Walter Merz (Chemiker)
Walter Merz (* 9. September 1893 in Bern; † 1966) war ein Schweizer Chemiker, Unternehmer und Mitgründer der Merz & Benteli AG. Er gehörte zu den Pionieren in der Herstellung radioaktiver Leuchtfarben in der Schweiz und war darüber hinaus in der Publizistik, im Radiowesen und in der Architektur engagiert.
Herkunft und Ausbildung
Walter Merz wuchs in einer humanistisch geprägten Berner Familie auf. Sein Vater, Walter Merz (1862–1931), war promovierter Philologe, Historiker und Journalist; seine Mutter, Julia Merz-Schmid (1865–1934), war ebenfalls journalistisch tätig und engagierte sich in der Frauenbewegung. Merz besuchte das Gymnasium in Bern und studierte ab dem Wintersemester 1912/13 Naturwissenschaften an der Universität Bern, mit Schwerpunkt Chemie. Er promovierte 1922 bei Volkmar Kohlschütter (1874–1938) über Radium und dessen Einsatz als Leuchtmittel.
Unternehmensgründung
1918 gründete Merz gemeinsam mit seinem Studienkollegen und späteren Schwager Albert Benteli (1893–1955) in Bümpliz ein chemisches Labor, das in den Räumen des Neuen Schlosses untergebracht war. Aus diesem Labor entwickelte sich später die «Merz & Benteli AG». Zunächst produzierte man Radium-Leuchtfarben für die Uhrenindustrie, ab 1932 auch Klebstoffe, darunter den bekannten Markenleim «Cementit». Die formelle Eintragung ins Handelsregister als «Kollektivgesellschaft Chemisches Laboratorium in Bern-Bümpliz» erfolgte nach der Aufnahme der Geschäftstätigkeit. Merz schied 1929 aus der operativen Geschäftsführung aus, blieb der Firma aber als Verwaltungsrat und Berater verbunden – nicht zuletzt über seine Frau, die an seiner Stelle in die Geschäftsleitung von Merz & Benteli eintrat. 1948 übernahm er die Leitung der pharmazeutischen Abteilung, die in Folge einer Zusammenarbeit mit der amerikanischen Firma Dade Reagents Inc. gegründet wurde. Die Zusammenarbeit verlief allerdings nicht so erfolgreich wie erhofft. Schliesslich übernahm Walter Merz zusammen mit seiner Frau das Geschäft und führte es unter dem Namen Merz + Dade AG weiter.
Weitere Tätigkeiten
Nach seinem Ausscheiden aus der Firmenleitung arbeitete Merz für die Viscose-Gesellschaft in Emmenbrücke, engagierte sich in der Berner Chemischen Gesellschaft und betätigte sich publizistisch. 1939 veröffentlichte er in der Zeitschrift «Protar» Artikel über radioaktive Leuchtfarben und Luftschutz. Ab 1944 war er Redaktionsleiter für Naturwissenschaften beim «Schweizer Lexikon». Sein Wirkungskreis ging über die Schweiz hinaus. Er leitete ab 1951 die Forschungsgruppe «Physics and Technology» des Europäischen Forums Alpbach, in dessen Rahmen er mit Persönlichkeiten wie Erwin Schrödinger oder Marie Curie in Kontakt kam.
Merz war in den 1920er Jahren Gründungspräsident der «Radio- und Fernsehgenossenschaft Bern-Deutschfreiburg-Oberwallis» und Präsident der «Union radiophonique Suisse». Er interessierte sich auch für Architektur und liess 1962 in Môtier am Murtensee ein modernes Wohnhaus errichten, das in der Fachzeitschrift Bauen + Wohnen vorgestellt wurde.
Familie
1922 heiratete Walter Merz Dora Benteli (1892–1954), die Schwester seines Geschäftspartners. Das Paar hatte drei Kinder: Erika Dora (1923–2002), Walter Bruno (1926–1987) und Sabina (1928–2008). Nach dem Tod Doras heiratete Merz erneut, seine zweite Frau war Marlis Merz-Deutsch (1918–2009).
Walter Merz starb 1966 im Alter von 73 Jahren.
Literatur
- Walter Thut: Merz & Benteli. Mit Leuchten, Kleben und Dichten Geschichte gemacht. In: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Band 111. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 2018, ISBN 978-3-909059-74-4.
Weblinks
- Walter Merz im Katalog Schweizer Pioniere