Regisseurin. Sie war die Ehefrau des Filmemachers Dsiga Wertow.
Leben und Wirken
Jelisaweta Swilowa war die Tochter eines Eisenbahnarbeiters und einer Hausfrau. Bereits mit zwölf Jahren kam sie zur Filmindustrie, wo sie zunächst als Helferin arbeitete.[1] Seit 1914 war sie Schnittassistentin bei der französisch-russischen Filmgesellschaft Pathé frères und wirkte bei mehreren Filmen wie Das Bildnis des Dorian Gray (1915) von Wsewolod Meyerhold mit.
1918 begann Jelisaweta Swilowa bei der Filmabteilung des neuen Volkskommissariats für Bildung als Schnittmeisterin, wo auch Esther Schub arbeitete.
Seit 1922 war Swilowa für die neue zentrale Filmgesellschaft Goskino tätig. 1923 heiratete sie den Filmemacher Dsiga Wertow. In den folgenden Jahren entwickelten sie mit seinem Bruder, dem Kameramann Michail Kaufman in der Gruppe Kinoki avantgardistische Konzepte von neuen Formen des Films, deren Höhepunkt Der Mann mit der Kamera (1929) war, der weltweit viel Anerkennung erhielt.
Nach der zunehmenden Isolierung ihres Mannes seit den frühen 1930er Jahren beteiligte sich Jelisaweta Swilowa verstärkt an offiziellen Filmen der staatlichen Filmgesellschaft, um ihre gemeinsame materielle Existenz zu sichern. 1941 wurden sie nach Kriegsbeginn nach Alma-Ata in Kasachstan evakuiert, wie der größte Teil der sowjetischen Filmindustrie. 1943 kehrten sie nach Moskau zurück.
Anfang 1945 leitete Jelisaweta Swilowa die Aufnahmen zum Film Oswenzim im gerade befreiten Konzentrationslager Auschwitz. Dabei wurden die Szenen mit den ehemaligen Häftlingen bewusst inszeniert, um eine besondere Wirkung zu erzielen. Die Würde der Gefilmten sollte immer gewahrt bleiben.
Im April und Mai 1945 war sie entscheidend an der Zusammenstellung des Films Berlin von Juli Raisman beteiligt, bei dem 80 Frontkameraleute den Vormarsch der Roten Armee von der Oder bis zur deutschen Kapitulation in Berlin dokumentierten.
1946 leitete sie die Aufnahmen zum Dokumentarfilm Das Gericht der Völker über die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse mit.
Nach dem Tod ihres Mannes Dsiga Wertow 1954 zog sich Jelisaweta langsam aus dem aktiven Filmbetrieb zurück und widmete sich der Nachlassverwaltung von dessen Werk. Dafür reiste sie auch öfter in westliche Länder.
Filmografie (Auswahl)
Jelisaweta Swilowa war als Filmeditorin an zahlreichen sowjetischen Dokumentarfilmen beteiligt. Allein zwischen 1939 und 1954 waren darunter über 100 Kurzfilme für Wochenschauen.
- 1926 Ein Sechsel der Erde, von Dsiga Wertov, Regieassistentin
- 1927 Buchara, erste eigene Regie
- 1927 Das elfte Jahr, von Dsiga Wertow
- 1929 Der Mann mit der Kamera, von Dsiga Wertow
- 1931 Enthusiasmus (Donbass-Sinfonie), von Dsiga Wertow
- 1934 Drei Lieder über Lenin, von Dsiga Wertow, Regieassistentin
- 1937 Wiegenlied
- 1944 Der Schwur der Jugend, Regie
- 1945 Oswenzim (Auschwitz), als verantwortliche Leiterin
- 1945 Berlin, mit Juli Raisman
- 1947 Das Gericht der Völker
Weblinks
- Elizaveta Svilova Women Film Pioneer Project (englisch), mit vielen biographischen Informationen
- Elizaveta Svilova Filmportal
Einzelnachweise
- ↑ Elizaveta Svilova Womens Film Project, mit detaillierten biographischen Angaben