Weißgesichtstelzenläufer
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Weißgesichtstelzenläufer (Himantopus leucocephalus) | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Himantopus leucocephalus | ||||||||||||
| Gould, 1837 |
Der Weißgesichtstelzenläufer (Himantopus leucocephalus) ist eine Vogelart aus der Familie der Säbelschnäbler (Recurvirostridae), die in Australien, Neuseeland, Indonesien (vor allem Java, Sulawesi und die Kleinen Sundainseln) und auf den südlichen Philippinen vorkommt.
Merkmale
Der Weißgesichtstelzenläufer ähnelt dem Stelzenläufer (Himantopus himantopus), unterscheidet sich von diesem aber durch ein dickes schwarzes Band, das sich vom hinteren Halsansatz bis auf den Hinterkopf erstreckt. In freier Natur können beide Arten nur im nördlichen Indonesien miteinander verwechselt werden, da sie nur dort gemeinsam vorkommen. Beide Arten haben sehr lange und dünne, rosafarbene Beine, einen schmalen schwarzen Schnabel und rote Augen mit schwarzer Pupille. Der Rücken und die Flügeldecken sind schwarz, Kopf, Brust, Bauch und die Flanken sind weiß. Der Weißgesichtstelzenläufer erreicht ein Gewicht von 138 bis 208 Gramm.[1]
Lebensraum und Lebensweise
In der Brutzeit kommt der Weißgesichtstelzenläufer an verschiedenen Süßwasserbiotopen vor. Darunter sind Sümpfe, Moore, die Ufer von Seen und Flüssen, Klärteiche und überschwemmte Felder. Nach der Brutzeit leben die Vögel eher nah der Meeresküste, z. B. an Flussmündungen oder an den Küsten großer Binnengewässer. Es gibt sowohl standorttreue als auch wandernde Populationen. Im australischen Frühling und Sommer wurden regelmäßige Langstreckenwanderungen von bis zu 1750 km festgestellt. In Neuseeland wandern die im Süden brütenden Vögel von Januar bis März in den Norden Neuseelands und kehren im August oder September zurück, während die im Norden brütenden Vögel überwiegend standorttreu sind. Seine Nahrung sucht der Weißgesichtstelzenläufer im flachen Wasser, wobei er auf eine relativ ruhige Wasseroberfläche angewiesen ist, da er seine Beute nicht wie viele andere Watvögel mit dem Tastsinn, sondern optisch wahrnimmt. Zu den Hauptbeutetieren zählen Wasserinsekten und deren Larven, vor allem Käfer, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Wasserwanzen, Libellen, Fliegen, Netzflügler, sowie Schmetterlinge und Motten. Außerdem werden kleine Muscheln und Schnecken, Krebstiere, Spinnen, Würmer, sowie Kaulquappen, kleine Fische und deren Eier verzehrt. Es wurde auch beobachtet, dass die Vögel pflanzliche Stoffe fressen, darunter Samen.[1]
Fortpflanzung
Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes brütet die Art zu unterschiedlichen Jahreszeiten, in tropischen Regionen oft nach der Regenzeit, in Neuseeland auf Meereshöhe beginnt die Art Ende Juli bis August mit dem Nisten, in Höhenlagen über 700 Metern jedoch erst Ende September bis Oktober. In weiten Teilen Australiens brüten die Vögel dagegen fast jederzeit, wenn die Bedingungen geeignet sind. Die Nester werden in der Regel in der Nähe des Wassers auf dem Boden, auf blankem Sand oder Schlamm, im Gras, auf schwimmender Vegetation oder großen horizontalen Ästen über dem Wasser angelegt. Hin und wieder nutzen Weißgesichtstelzenläufer auch die alten Nester anderer Vögel z. B. des Schwarzschwans oder die von Lappentauchern. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Nestern betrug in einer Studie 18 Meter, kann aber auch wesentlich größer sein. Oft nisten Weißgesichtstelzenläufer in der Nähe von nistenden Weißbart-Seeschwalben, Australischen Lachseeschwalben, Maskenkiebitzen, Schwarzbrust-Regenpfeifern, Schwarzschwänen oder Rotkopfsäbelschnäblern. Das Nest kann nur aus einer Vertiefung im Boden mit wenig bis gar keiner Auskleidung, einer Vertiefung im zertretenen Gras oder aus Materialien wie Gras, Binsen, Treibholz, Zweigen, Blättern, Schlamm und Muschelfragmenten bestehen. Sowohl das Männchen als auch das Weibchen sind am Nestbau beteiligt. Das Material für den Nestbau wird vor allem im nahen Umkreis um das Nest gesammelt. Die Nester oder Nistmulden haben einen Durchmesser von 19 bis 33 Zentimeter und können bis zu 5 Zentimeter tief oder 16 Zentimeter hoch sein. Das Gelege besteht aus 2 bis 4, seltener bis zu 6 Eiern, die cremefarben bis grünlich oder bräunlich sind und sind mit dunkelbraunen, schwarzen oder grauen Flecken und Streifen gesprenkelt sind. Sie werden von beiden Geschlechtern 23 bis 26 Tage lang bebrütet. Die nestflüchtigen Küken haben ein olivbraunes bis ockerfarbenes Daunengefieder, mit parallelen Reihen schwarzer Flecken auf dem Rücken, und eine cremefarbene Bauchseite. Sie werden von den Eltern nicht gefüttert, sondern suchen selbständig nach Nahrung. Nach 28 bis 37 Tagen werden sie flügge. Beutegreifer, wie Sumpfweihe, Frettchen, Hermelin oder Wanderratte können den Bruterfolg beeinträchtigen.[1]
Systematik
Der Weißgesichtstelzenläufer wurde 1837 durch den britischen Ornithologen John Gould erstmals wissenschaftlich beschrieben.[2] Wie der Amerikanische Stelzenläufer (Himantopus mexicanus) wurde er in der Vergangenheit oft als konspezifisch oder als Unterart des Stelzenläufers (H. himantopus) angesehen. In Neuseeland kreuzt sich der Weißgesichtstelzenläufer mit dem vom Aussterben bedrohten Rußstelzenläufer (Himantopus novaezelandiae).[1]
Gefährdung
In Neuseeland hat die großflächige Rodung von Wäldern und die damit verbundene Ausdehnung von Feuchtgebieten dazu geführt, dass sich der Weißgesichtstelzenläufer auszubreiten konnte und sein Bestand zunahm. Auch in Australien haben die Rodung von Wäldern und die Bewässerung von Weideland und Ackerflächen zu einem Anstieg der Population geführt. In Südostasien könnte die Art dagegen durch illegale Wilderei gefährdet sein. Da sie große Schwärme bilden, sind Weißgesichtstelzenläufer besonders anfällig für Wilderei.[1] Die IUCN führt den Weißgesichtstelzenläufer nicht als eigenständige Art und macht deshalb auch keine Angaben zu einer möglichen Gefährdung.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e R.J. Pierce und G. M. Kirwan (2020). Banded Stilt (Cladorhynchus leucocephalus), Version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.bansti1.01
- ↑ J. Gould (1837): Characters of New Species of Australian birds. Proceedings of the General Meetings for Scientific Business of the Zoological Society of London (V): 24–27.