Stelzenläufer

Stelzenläufer

Stelzenläufer (Himantopus himantopus)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Säbelschnäbler (Recurvirostridae)
Gattung: Stelzenläufer (Himantopus)
Art: Stelzenläufer
Wissenschaftlicher Name
Himantopus himantopus
(Linnaeus, 1758)

Der Stelzenläufer (Himantopus himantopus) ist eine Vogelart aus der Familie der Säbelschnäbler (Recurvirostridae). In Mitteleuropa ist der Stelzenläufer auf Grund großräumiger Ortswechsel ein vereinzelter und unregelmäßiger Sommergast und gelegentlich auch Brutvogel. Den höchsten mitteleuropäischen Brutbestand gibt es in der ungarischen Tiefebene mit bis zu 400 Brutpaaren. Zu Beginn der 1990er Jahre siedelten sich Stelzenläufer auch wieder am Neusiedler See in Österreich an, wo der Bestand 1860 erloschen war.[1]

Systematik

Die Systematik des Stelzenläufers ist noch unklar. Laut BirdLife International und der IUCN ist der Stelzenläufer eine fast weltweitverbreitete Art.[2] Andere Autoren sehen den Stelzenläufer nur auf die Paläarktis, Afrika und Asien beschränkt und stellen die Stelzenläufer in Amerika und Australien/Ozeanien in eigene Arten.[3]

Merkmale

Auffälligste Merkmale des Stelzenläufers sind seine extrem langen, roten Beine und der schwarze, nadelfeine, gerade und lange Schnabel. Der Stelzenläufer erreicht eine Körperlänge von 33 bis 36 Zentimetern, wovon sechs Zentimeter auf den Schnabel entfallen. Die im Flug 14 bis 17 Zentimeter über die Schwanzspitze hinausgehenden Beine werden nicht zur Körperlänge gezählt.[4]

Die Flügelspannweite beträgt 67 bis 83 Zentimeter und der Stelzenläufer hat ein Gewicht von 150 bis 210 Gramm.[5]

Kopf, Nacken, Unterseite und Oberschwanzdecken sind weiß, der obere Rücken und die Flügelunter- und Oberseite sind schwarz. Der Rücken und die Schultern haben bei adulten Männchen einen grünlichen, bei Weibchen einen bräunlichen Glanz. Bei den Weibchen entsteht so ein deutlicher Kontrast zu den schwarzen Flügeln. Die teilweise schwarze Färbung des Kopfes ist bei Männchen ausgeprägter, jedoch kein zuverlässiges Merkmal zur Geschlechtsbestimmung, da es Überschneidungen in der Ausprägung zwischen den Geschlechtern gibt. Meist haben die Altvögel einen grau angehauchten oder deutlich schwarzen Fleck hinter dem Auge, zudem kann der Hinterkopf und hintere Hals schwarz sein. Im Jugendkleid ist dieser Fleck nicht ausgeprägt, der Hinterkopf ist grau übergehaucht. Die Beine der Jungvögel sind fleischfarben, der Rücken ist deutlich bräunlich und die Schwungfedern haben helle Spitzen, wodurch ein heller Hinterrand auf den Flügeln entsteht.[4]

Stimme

Der Stelzenläufer ist nur zur Brutzeit stimmfreudig, ansonsten wenig zu hören. Sein häufigster Ruf ist ein schrilles, etwas quäkend und schnell aufgereiht klingendes „kjück kjück kjück...“, das dem Ruf des Säbelschnäblers ähnelt, jedoch weniger flüssig und härter klingend ist. Bei Alarm ruft der Stelzenläufer laut und rau „krit krit krit...“, ähnlich wie der Spornkiebitz. Ein weiterer Ruf klingt dem der Lachmöwe ähnlich wie ein rollendes „krre“. Der Ruf der Jungvögel erinnert mit „gipp!“ an den Bruchwasserläufer.

Lebensraum und Verbreitung

Der Stelzenläufer lebt in Feuchtgebieten mit Flachwasserzonen[6] in Süß-, Brack- oder Salzwasser, in Lagunen, Salinen und Steppenseen. Im Binnenland werden oft Sekundärlebensräume wie Tagebau oder Klärteiche genutzt.[6]

Je nach Einteilung des Stelzenläufers in ein oder mehrere Arten (siehe Systematik), hat dieser Vogel eine weltweite Verbreitung (Europa, Asien, Afrika, Australien, Neuseeland, Amerika)[7] oder beschränkt sich auf die alte Welt (Europa, Asien und Afrika).[8]

In Europa ist er vor allem entlang der Küste um das Mittelmeer zu finden. Außerdem gibt es ein größeres Vorkommen an der Atlantikküste Frankreichs. Binnenlandbrutplätze beginnen im Südosten Mitteleuropas und ziehen sich über Zentralasien bis ins mittlere China. Dabei sind die meisten in Europa brütenden Stelzenläufer Zugvögel, die ihr Winterquartier in Südspanien, Vorderasien, Nordafrika, bis südlich der Sahara haben.[5]

In Deutschland wurde erstmals 1949 eine Brut in Schleswig-Holstein nachgewiesen. Lange war die Art in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung, aber seit 2012 brütet der Stelzenläufer jährlich hier.[6] Zwischen 2017 und 2022 gab es in Deutschland 15 bis 25 Brutpaare.[9]

In Österreich brütet der Stelzenläufer nur im Seewinkel im Burgenland regelmäßig, tritt als Durchzügler aber zumindest gelegentlich in allen Bundesländern auf. In den Wintern 2019/2020, 2020/2021 und 2021/2022 fanden am St. Andräer Zicksee im Burgenland die ersten erfolgreichen Überwinterungen von Stelzenläufern in Österreich statt.[10]

Fortpflanzung

Das Fortpflanzungsverhalten der Stelzenläufer ist noch nicht abschließend untersucht. Monogame Saisonehe ist vermutlich der Normalfall. Der Nistplatz in Form einer flachen Mulde wird auf dem Boden in der Nähe von Seichtwasser oder auf kleinen Inseln eingerichtet. Der Legebeginn ist abhängig von den Biotopverhältnissen und den Klimabedingungen. In Südeuropa beginnen Stelzenläufer bereits ab Mitte April mit der Eiablage, sonst liegt dieser Termin oft eher zwischen Mitte/Ende Mai und Ende Juni. Das Gelege umfasst in der Regel vier Eier; das Legeintervall beträgt dabei ein bis zwei Tage. Die Eier sind lehm- bis hell olivbraun und weisen sehr dichte kleine schwarzbraune Flecken auf. Die Brutdauer beträgt 23 bis 24 Tage. Beide Elternvögel sind an der Brut beteiligt. Die Jungvögel schlüpfen synchron und verlassen das Nest entweder am Schlupftag oder kurz danach. Sie sind mit 28 bis 32 Tagen selbständig.[1]

Bestand

Die IUCN schätzt die Population in Europa auf 101.000 bis 269.000 geschlechtsreife Individuen, darunter 50.700 bis 135.000 Brutpaare. Bei der Annahme einer weltweiten Art (siehe Systematik) besteht die Gesamtpopulation aus 729,100 bis 4,039,100 Tieren und damit 486,000 bis 2,690,000 geschlechtsreifen Individuen (Stand 2025).[7]

Belege

Literatur

  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2.
  • Richart Chandler: Shorebirds of the Northern Hemisphere. Verlag Christopher Helm, London 2009, ISBN 978-1-4081-0790-4
  • L. Svensson, P. J. Grant, K. Mullarney, D. Zetterström: Der neue Kosmos-Vogelführer – Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 1999, ISBN 3-440-07720-9
Commons: Stelzenläufer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Stelzenläufer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege

  1. a b Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel, Wolfgang Fiedle (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas : alles über Biologie, Gefährdung und Schutz, Nonpasseriformes - Nichtsingvögel. 2. Auflage. Band 1. Aula, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-89104-647-2.
  2. Black-winged Stilt. IUCN, 2019, abgerufen am 4. Mai 2024.
  3. del Hoyo, J. (Hrsg.): All the Birds of the World. Lynx Editions, Barcelona 2020, ISBN 978-84-16728-37-4, S. 219.
  4. a b Richard J. Chandler: Shorebirds of the northern hemisphere. Bloomsburry Publishing, London 2009, ISBN 978-1-4081-0790-4 (englisch).
  5. a b Einhard Bezzel: Das BLV Handbuch Vögel: alle Brutvögel Mitteleuropas. 2. Auflage. BLV, München 2021, ISBN 978-3-8354-1908-7.
  6. a b c A. Trepte: Stelzenläufer - Steckbrief, Rufe, Bilder - in Deutschland. In: https://www.avi-fauna.info/. 2025, abgerufen am 29. November 2025 (deutsch).
  7. a b BirdLife International: Black-winged Stilt (Himantopus himantopus). Hrsg.: The IUCN Red List of Threatened Species 2025. International Union for Conservation of Nature, 5. Juni 2025, doi:10.2305/iucn.uk.2025-2.rlts.t22727969a281850195.en (englisch, iucnredlist.org [abgerufen am 29. November 2025]).
  8. Philipp N. Maleko, Shawn M. Billerman, Peter Pyle: Black-winged Stilt (Himantopus himantopus), version 2.0. In: Birds of the World. 2023, ISSN 2771-3105, doi:10.2173/bow.bkwsti.02 (englisch, birdsoftheworld.org [abgerufen am 29. November 2025]).
  9. Stelzenläufer. In: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA). Abgerufen am 29. November 2025.
  10. L. Khil Egretta 58:: First successful overwinterings of Black-winged Stilt Himantopus himantopus (Linnaeus, 1758) in Austria. In: Egretta. Nr. 58, 2024, S. 141–142 (zobodat.at [PDF]).