Weiler zum Stein
Weiler zum Stein Gemeinde Leutenbach
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| Koordinaten: | 48° 54′ N, 9° 22′ O |
| Höhe: | 290 m ü. NN |
| Eingemeindung: | 1975 |
| Postleitzahl: | 71397 |
| Vorwahl: | 07195 |
| Lage von Weiler zum Stein in Leutenbach
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Ansicht des Dorfs Weiler zum Stein im 17. Jahrhundert (aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1686)
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Weiler zum Stein ist ein Pfarrdorf und seit 1975 ein Gemeindeteil von Leutenbach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographische Lage
Weiler zum Stein liegt rund zwei Kilometer nordwestlich des Kernorts Leutenbach, oberhalb des Tals des Buchenbachs, der bei Burgstall in die Murr mündet. Westlich des Buchenbachs liegt die ausgedehnte Wohnsiedlung Hummerholz.
Umliegende Ortschaften sind Burgstall an der Murr, Erbstetten und der Kirschenhardthof im Norden, Nellmersbach im Osten, Leutenbach im Südosten, Schwaikheim im Südwesten, Bittenfeld und Hochdorf im Westen sowie Affalterbach und Wolfsölden im Nordwesten.
Gliederung der Altgemeinde
Zur Altgemeinde Weiler zum Stein gehören die Weiler Gollenhof und Heidenhof.
Wüstungen
Bei Weiler zum Stein lagen die abgegangenen Ortschaften Azzemansweiler und Guntersweiler.
Geschichte
Es ist unklar, wie der Ortsname Weiler zum Stein entstanden ist. Möglicherweise bezieht sich zum Stein auf Ruinen römischer Herkunft in den Fluren Maurach und Im Schloss, die in früheren Zeiten noch sichtbar waren und als Reste einer mittelalterlichen Burganlage fehlgedeutet wurden.[1] Es gibt im Ort jedoch nicht die geringsten Hinweise auf eine Burganlage[2] oder ein Adelsgeschlecht. Im Codex Hirsaugiensis werden zwar die Edelmänner Nibelung (Nibelunc) und Otto de Wyler erwähnt, die von einigen Historikern mit Weiler zum Stein in Verbindung gebracht werden, jedoch kann dies in Anbetracht der vielen Weiler-Ortsnamen nicht einwandfrei bewiesen werden.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Weiler zum Stein unter dem Namen Wyler im Jahr 1245. Im Jahr 1393 erscheint erstmals die Namensform Wiler zum Stain.[3]
Weiler zum Stein gehörte ursprünglich zum Herrschaftsgebiet des Hauses Baden. Vermutlich verschenkten die Markgrafen von Baden den kleinen Ort an das Augustiner-Chorherrenstift Backnang. 1453 verkauften die Augustiner das Dorf mit allem Zubehör, Gütern und Zinsen an Graf Ulrich von Württemberg. Seitdem wird der Ort zur Region Altwürttemberg gezählt. 1535 führte Herzog Ulrich die Reformation ein.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bestand in Weiler zum Stein eine Wiedertäufer-Gemeinde. Es ist unklar, wann und warum die Gemeinschaft aus der Region verschwunden ist. Vermutlich sind die Wiedertäufer infolge des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) und der Pest untergegangen.[4]
Im 17. Jahrhundert wohnte die Prinzessin Anna Johanna von Württemberg (* 13. März 1619; † 5. März 1679) im Gollenhof (Haus Gollenhof 5 u. 7). 1649 hatte Herzog Eberhard III. seiner unverheirateten Schwester die Hälfte des Hofs mit allen Rechten und Einkünften überlassen. Nach dem Ableben der Prinzessin fielen die Grundstücke wieder an die herzogliche Rentkammer.
Weinbau war im 17.,18. und auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch eine wichtige Einnahmequelle, allerdings wurden die Weinberge in den Jahren 1820 und 1821 vollständig gerodet und in Streuobstwiesen umgewandelt. Man pflanzte vorzugsweise Luikenäpfel, Renetten, Fleiner, Rosenäpfel, Palmischbirnen, Knaus- und Wolfsbirnen an. Von Steinobstsorten pflanzte man gerne Zwetschgen, die oft zu Dörrobst oder zu Schnaps verarbeitet wurden. In guten Jahren konnte Obst in die umliegenden Orte verkauft werden.
Weiler zum Stein gehörte zum Oberamt Marbach. Während der NS-Zeit wurde das Oberamt 1934 zunächst in Kreis Marbach umbenannt und 1938 aufgelöst; Weiler zum Stein wurde dem Landkreis Backnang zugeschlagen.
Bis zum Zweiten Weltkrieg war Weiler zum Stein ein von der Landwirtschaft geprägter Ort. Nach dem Krieg kam es zu einem starken Zuzug von Vertriebenen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches und zu einem Rückgang der Landwirtschaft. Dadurch entstanden bereits in den 1950er Jahren Neubaugebiete am nördlichen und östlichen Ortsrand (Schafäcker, ab 1950). Es folgte das Wohngebiet Hummerholz ab 1973, die Wohnsiedlungen Obere Bühl 1976 und das Gebiet Hasenäcker-Winterhalde 1977.
Bundesweite Bekanntheit erlangte Weiler zum Stein als Wohnort des mutmaßlich psychisch kranken Schülers Tim K., der beim Amoklauf von Winnenden und Wendlingen im März 2009 15 Menschen und anschließend sich selbst tötete.
Religion
Seit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich ist Weiler zum Stein wie ganz Altwürttemberg evangelisch geprägt. Die wenigen Katholiken sind zumeist nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen und werden von Winnenden aus seelsorgerisch betreut.
Politik
Wappen und Flagge
Weiler zum Stein führte ein Gemeindewappen und eine Flagge.
Mit der Auflösung der Gemeinde Weiler zum Stein im Zuge der baden-württembergischen Gemeindegebietsreform ist das Wappen 1975 erloschen. Es kann jedoch weiterhin von ortsansässigen Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege benutzt werden, etwa als Abzeichen, Autoaufkleber oder als Wimpel.
Sehenswürdigkeiten
- Evangelische Pfarrkirche St. Peter: Die kleine Dorfkirche wurde 1275 erstmals erwähnt. Das Kirchenschiff ist spätgotisch, während der Turm aus frühgotischer Zeit stammt. Seit dem 16. Jahrhundert (1584) ist die Kirche nach dem Apostel Simon Petrus benannt.[5] Die Kirche war wohl eine Eigenkirche des Geschlechts Hummel von Lichtenberg. 1359 veräußerte Albrecht Hummel von Lichtenberg das Kirchlein an den Schultheißen von Backnang, dessen Sohn die Kirche an das Backnanger Stift weiterveräußerte.
- Gefallenendenkmal für die Toten des Zweiten Weltkriegs in Form von einzelnen steinernen Kreuzen.
Vereine
- TSV Weiler zum Stein e. V., gegründet 1906. Der eingetragene Verein bietet u. a. Eltern-Kind-Turnen, Federball, Seniorengymnastik und Tanzsport an.[6]
- FSV Weiler zum Stein e. V.: Der Sportverein wurde 1969 gegründet.[7]
- Obst- und Gartenbauverein Weiler zum Stein e. V.: Der Verein bietet u. a. Kurse für Baumschnitt, Veredelung von Obstbäumen und Wanderungen an.
Ortsneckname
In den umliegenden Gemeinden wurden die Einwohner von Weiler zum Stein Weilermer Deifel (Teufel aus Weiler) genannt.
Persönlichkeiten
In Weiler zum Stein geborene Persönlichkeiten
- Gotthold Häussermann (1877–1958), Landwirt, Politiker und Mitglied des württembergischen Landtags
Literatur
- Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Marbach. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1866, S. 305f.
- Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Konrad-Theiss-Verlag, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 293.
- Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart und Lörrach 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 204.
- Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Reichardt, S. 387.
- ↑ Gerhard Fritz, Gotthard Reinhold: Leutenbach, Ortsteile Weiler zum Stein und Gollenhof, angebliche Burg. In: Gerhard Fritz, Roland Schurig (Hrsg.): Die Burgen im Rems-Murr-Kreis. 1. Auflage. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden-Buoch 1994, ISBN 3-927981-42-7, S. 83.
- ↑ Reichardt, S. 386.
- ↑ Gerd Friedrich Nüske: Geschichte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In: Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Konrad-Theiss-Verein, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 116.
- ↑ Weiler zum Stein - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ TSV Weiler zum Stein e.V. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ FSV Weiler zum Stein e.V. – Die Blau-Weißen. Abgerufen am 12. Dezember 2025.