Warte Haus

Das Warte Haus am Bismarckplatz in Landshut ist eine 2017 fertiggestellte Bushaltestelle mit Uhrenturm, entworfen von Max Otto Zitzelsberger. Der Bau entstand im Auftrag der Stadt Landshut und stellt eine bewusst historisierende Reminiszenz an die Industriekultur und das Stadtbild des 19. Jahrhunderts dar.[1]

Beschreibung

Inspiriert von historischen Fotografien und Darstellungen der Stadt des 19. Jahrhunderts – insbesondere von eisernen Brücken, Dächern und technischen Bauwerken – entwickelte Zitzelsberger ein Wartehaus, das sich bewusst von zeitgenössischen, funktionalistisch geprägten Haltestellen absetzt. Der Architekt versteht den Entwurf als Hinweis auf die verlorene Qualität städtischer Möbel und als Kritik an der Austauschbarkeit moderner Stadtgestaltung. Das Wartehaus ist als Reminiszenz an jene metallischen Objekte der Städte des 19. Jahrhunderts gedacht, deren gestalterische Ausdruckskraft im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend verloren ging. Gemeint sind unter anderem Geländer und Balustraden, kleine Toilettenhäuser, Litfaßsäulen, Straßenlaternen, Tramhaltestellen oder Blumenkioske. Während heutige Städte vielfach von Werbetafeln, standardisierten Abfallbehältern und funktional reduzierten Wartehallen geprägt sind, erinnert das Bauwerk an eine Epoche, in der Handwerk und Konstruktion zugleich Ausdruck und Gestaltungsmittel waren. Die historisch anmutende Form fügt sich in das vielschichtige Umfeld des Bismarckplatzes ein, der von unterschiedlichen Zeitschichten geprägt ist und in Sichtbeziehung zum Klosters Seligenthal steht. Der Neubau wirkt bewusst „aus der Zeit gefallen“ und verzichtet vollständig auf digitale Anzeigen, Leuchtreklame oder mediale Bespielung.[2]

Die Konstruktion des Wartehauses und des integrierten Uhrenturms besteht vollständig aus Metall. Die Eckstützen sind aus Fertigprofilen mit angeschweißten Bauteilen gefertigt, während die Zwischenstützen aus gelaserten Metallplatten bestehen. Die konstruktiven Details erinnern an traditionelle Verbindungstechniken des Schmiedehandwerks sowie an genietete Eisenbrücken des 19. Jahrhunderts. Besonders prägend ist die Oberflächenbehandlung: Die Konstruktion wurde mit einem roten Eisenglimmerlack versehen, der von Hand mit dem Pinsel aufgetragen wurde. Dadurch bleiben Spuren des manuellen Arbeitsprozesses sichtbar, deren ungleichmäßiger Duktus der Konstruktion eine lebendige, handwerklich geprägte Erscheinung verleiht. Das Dach besteht aus Kupfer und ruht auf einer hölzernen Unterkonstruktion. Die statisch-konstruktive Planung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Bauingenieur Gordian Kley von merz kley partner.[3]

Die Planungs- und Bauzeit erstreckte sich von 2016 bis 2017. Bauherr war die Stadt Landshut unter Oberbürgermeister Hans Rampf.[4]

Die fotografische Dokumentation des Wartehauses stammt von Sebastian Schels, der das Bauwerk unter anderem mit analoger Großbildtechnik aufgenommen hat.[5]

Vorträge

Literatur

Auszeichnungen und Preise

Einzelnachweise

  1. BDA Preis max40: Preisträger 2021. Abgerufen am 13. Dezember 2022.
  2. Warte Haus, Landshut - Bayerische Architektenkammer. Abgerufen am 8. Dezember 2022.
  3. Max Otto Zitzelsberger – Warte Haus. In: Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA. Abgerufen am 8. Dezember 2022.
  4. https://www.feuerverzinken.com/fileadmin/Uploads_Glinde/Zeitschrift/Feuerverzinken_4-2019.pdf
  5. Verzinkerpreise 1989–2019. Abgerufen am 11. Dezember 2022.
  6. BauNetz: Barkow Leibinger gewinnt - Preis des Deutschen Stahlbaus 2018 vergeben. 26. März 2018, abgerufen am 13. Februar 2024.
  7. News. Abgerufen am 8. Dezember 2022.
  8. BauNetz: Max Otto Zitzelsberger geehrt - Weißenhof-Architekturförderpreis 2018 ausgestellt. 19. Oktober 2018, abgerufen am 7. Februar 2024.